Weitere Neonazi-Proteste in Bad Lobenstein mit Unterstützung von Holocaustleugnern

Eine Unterkunft für Flüchtlinge ist Anlass für Neonazi-Proteste im Saale-Orla-Kreis. Anmelderin Jasmin Rasche leugnet Verbindungen nach Rechtsaußen, liefert selbst jedoch zahlreiche Beweise dafür.

Nach Räumung von Polizeistation: Drei Demos in einer Woche 

Jasmin Rasche auf der Demonstration am 22. August, davor Transparent und Fahne der Holocaustleugner-Organisation "Europäische Aktion"

Jasmin Rasche auf der Demonstration am 22. August, davor Transparent und Fahne der Holocaustleugner-Organisation „Europäische Aktion“

Seit am 14. August 2015 die Polizeistation Bad Lobenstein geräumt wurde, um dort Flüchtlinge vorübergehend unterzubringen, instrumentalisieren auch Neonazis den Vorgang. Nach der Spontandemo am 14. August von der Rechtsaußen-Aktivistin Jasmin Rasche fand am 20. August ein weiterer Aufmarsch der „Bad Lobensteiner Bürgerliste“ (BLB) von Stefan Köcher statt.  Mehrere Hundert Personen nahmen daran teil. Zwischenzeitlich war bereits bekannt, dass die Polizei weiterhin vor Ort präsent sein wird und ein neues Gebäude zur Diskussion steht. Die Stadtratsfraktion BLB warb im Vorfeld mit der Forderung “sofortige Wiedereröffnung der Bad Lobensteiner Polizeistation“, ohne zu erklären, was am selben Standort mit den bereits eingezogenen Flüchtlingen passieren sollte. Später wurde beteuert, gegen alle Behördenschließungen in der Region zu demonstrieren, um Asylpolitik solle es jedoch nicht gehen. Vereinzelte Vertreter der extremen Rechten zog es dennoch zur Veranstaltung, die von Linke bis CDU-Anhängern gleichermaßen besucht wurde und eher bürgerlich geprägt war. Am 22. August folgte ein weiterer Aufmarsch, diesmal wieder mit Anmelderin Jasmin Rasche. Immerhin: Die Bürgerliste riet auf Facebook von einer Teilnahme an ihrer Versammlung ab.

2.v.l. mit Brille und hellblauem Hemd: Antisemitischer Volksverhetzer Christian Bärthel und in der Mitte (blond): Jasmin Rasche am 22. August 2015 in Bad Lobenstein

2.v.l. mit Brille und hellblauem Hemd: Antisemitischer Volksverhetzer Christian Bärthel und in der Mitte (blond): Jasmin Rasche am 22. August 2015 in Bad Lobenstein

Anmelderin weiterhin für die extrem rechte Szene aktiv

Reichsfahne in Bad Lobenstein, Vermummt an der Fahne: Silvio Lissner aus Pößneck

Fahne des „Deutschen Reichs“ in Bad Lobenstein

"Gefällt mir"-Angaben von Jasmin Rasche auf Facebook

„Gefällt mir“-Angaben von Jasmin Rasche auf Facebook

Unter dem Motto „Gegen die Überfremdung unserer Heimat! Für den Erhalt unserer Kultur“ wurde bereits im Internet für den Aufmarsch geworben. Im Internet kündigten sich 100 Personen an, nur 50 erschienen tatsächlich, die meisten davon bekannte Personen der extremen Rechten. Zuvor hatte sich Anmelderin Jasmin Rasche an Thüringen Rechtsaußen gewandt und beteuert: „ich bin kein Neonazi und auch nicht rechts radikal….ich bin ganz sicher auch kein npd Anhänger!“. Grund war unser Beitrag über sie und Verbindungen zur Neonazi-Szene. Wir teilten ihr nochmals ausführlich unsere Bewertung mit und baten sie, zu erklären, wie es denn dazu komme, dass sie gemeinsam mit Neonazis auf Aufmärsche fährt, die von Neonazis angemeldet wurden und warum sie Facebookseiten wie „Die Rechte Landesverband Thüringen“, „Europäische Aktion Thüringen“; „Refugees not Welcome Gößnitz“, „Thügida“, die Neonazi-Band „A3stus“, usw. liked. Als Begründung führte sie an, dass jene Menschen, die zum Teil wegen rechten Gewaltstraftaten mehrfach verurteilt wurden, „keinen schlechten Charakter“ hätten. Die Erklärung für die Häufung an „Gefällt mir“-Angaben auf rassistischen und antisemitischen Facebookseiten von Rasche: „Dann passiert es (da ich ein kleines Handy und lange Nägel habe) das man mal aus Versehen auf ‚gefällt mir‘ kommt ohne es zu merken!“. Statt billigen Ausreden konnte sie keine Argumente liefern, welche die im Raum stehenden Vorwürfe hätten entkräften können. Rasche forderte uns auf den Text zu löschen. Wir teilten ihr mit, dem nicht nachzukommen, so lange sie nicht Argumente liefert und zu den Fakten Stellung nimmt und kündigten an, weiter über ihre Aktivitäten in der extremen Rechten zu berichten. Als eine Möglichkeit, zu beweisen, dass sie ernsthaft die neonazistische Szene nicht weiter strukturell durch Versammlungsanmeldungen unterstützt, gaben wir ihr die Empfehlung mit, den von ihr am 22. August angemeldeten Aufmarsch wieder abzumelden. Rasche ließ die Chance verstreichen, auf Distanz zur Neonazi-Szene zu gehen und ließ stattdessen über die Facebook-Seite des Thüringer NPD Landesverbandes einen Ausschnitt aus dem über Facebook-Privatnachrichten geführten Gespräch veröffentlichen, verbunden mit der Äußerung „Linker Gesinnungsterror wird freie Meinungsäußerung nicht unterdrücken!“.  Jasmin Rasche hat damit de facto selber auch den Nachweis über eine Verbindung zur extrem rechten NPD erbracht.

Aufmarsch mit Holocaustleugnern und Rechtsrock aus der Konserve

Neonazi Robert Köcher von der Gruppe "Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis" als Redner

Neonazi Robert Köcher von der Gruppe „Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis“ als Redner

Robert Köcher (2.v.l. mit Sonnenbrillen und heller kurzer Hose) einer Gruppe Neonazis und Hooligans, die am 31. Juli 2015 in Freital versuchte, eine antifaschistische Demonstration anzugreifen

Robert Köcher (2.v.l. mit Sonnenbrille und heller kurzer Hose) einer Gruppe Neonazis und Hooligans, die am 31. Juli 2015 in Freital versuchte, eine antifaschistische Demonstration anzugreifen (Foto: Christian Ditsch)

Auch das Erscheinungsbild ihres neuerlichen Aufmarschs in Bad Lobendstein überraschte nicht. Struktur und Teilnehmerkreis waren großteils übereinstimmend mit den von Neonazis veranstalteten „Thügida“-Aufmärschen. Jasmin Rasche trat nicht nur selbst ans Mikrofon, sondern ließ auch den Neonazi-Aktivisten Robert Köcher auftreten, der unter dem Namen „Bürgerinitiative Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis“ auf Stimmenfang geht und zum Umfeld des „Freien Netz Kahla“ gehört. Köcher gibt nicht nur im Fußball den Sportler, sondern bewegt sich mit Neonazi-Gruppen regelmäßig im Umfeld von antifaschistischen Demonstrationen, um diese zu stören oder gewalttätig anzugreifen. So zum Beispiel in Kahla am 21. Juni 2014, aber auch im sächsischen Freital am 31. Juli 2015. Im Internet verherrlicht er SS-Kriegsverbrecher Erich Priebke und warb vier Wochen nach der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) mit einer mit Pumpgun bewaffneten Pink Panther-Figur auf seiner Facebookseite, in Anlehnung an die Trickfigur in den NSU-Bekennervideos. Als weiterer Redner in Bad Lobenstein sprach auch der Reichsbürger und mehrfach verurteilte Holocaustleugner Christian Bärthel. Wir hatten bereits darauf aufmerksam gemacht, dass Bärthel erst im April diesen Jahres bei einer Demonstration am Geburtstag von Adolf Hitler in Eisenberg darüber sprach, Gegendemonstranten auf seine Art und Weise zu „therapieren“. Die Arbeitslager im Dritten Reich können ja nicht schlimm gewesen sein, wenn noch „70 Jahre nach Kriegsende noch Überlebende von Arbeitslagern da sind“. Bärthel ist für viele antisemitischen Äußerungen bekannt und stand in Bad Lobenstein damit in guter Gesellschaft. Ein Dachverband von Holocaustleugnern, die „Europäische Aktion“, stellte das Lautsprecherfahrzeug für die Versammlung von Jasmin Rasche. Der Wagen, der dem Thüringer Gebietsleiter der Europäischen Aktion, Axel Schlimper, gehört, wird regelmäßig für Aufmärsche der extremen Rechten in Thüringen benutzt. Auf der Demonstration wurden auch ein großes Transparent und Fahnen der Europäischen Aktion gehisst. Weitere Neonazis aus der Region waren mit von der Partie, darunter auch der Pößnecker Silvio Lissner. Er meldete bereits mit NPD-Landesorganisationsleiter David Köckert zusammen den „Thügida“-Aufmarsch am 22. Juni in Pößneck an. Jasmin Rasche schon damals Teilnehmerin, will bis heute aber von extrem rechten Verstrickungen nichts wissen, obwohl sie gemeinsam mit dem Pößnecker Neonazi die geschlossene Facebook-Gruppe „Wir lieben den Saale-Orla-Kreis“ mit etwas mehr als 180 Mitgliedern administriert.

Nach der Demonstration in Bad Lobenstein: Rasche bestätigt Abspielen von Rechtsrock

Nach der Demonstration in Bad Lobenstein: Rasche bestätigt Abspielen von Rechtsrock

Nach der Veranstaltung in Bad Lobenstein bedankt sich online auf der Veranstaltungsseite „Wir lieben Ostthüringen“, ein Teilnehmer für die „schöne Demo“ und erkundigte sich bei den Organisatoren: „Könnte mir jemand die ganzen Liedtitel von den Liedern die gestern gespielt wurden nennen ?“. Jasmin „ich bin nicht rechtsradikal“ Rasche liefert prompt die Antwort: „A3stus“, „Sturmwehr“ und „Annett Müller“ – alle samt bekannte Musiker der Neonazi-Szene. Insbesondere Sturmwehr gehört seit 1993 zu den ältesten Rechtsrockgruppen in Deutschland. In den Texten geht es oft um Blut, Ehre, Volk, Vaterland, sowie darum, „Neger“, Juden und Türken zu erledigen. Sturmwehr Frontmann Jens Brucherseifer, der ebenfalls unter „Sturm 18“ auftrat, singt in einem Lied: „Wir werden Terroristen sein, wir räumen hier auf, wir räuchern sie aus, macht der Rattenbande den Garaus“. Wenn es nach Jasmin Rasche geht war vermutlich auch dieser Fall nur wieder „ein Versehen“. Wahrscheinlich ist auch der Rechtsrocker Brucherseifer mit langen Fingernägeln nur beim Komponieren auf die falschen Tasten gekommen, völlig unbeabsichtigt versteht sich.

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