„Bürgerinitiative Wir lieben Gera“ – Volksverhetzer, Brandstifter, Neonazi-Schläger – Übersicht über die verantwortlichen Personen

Nach dem von Neonazis in Gera organisierten Aufmarsch mit 1.500 Personen am 10. Oktober soll am 17. Oktober eine Wiederholung stattfinden. Das Organisationsteam von „Wir lieben Gera“ setzt sich nahezu ausnahmslos aus der Ostthüringer Neonazi-Szene zusammen. In Gera gab es inzwischen mehrfach Versuche, zu Sabotagezwecken in die neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Wismut Krankenhaus einzudringen, auch kam es zu Gewalt durch Neonazis. Wir stellen die Köpfe von „Wir lieben Gera“ hier nochmal persönlich vor.

Sarah Schumann – Die Geschichtsrevisionistin besucht Udo Voigt (NPD) und mobilisiert die Neonazi-Szene

Sarah Schumann am 10. Oktober 2015 in Gera

Sarah Schumann am 10. Oktober 2015 in Gera

Sarah Schuhmann ist Anmelderin der letzten Thügida-Aufmärsche gegen Flüchtlinge in Gera, darunter auch die Aufmärsche am 19.9. und am 10.10. Sie tritt sowohl hinter den Bezeichnungen „Wir lieben Ostthüringen“ als auch „Wir lieben Gera“ auf. Im Jahr 2015 war sie mehrmals Teilnehmerin von Neonazi-Demonstrationen in Thüringen, darunter dem Aufmarsch der „Europäischen Aktion“ Thüringen, „Die Rechte“ Thüringen und Thügida am 3. Oktober 2015 in Jena mit 200 Neonazis. Sie ist ebenfalls Administratorin des Facebook-Auftritts von „Wir lieben Gera“ sowie einer geschlossenen Facebook-Gruppe gleichen Namens. Nachdem in der Nacht zum 9. Oktober 2015 Unbekannte in die geplante Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Wismut Krankenhaus eindrangen und die Wasserhähne aufdrehten, schrieb wenige Stunden später ein Nutzer in der geschlossenen Facebook-Gruppe der Initiative: „wie wär es mit einer Bürgerwehr für Gera/Umgebung?“. Schuhmann antwortete als erste: „Ich denke dafür wird es wirklich langsam Zeit!“. Dem Landesgeschäftsführer der Neonazi-Partei „Die Rechte Thüringen“, Jörg Krautheim und dem NPD-Stadtrat Peter Pichl gefielen Schumanns Zustimmung. Über die geschlossene Gruppe koordinierte sie weitere Störaktionen gegen einen Auftritt des Thüringer Migrationsministers in Gera-Liebschwitz und einen Infostand von einer Flüchtlingsunterstützer-Initiative in Gera. Sie beklagte, dass die Menschen lieber über das „schwere Los der Minderheiten in Bulgarien“ aufmerksam machen statt „unserer vertriebenen Großelterngeneration“ zu gedenken.

Sarah Schumann am 18. Juli 2015 in Guthmannshausen auf dem Sommerfest des Europaabgeordneten der NPD, Udo Voigt

Sarah Schumann am 18. Juli 2015 in Guthmannshausen auf dem Sommerfest des Europaabgeordneten der NPD, Udo Voigt

Bei der spontanen Mobilisierung am 20. Juni kamen 13 Neonazis und Unterstützer zusammen, die mit Schumann gemeinsam einen Infostand störten. Ein Aktivist bedankte sich danach: „Daumen hoch Sarah. Klasse wie du es spontan organisiert hast … Dies wird den Überfremdungsfanatikern sauer aufstoßen“. Als am 21 September 2015 in Gera-Liebschwitz die ersten Flüchtlinge eintrafen, mobilisierte Sarah Schuhmann über Internet und Telefon mit dem Kurzaufruf „Heute Spontandemo 18 Uhr in Liebschwitz vor dem Asylheim“ rund 100 Personen. Wenige Wochen zuvor, als mehrere Hundert Flüchtlinge mit dem ersten Zug in Saalfeld ankamen mobilisierte Schumann ebenso zu einer Spontanaktion der Neonazis um 18 Uhr zum Saalfelder Bahnhof. Außerdem verbreitet sie auch Hetzbeiträge mit Lügen über Flüchtlinge in Gera wie am 12. September, als sie schrieb: „Laut einer Ärztin des Krankenhauses Gera werden TÄGLICH deutsche Frauen von Asylanten in Gera vergewaltigt“, ein anderer Aktivist forderte daraufhin „Zum selbstschutz sollte sich jeder bewaffnen dürfen“, Sarah Schuhmann gefiel es. Am Tag der Befreiung des Hitlerfaschismus legte Schuhmann mit anderen Neonazis in Gera an einer Gedenkstele einen Kranz nieder und schrieb dazu in geschichtsrevisionistischer Manier: „Eine kleine Geste der Bürgerinitiative „Wir lieben Gera“ Gedenken der Kriegsverbrechen des 08. Mai 1945″. Seit Jahren nutzen Neonazis in Gera diesen Tag um die Geschichte zu verdrehen. Mitte September wurde ein weiteres Mal deutlich, dass Schumann sich in eine andere Richtung orientiert: „Wenn wir bis zur Wahl warten, können wir unsere Zukunft vergessen“. Antifaschist_innen aus Gera berichteten, dass Schumann am 5. Oktober 2015 in Gera bei einem Angriff auf Unterstützer von Flüchtlingen beteiligt gewesen sein soll. Am 18. Juli 2015 fuhr Schumann nach Gutmannshausen im Landkreis Sömmerda zur geschichtsrevisionistischen „Gedächtnisstätte“, um dort das Sommerfest des ehemaligen NPD-Parteichef Udo Voigt zu besuchen.

Robert Köcher – Fan von SS-Kriegsverbrecher, reist gewaltsuchend nach Freital

Robert Köcher am 3. Oktober 2015 in Jena

Robert Köcher am 3. Oktober 2015 in Jena

 Köcher (2.v.r.) mit Markus Dettler und Sarah Schumann im Neonazi-Veranstaltungsort "Goldener Löwe" von Tommy Frenck

Köcher (2.v.r.) mit Markus Dettler und Sarah Schumann im Neonazi-Veranstaltungsort „Goldener Löwe“ von Tommy Frenck

Der 28-jährige kommt aus dem Saale-Holzland-Kreis (SHK) und wirkt maßgeblich unter den Bezeichnungen „Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis“ und „Wir lieben Gera“. Außerdem tritt er als Sprecher für den vermeintlichen Verbund „Wir lieben Ostthüringen“ auf. Köcher stammt aus dem Umfeld des „Freien Netz Kahla“ das für viele Neonazi-Straftaten in Kahla verantwortlich ist. Auf seiner Facebook-Seite verherrlicht er den SS-Kriegsverbrecher Erich Priebke und verhöhnte die Opfer des NSU-Terrors wenige Wochen nach der Selbstenttarnung im Dezember 2011 mit einer „Pink Panther“ Figur, die eine Pumpgun in der Hand hielt. Zu seinen Vorlieben gehören die Rechtsrock-Band „Stahlgewitter“ und der extrem rechte Liedermacher Frank Rennicke.

31. Juli in Freital: 2.v.l. mit Sonnenbrillen und heller kurzer Hose: Robert Köcher, mitte mit offener grauer Jacke: Markus Dettler

31. Juli in Freital: 2.v.l. mit Sonnenbrille und heller kurzer Hose: Robert Köcher, mitte mit offener grauer Jacke: Markus Dettler

Köcher war Mittelfeld-Spieler einer Fußballmannschaft in Graitschen (SHK) und gilt als gewalttätig. Am 21. Juni 2014 versuchte er mit anderen Neonazis des „FN Kahla“, eine Antifa-Demonstration in Kahla zu stören und ihre Teilnehmer anzugreifen. Am 31. Juli 2015 reiste er mit Mitgliedern der beiden „Bürgerinitiativen“ aus Gera und dem SHK in das sächsische Freital, wo es zuvor zu rassistischen Aufmärschen und Anschlägen gekommen war. In seiner Begleitung befand sich auch ein Neonazi, der 2011 in die Stadtkirche Kahla eindrang und antisemitische Parolen sprühte, sowie 2013 den neu eröffneten Demokratieladen in Kahla attackierte. In Freital versuchte Köcher mit anderen Neonazis die Teilnehmer einer antifaschistischen Demonstration zu attackieren. In diesem Jahr trat er mehrmals bei „Thügida“ bzw. Neonazi-Aufmärschen als Redner auf, so am 22. August in Bad Lobenstein, am 10. Oktober in Gera und am 3. Oktober in Jena. Auf Aufmärschen trägt er zunehmend ein Megafon, um die Menge anzuheizen.

Markus Dettler – unterstützt „Barrikadenbau“ vor Flüchtlingsunterkünften

Markus Dettler im "Weißen Block" der Europäischen Aktion Thüringen am 27. Juni in Jena

Markus Dettler im „Weißen Block“ der Europäischen Aktion Thüringen am 27. Juni in Jena

Markus Dettler mit Fahne der Europäischen Aktion beim Aufmarsch in Bad Lobenstein

Markus Dettler mit Fahne der Europäischen Aktion beim Aufmarsch in Bad Lobenstein

Dettler pflegt thüringenweite Kontakte in die Neonazi-Szene und tritt bei Veranstaltungen der extremen Rechten als Teilnehmern und Mitorganisator auf. Als am 5. Juli 2014 rund 300 Neonazis das Rechtsrock-Konzert „Rock für Deutschland“ vom Geraer NPD-Stadtrat Gordon Richter besuchten, war auch Markus Dettler zugegen. Die Polizei registrierte 21 Straftaten durch Teilnehmer der NPD-Veranstaltung. Die Veranstaltung wurde 19.30 Uhr vorzeitig abgebrochen, nachdem zuvor eine Band ein indiziertes Lied spielte und die Bühne verlassen musste. Vor der Bühne stand Markus Dettler und war offiziell als Ordner für das Konzert im Einsatz. Auf Facebook macht er keinen Hehl aus seiner Gesinnung und nennt sein Pseudonym „Martin Braun“. Unter seinen „Gefällt mir“-Angaben finden sich viele Neonazi-Gruppen, darunter „Die Rechte“, die NPD und „Der III. Weg“, das „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ und die rechte Hooligan-Gruppe „Brigade Halle“. Bei ihm laufen organisatorische Fäden zusammen wie am 12. Oktober. Er verkündete nicht über das offizielle sondern über sein privates Profil als erster Details aus der Programmplanung für den erneuten Aufmarsch am 17. Oktober in Gera. Der etwa 30-jährige Dettler gilt als gewalttätig und marschierte am 1. Mai in Saalfeld gemeinsam mit Robert Köcher und dem Jenaer Neonazi Nico Metze ausgerechnet neben jener etwa 70-köpfigen Gruppe, die zuvor drei Menschen bei einem Übergriff schwer verletzt hatte. Gemeinsam mit Köcher war er auch im sächsischen Freital und soll am 5. Oktober 2015 in Gera bei einem Angriff beteiligt gewesen sein. Dass Dettler nicht nur gegen Flüchtlingsunterkünfte demonstrieren will, sondern auch radikalere Vorgehensweisen unterstützt machte er auch am 11. Oktober 2015 deutlich. Auf Facebook markierte er einen Aufruf bei der „Europäischen Aktion Thüringen“ zum Barrikadenbau vor Unterkünften von Flüchtlingen mit dem Spruch „Refugees not welcome“ mit „Gefällt mir“. Auf den Thügida-Flyern für Gera tritt er als presserechtlicher Verantwortlicher mit seinem Namen auf. Bei mehreren Veranstaltungen, wie auch bei der Thügida-Demonstration in Pößneck trug Dettler eine Fahne der „Europäischen Aktion“. Die Demonstration in Gera am 17. Oktober 2015 wurde von Markus Dettler angemeldet.

Jörg Krautheim: Die „Judenheit“ bedroht Horst Mahler

Jörg Krautheim (2.v.l.) bei einem Treffen von "Wir lieben Gera", rechts am Rand: Neonazi-Kampfsportler Hannjo Wegmann aus Erfurt

Jörg Krautheim (2.v.l.) bei einem Treffen von „Wir lieben Gera“, rechts am Rand: Neonazi-Kampfsportler und verurteilten Schläger Hannjo Wegmann aus Erfurt

Der 37-jährige war Mitbegründer der „Kameradschaft Gera“ in den 90er Jahren und gehört seit vielen Jahren zu den besonders umtriebigen Akteuren der Neonazi-Szene in der Region Ostthüringen. Nach einem Umweg bei den „Nationalen“ und einem Posten bei der NPD Thüringen als Landesorganisationsleiter ist er inzwischen Landesgeschäftsführer der Neonazi-Partei „Die Rechte Thüringen“, in der weitere Gewalttäter wie Michel Fischer aus Tannroda aktiv sind. Kurz bevor die Polizei 1997 in Heilsberg bei Saalfeld das größte Waffenlager der Neonazi-Szene aushob verbarrikadierte sich Krautheim zusammen mit anderen THS-Kadern wie André Kapke in dem Szenetreff. 1998 beteiligte er sich an einem bewaffneten rassistischen Überfall in Gera und am 27. Juni 2000 attackierte er mit drei anderen Geraer Kameradschaftsmitgliedern, darunter Nico Hüfner, die „Alrhaman Moschee“ in Gera mit Steinen. Krautheim wurde zwar in der Nähe festgenommen und Polizeibeamte fanden mehrere (Gas-)Pistolen, im Prozess wurde er jedoch freigesprochen. Auf einer von ihm betriebenen Internetseite veröffentlichte er Steckbriefe von politischen Gegnern, von denen einige später Opfer von Neonazi-Attacken wurde. Auf seiner privaten Internetseite veröffentlichte er bis vor einer paar Monaten Beiträge, in denen er um Solidarität für die Holocaustleugner Horst Mahler und Sylvia Stolz warb und zu diesem Zweck entsprechende T-Shirts verkaufte. Außerdem betrieb er bis vor kurzem die Domain „freiheit-fuer-horst-mahler“, auf der er kein Blatt vor den Mund nahm. In einem Text schrieb er dort: „Zweck und Ziel des Horst Mahler angetanen Freiheitsentzuges ist das Interesse der Judenheit, dieses im Kopf von Horst Mahler rumorende Denken wie den Keim einer tödlichen Krankheit in Quarantäne zu versetzen, damit dieser das allgemeine Bewusstsein mit diesen Gedanken nicht „anstecken“ kann (…) Die abgestraften Gedanken und das Denken Horst Mahlers macht den Juden Angst; nicht weil es für ihr Leben, ihre geistige Integrität oder persönliche Freiheit eine Gefahr darstellt, sondern ihre tyrannische Herrschaft über die Völker beenden wird.“. Krautheim ist Bestandteil der „Bürgerinitiative Wir lieben Gera“, setzte im geschlossenen Forum die Agitation für Mahler fort, versuchte dort Gelder für ihn zu sammeln und forderte die Mitglieder der Initiative auf, es ihm gleich zu tun und entsprechende Propaganda verteilen. In einem Beitrag bei „Wir lieben Gera“ heißt es: „Wer aus Gera, SHK oder Greiz (bzw. aus Ostthüringen) kommt und das Stadtbild ein wenig verschönern möchte, diese H. Mahler Soliaufkleber sind bei mir kostenlos zu haben…. Bei Interesse einfach eine PN an mich.“ Er nahm an Treffen der „Bürgerinitiative Wir lieben Gera“ teil und unterstützt die Arbeit organisatorisch, zuletzt legte er auf Facebook die offizielle Veranstaltungsseite zur Demonstration am 10. Oktober an, in der 470 Personen ihre Teilnahme bekundeten. Als am 1. August 2015 in Sachsen ein neuer Landesvorstand der Partei „Die Rechte“ gewählt wurde, sandte Krautheim: „Viel Erfolg u. beste Heilsgrüße aus Thüringen!“ Am 14. Oktober 2015 bat er die Mitglieder der Initiative darum, einen alten Laptop zu spenden, er bräuchte diesen für „ein neues Wir lieben Gera – Projekt“. Sein privater Laptop sei vom polizeilichen Staatsschutz bei einer Razzia beschlagnahmt worden.

Martin Brehme – Idole: Hooligans und Adolf Hitler

Seit mehreren Jahren gehört der aktive Neonazi zum Umfeld der Neonazi-Szene aus Kahla/Saale-Holzland-Kreis und pflegt thüringenweit Kontakte in die Neonazi-Szene. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der „Bürgerinitiativen Wir lieben Gera“ und „Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis“ reiste er zu Demonstrationen der rechten Szene.

Martin Brehme am 27. Juni 2015 in der Demonstration der "Europäischen Aktion Thüringen"

Brehme am 27. Juni 2015 bei den Holocaustleugnern der „Europäischen Aktion Thüringen“

So auch am 27. Juni 2015 bei einem Aufmarsch der Holocaust-Leugnerorganisation „Europäische Aktion Thüringen“ in Jena, wo Brehme Teil eines „Weißen Blocks“ war. Seine Aufgabe sollte es sein, gegen Blockaden von Antifa und Zivilgesellschaft vorzugehen bzw. die angemeldete Route in jedem Fall zu laufen, auch wenn auf der Strecke Gegendemonstranten Platz genommen hätten. Auf Facebook macht Brehme, der bei der Firma Eisenberger Gerüstbau arbeitet keinen Hehl und nennt sich dort „Karl Braun“ und hat als Wohnort „Braunau am Inn“, die Geburtsstadt von Adolf Hitler, angegeben. Er sympathisiert mit der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“, der rechten Hooligan-Gruppe „Brigade Halle“ und den „Identitären“. Er hat außerdem ein Faible für Waffen, ist bisher aber nur mit Paintball-Waffen gesehen worden. In diesem Jahr nahm er mehrfach an „Thügida“-Demonstrationen teil und unterstützt regelmäßig seine Freunde in Gera. Brehme reist seit mindestens 6 Jahren zu Aufmärschen teilweise auch in anderen Bundesländern und war dort an gewalttätigen Übergriffen beteiligt. Zuletzt soll er am 5. Oktober bei einem Angriff von Mitgliedern der „Bürgerinitiative Wir lieben Gera“ beteiligt gewesen sein.

Peter Pichl – Die Stadtratsquelle von „Wir lieben Gera“ mit Hang zum Rechtsrock

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Pichl reicht Daten und Dokumente die er als Stadtrat über Flüchtlingsunterkünfte erhält in ein geschlossenes Forum von „Wir lieben Gera“ durch

pichl2Seit mehreren Jahren gehört Pichl gemeinsam mit Gordon Richter zum Kern des NPD-Kreisverbandes Gera. Gemeinsam sitzen beide im Stadtrat und organisierten bis zum letzten Jahr das jährliche Rechtsrock Open-Air „Rock für Deutschland“ mit Neonazi-Bands und Rednern. Pichl behauptet vehement gegenüber der OTZ, die „Wir lieben Gera“-Aufmärsche seien keine NPD-Veranstaltungen, sondern würden nur privat durch einzelne Mitglieder unterstützt. Allerdings weiß er, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Innerhalb der NPD Gera wird regelmäßig für die Aufmärsche geworben und viele Geraer NPD-Mitglieder nehmen regelmäßig an den Aufmärschen Teil. Peter Pichl übt selber eine relevante Funktion aus: Er ist der direkte Draht der „Bürgerinitiative“ in den Stadtrat. Über seine Funktion als kommunaler Mandatsträger der Stadt Gera trägt er regelmäßig Informationen direkt in das geschlossene Facebook-Forum der Organisation. In den letzten Monaten waren das vorwiegend Planungen zu Unterkünften von Flüchtlingen in Gera. Als am 11. September 2015 ein Schreiben der Oberbürgermeisterin zum Thema „Beschlussvorlage zum Interessenbekundungsverfahren ehm. Bergarbeiterkrankenhaus“ an alle Mandatsträger verlesen wurde, stellte der 35-jährige Pichl das komplette Papier vier Tage später in das geschlossene Forum der Initiative. Weitere Planungen und Finanzen machte er dort ebenso publik wie Aufrufe an die Mitglieder zur Stadtratssitzung zu kommen oder einen Aufschrei am 12. September mit den Worten: „Alles redet über Liebschwitz und Co., dabei wird Gera gerade regelrecht überflutet und keinen interessierts“. Der selbstständige Informatiker ist mit nahezu sämtlichen Thüringer NPD-Funktionären vernetzt und trat für die NPD mehrfach zu Bundestags und Landtagswahlen an. Seit seiner Jugend ist er in der Neonazi-Szene aktiv und nahm auch schon zu Zeiten des Thüringer Heimatschutzes, aus dem später der NSU hervorging, an Demonstrationen teil. Zur Thüringer Landtagswahl 2014 trat er für die NPD auf Listenplatz 17 an und ist zurzeit auch Mitglied im Kreisvorstand der NPD Gera.

Christian Bärthel – Holocaustleugner, der Gegendemonstranten in Arbeitslagern „therapieren“ will

(Foto: Infothek Dessau)

(Foto: Infothek Dessau)

Eine weitere Figur bei „Wir lieben Gera“ und „Wir lieben Ostthüringen“ ist der 40-jährige Christian Bärthel, der ein mehrfach verurteilter Volksverhetzer und notorischer Holocaustleugner ist. Bärthel stellt sich gerne selbst als „Prediger“ und „Evangelist“ dar, vertritt aber die Ideologie der Reichsbürger wie sie im Bilderbuch steht. Seit dem Frühjahr 2015 nimmt er immer wieder an Thügida- und Pegada-Aufmärschen als Redner teil. Bei der Demonstration zum Hitlergeburtstag am 20. April 2015 in Eisenberg, redete Bärthel am Mikrofon über Konzentrationslager und sprach davon, Gegendemonstranten zu „therapieren“. Wörtlich führt er aus: „Die Methoden der Therapie möchte ich nicht hier öffentlich sagen.

Christian Bärthel bei seiner Rede am 10. Oktober 2015 in Gera

Christian Bärthel bei seiner Rede am 10. Oktober 2015 in Gera

Aber wenn man weiß, dass auch 70 Jahre nach Kriegsende noch Überlebende von Arbeitslagern da sind, dann kann ich sagen, Arbeit hat noch niemandem geschadet.“ Das Verwaltungsgericht Freiburg stoppte seine Bürgermeisterkandidatur mit der Begründung, Bärthel biete wegen seiner Verstrickung in die rechtsradikale Szene nicht die Gewähr dafür, dass er jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintrete. 2009 wollte Bärthel auf Platz 1 seiner Gruppe „Aktion Freies Ronneburg” zur Stadtratswahl antreten. Zu diesem Zeitpunkt liefen gegen deren Mitglieder bereits Verfahren wegen gemeinschaftlichen Diebstahls, Volksverhetzung und unerlaubten Umgangs mit explosionsfähigen Stoffen sowie mit Waffen. Bärthel war Funktionär bei der „Deutschen Partei“ (DP), bei der „Deutschen Volksunion“ (DVU) und arbeitete zwischen 2007 und 2009 als persönlicher Mitarbeiter des sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Peter Klose in Zwickau. Zwei Jahre vor dem Beschäftigungsbeginn hatte die Polizei Bärthels Wohnung wegen des Verdachts der Volksverhetzung durchsucht. Aufmerksamkeit erregte er 2011 auch mit einem geplanten „Gedenkgottesdienst“ für Rudolf Hess, den Stellvertreter von Adolf Hitler. Auf einer Thügida-Demonstrationen in diesem Jahr endete er mit den Worten “Die Wahrheit wird uns freimachen”, eine deutliche Reminiszenz an die zynische Parole “Arbeit macht frei”, die einst an den KZ-Toren prangte. Bärthel hält bei Thügida und der Geraer Initiative Reden, nimmt an Treffen teil und erstellt Flugblätter.

David Köckert – Der kriminelle NPD Landesorganisationsleiter

Köckert am 10. Oktober 2015 in Gera neben seinem Lautsprecherwagen

Köckert am 10. Oktober 2015 in Gera neben seinem Lautsprecherwagen

Der Greizer Neonazi ist nicht nur seit Jahren eine zentrale Figur der Ostthüringer Neonazi-Szene. Seitdem die Thüringer NPD Anfang 2015 einen Führungswechsel vornahm, entfacht Köckert Aktionen in ganz Thüringen und organisiert wöchentliche Aufmärsche. Köckert gehörte früher zum Netzwerk von „Blood & Honour“, war Mitglied in Kameradschaften und war im Umfeld des vogtländischen Szenegeschäftes „Ragnaröck“ aktiv. Bei Polizei und Staatsanwaltschaften füllte er über die Jahre hinweg einige Aktenberge wegen Körperverletzungen gegen politische Gegner, illegalen Rechtsrock-Konzerten und der Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen. Gegen ihn wurde aber auch wegen Betrugs, Versicherungsbetrugs, Kreditkartenbetrugs und Sozialversicherungsbetrugs ermittelt. Auf seinen Aufmärschen hetzt er gerne gegen angebliche „Asylschwindler“ und „wirtschaftskriminelle Asylanten“, seine eigene Vita verschweigt er seinen Zuhörern jedoch gerne. Köckert war 2013 Mitglied der AfD und organisierte bereits in Greiz Aufmärsche gegen eine Unterkunft für Flüchtlinge. Der zurzeit insolvente Unternehmer ist nicht nur Anführer der Greizer NPD sondern seit Anfang des Jahres auch Landesorganisationsleiter der Thüringer NPD. Einen Löwenanteil der Überstundenkonten bei der Thüringer Polizei dürfte auf Köckerts Anmeldetourismus zurückgehen, der kaum eine Woche auslässt, um nicht irgendwo eine extrem rechte Veranstaltung zu organisieren. Für „Wir lieben Gera“ und „Wir lieben Ostthüringen“ ist Köckert kaum wegzudenken. Obwohl Sarah Schumann als Anmelderin auftritt, übernimmt auf den Aufmärschen der Greizer Neonazi das Ruder und heizt in seinen Redebeiträgen die Menge an. Er organisiert ebenfalls Vernetzungstreffen und stellte Strukturen zur Verfügung wie Gelder und seinen beigefarbenen Kleinbus, der als Lautsprecherwagen genutzt wird.

Thügida-Vernetzungstreffen im Oktober 2015. Von links: 1. Frank Rohleder, 2. Tommy Frenck, 3. David Köckert, 4. Axel Schlimper, 5. Ringo Köhler, 6. Hannjo Wegmann, 7. (vorne) Peter Pawlak, 8. (hinten) Ralf Gabel, 9. Frank Geißler, 10. Markus Dettler, 11. Sarah Schumann

Thügida-Vernetzungstreffen im Oktober 2015. Von links: 1. Frank Rohleder, 2. Tommy Frenck, 3. David Köckert, 4. Axel Schlimper, 5. Ringo Köhler, 6. Hannjo Wegmann, 7. (vorne) Peter Pawlak, 8. (hinten) Ralf Gabel, 9. Frank Geißler, 10. Markus Dettler, 11. Sarah Schumann

Daneben sind noch weitere Personen in der „Bürgerinitiative Wir lieben Gera“ aktiv, wie zum Beispiel Sebastian Steinhäuser, der sich das Deutsche Reich zurückwünscht und ebenfalls an NPD-Veranstaltungen teilnahm, oder Madlen Freygang, die in Gera-Liebschwitz aktiv ist und neben Schuhmann den Facebook-Auftritt moderiert. Sie pflegt Kontakte zu den NPD-Funktionären Patrick Weber und David Köckert.

Jetzt auch mit im Boot: Brandstifter der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“

Nico Metze vom "FN Jena"

Nico Metze vom „FN Jena“, 2010 bereits als mutmaßlicher Brandstifter ertappt

Metze bei seiner Rede am 10. Oktober 2015 in Gera

Metze bei seiner Rede am 10. Oktober 2015 in Gera

Bei dem von Sarah Schumann am 10. Oktober 2015 veranstalteten Aufmarsch in Gera liefen nicht nur die Neonazi-Parteien NPD und „Die Rechte“ mit, auch die Partei „Der III. Weg“ war diesmal präsent. Ihre Vertreter drängten sich mit einem Transparent und mehreren Schildern der Partei an die Spitze des Aufmarsches. Mehrere Personen trugen Jacken mit dem Logo der Partei. Unter den etwa 20 Personen am Anfang befand sich auch der Jenaer Neonazi Nico Metze. Er war ein enger Vertrauter von Ralf Wohlleben, bis dieser als mutmaßlicher NSU-Helfer verhaftet wurde. Metze betreibt die Internetseite und den Twitteraccount vom „Freien Netz Jena“ und ist seit mehreren Monaten an der Verteilung von Flyern der Partei „Der III. Weg“ in Jena und im Saale-Holzland-Kreis beteiligt. Die Partei wird in anderen Bundesländern mit Brandstiftungen an Unterkünften von Flüchtlingen in Verbindung gebracht.

Mitglieder vom III. Weg am Auftaktort der Demonstration am 10. Oktober 2015 in Gera (Foto: OTZ)

Mitglieder vom III. Weg am Auftaktort der Demonstration am 10. Oktober 2015 in Gera (Foto: OTZ)

Nico Metze ist selber als mutmaßlicher Zündler bekannt. Am 15. Juli 2010 begab sich Metze mit David Buresch, der 2014 über die NPD in den Stadtrat von Kahla einzog, nach Saalfeld, um dort einen Parkplatz aufzusuchen, von dem aus Antifaschisten häufiger zu Demonstrationen reisten. Polizisten wurden aufmerksam und durchsuchten die Neonazis. Im Rucksack von Nico Metze fanden sie ein Kilogramm Brandgel, eine Flasche Bio-Ethanol, Einweghandschuhe und zwei Sturmhauben. Durch das schnelle Eingreifen konnte die Polizei einen Anschlag vereiteln. Im Herbst 2010 durchsuchten Ermittler in einem anderen Fall Metzes Wohnung wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens gemäß § 310 Strafgesetzbuch. Er trat in Vergangenheit als Redner bei Neonazi-Veranstaltungen auf und unterstützt die Solidaritäts- und Spendenaktionen für Ralf Wohlleben.

Neonazi-Partei "III. Weg" listet Flüchtlingsunterkünfte auch in Thüringen auf, Eintrag vom September in Friemar

Neonazi-Partei „III. Weg“ listet Flüchtlingsunterkünfte auch in Thüringen auf, Eintrag vom September in Friemar

Brandanschlag in Friemar auf eine bewohnte Unterkunft

Brandanschlag am 4. Oktober in Friemar auf die bewohnte Unterkunft

Seit einigen Monaten wirbt Metze verstärkt für die Partei „Der Dritte Weg“ und hat am 5. Oktober 2015 selber eine Liste von Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge in Jena mit Angaben zum Standort und zur Belegungszahl ins Netz gestellt. Vorbild war eine Karte der Partei der „III. Weg“, die unter dem Titel „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ im Internet bundesweit Unterkünfte von Flüchtlingen veröffentlicht hatte. Mehrere der Gebäude wurden inzwischen Ziel von Anschlägen, so auch in Thüringen. Im Juli 2015 wurde eine Unterkunft für Flüchtlinge in Rockensußra mit den Worten „Auch hier gibt es ein Asylantenheim“ in die Karte der Partei eingetragen. Einige Wochen später wurde am 7. September ein Brandanschlag auf drei Gebäude im Ort verübt. Im selben Monat wurde der Karte eine provisorische Unterkunft für Flüchtlinge in Friemar mit den Worten „Turnhalle wird zur Asylnotunterkunft“ hinzugefügt.

Neonazis der Partei "Der III.Weg" mit "Asyflut stoppen" Schildern hinter dem Fronttransparent am 10. Oktober 2015 in Gera, 2.v.l. Nico Metze (Blick nach rechts)

Neonazis der Partei „Der III.Weg“ mit „Asyflut stoppen“ Schildern hinter dem Fronttransparent am 10. Oktober 2015 in Gera, 2.v.l. Nico Metze (Blick nach rechts)

Am 4. Oktober ereignete sich auch hier ein Brandanschlag auf das Gebäude. Die Partei feierte und lobte auf ihrer Facebookseite einige der Angriffe in anderen Bundesländern. Neben David Köckert, Robert Köcher und einem SPD-Mitglied hielt am 10. Oktober 2015 auch Nico Metze auf der Demonstration in Gera einen Redebeitrag. Inzwischen hat er auch seine eigene Tarniniative aus dem letzten Jahr wieder reaktiviert und versucht wie auch die Neonazis in Gera und im Saale-Holzland-Kreis unter dem vermeintlich bürgerlichen Namen „Nein zum Heim in Lobeda“ auf Stimmenfang im bürgerlichen Lager zu gehen. Sein zweiter Beitrag nach einjähriger Pause bestand aus einem Werbeblock für die Partei „Der III. Weg“. Über Twitter bekannte er sich zuletzt offensiver. Am 10. September 2015 veröffentlichte er eine Grafik, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten sein dürfte. Auf rotem Untergrund konnte man in weißer Schrift lesen: „Wir sind keine Rechtsextremisten, sondern Nationalsozialisten!“. Das sind die Menschen, hinter denen am 17. Oktober 2015 erneut Hunderte Geraer hinterherlaufen wollen.

Ergänzung: Anmelderin Sarah Schumann bestätigt Kontakte zur NPD

erklaerungIn einer ersten Reaktion auf Facebook meldete sich Sarah Schumann über diesen Artikel zu Wort. „Ja, ich habe Kontakte zur NPD“ räumte sie am Abend des 16. Oktober 2015 über das offizielle Profil der Seite „Wir lieben Gera“ ein. Sie findet daran jedoch nichts verwerfliches und spricht davon, auch Kontakte zur SPD und zur AfD zu unterhalten. Die weiteren Vorwürfe dementierte sie zunächst nicht. Sie wolle sich für ihr Handeln nicht rechtfertigen, so Sarah Schumann. Mit den Worten „Damit ist das Thema beendet. Liebste Grüße Sarah“ endete ihr Beitrag, den sie kurze Zeit später wieder löschte.

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