Unbeteiligter „Bürger aus Suhl“ ? Zweifel nach einem Auftritt bei Spiegel TV

Der eifrige „Sügida“-Teilnehmer Phillip Schilling gibt sich als unbeteiligtes Opfer von Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen aus und schafft es damit zu „Spiegel-TV“ und AfD-Fraktionschef Björn Höcke. Dabei ist er mit dem umtriebigen Neonazi Tommy Frenck sogar persönlich bekannt.

„Anwohner aus Suhl“

Phillip Schilling aus Suhl bei Spiegel TV

Phillip Schilling aus Suhl bei Spiegel TV

Am 30. August 2015 widmete sich Spiegel TV in einem Themenabend den gegenwärtigen Angriffen auf Flüchtlinge in Deutschland. Dabei wurde auch ein Neonazi thematisiert, der auf Kinder mit Migrationshintergrund in einer Berliner S-Bahn urinierte, nach dem er diese zuvor rassistisch beleidigte. Ebenso waren die Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen in der Nacht zum 20. August 2015 in der Suhler Erstaufnahmeeinrichtung Thema. Dabei wurden nicht nur mehrere Bewohner und Polizisten verletzt, es entstand hoher Sachschaden. In der Sendung hieß es: „Bürger aus Suhl kamen in dieser Nacht zu schaden“. Um die Auswirkungen der Gewalt auf Anwohner vom Suhler Friedberg darzustellen, präsentierte die Sendung Phillip Schilling und dessen Vater Thorsten, welcher Spuren der Gewalt an seinem PKW vorführte. „Auch sein Sohn Phillip wurde Opfer der Krawalle und musste sich vor dem wütenden Mob in Sicherheit bringen“ hieß es weiter, ehe der junge Mann sich verständnisvoll gibt: Man habe selber den Flüchtlingen gespendet und bekomme es nun so gedankt, man stecke deswegen nun viele in einen Topf, was man natürlich nicht tun solle, aber die Politik müsse endlich etwas ändern, so der Sohn mit moderaten Tönen.

Teilnehmer bei neun von neun „Sügida“-Aufmärschen

Holocaustleugner Latussek am 9. Februar 2015 bei Sügida

Holocaustleugner Latussek am 9. Februar 2015 bei Sügida

Der kurze Auftritt erweckt den Eindruck, als sei Phillip Schilling nur ein unbeteiligter Anwohner, der sich einst um Flüchtlinge sorgte, nach dem Vorfall in der Nacht vom 19. auf den 20. August nun aber enttäuscht sei. Was Philipp jedoch verschweigt: Er ist kein unbeteiligter Anwohner sondern war seit Januar 2015 regelmäßiger Teilnehmer von „Sügida“-Aufmärschen in Suhl. Die Aufmärsche des Thüringer Pegida-Ablegers, der inzwischen in „Thügida“ umbenannt wurde, werden anders als in Dresden aus der organisierten Neonazi-Szene heraus veranstaltet und mehrheitlich von Neonazis besucht. Darüber berichteten seit Anfang des Jahres auch regelmäßig Medien aus der Region, wie das „Freie Wort“ und das Südthüringer Regionalfernsehen SRF, so dass die Öffentlichkeit durchaus im Bilde ist. Die „Sügida“-Aufmärsche wurden maßgeblich durch die Neonazi-Aktivistin Yvonne Wieland, den extrem rechten Vertriebshändler Tommy Frenck und den bayrischen NPD-Funktionär Patrick Schröder organisiert. Schröder ist auch in der Nähe von Suhl in Oberhof tätig, wo die extrem rechte Modemarke „Ansgar Aryan“ von einer Lagerhalle aus europaweit verschickt wird. Gegen die Anmelderin Wieland hat die Staatsanwaltschaft Meiningen inzwischen Anklage wegen Volksverhetzung erhoben, weil sie im Internet in mehreren Fällen zu rassistischer Gewalt und zum Massaker an Muslimen aufrief. Der Prozess findet am 18. September vor dem Amtsgericht Suhl statt.

"Sügida"-Aufmarsch am 16. März 2015 in Suhl

„Sügida“-Aufmarsch am 16. März 2015 in Suhl

Die erste „Sügida“-Demonstration begann am 12. Januar 2015 mit 650 Teilnehmern, darunter mindestens 350 bekannte Personen der Neonazi-Szene aus Thüringen und Bayern.Nach dem die Zahlen kurzzeitig auf bis zu 1.000 anwuchsen fiel sie nach wenigen Wochen sukzessive bis auf 450 zurück. Am Ende bestand die Mehrheit der Anwesenden zu großen Teilen aus Personen der extrem rechten Szene. Auch der unbeteiligte „Anwohner“ Phillip Schilling gehörte dazu und hielt selbst dann noch die Treue zu den „Sügida“-Aufmärschen, als Thüringer Medien sowie antifaschistische Initiativen über die extrem rechten Verstrickungen berichteten und frühere Teilnehmer auf Distanz gingen. Weil die Veranstalter von „Sügida“ Facebook-Eventgruppen anlegten, um ihre Anhänger zu mobilisieren lässt sich auch für Schilling ein Nachweis erbringen. Er selbst hatte dort seinerzeit seine Teilnahme immer wieder erneut bekundet.

Nach den uns vorliegenden Teilnehmerlisten betrifft das folgende Veranstaltungen:

Schilling312. Januar 2015 Suhl (1. Sügida)
19. Januar 2015 Suhl (2. Sügida)
26. Januar 2015 Suhl (3. Sügida)
2. Februar 2015 Suhl (4. Sügida)
9. Februar 2015 Suhl (5. Sügida)
23. Februar 2015 Suhl (6. Sügida)
2. März 2015 Suhl (7. Sügida)
9. März 2015 Suhl (8. Sügida)
16. März 2015 Suhl (9. Sügida)

Phillip Schilling (links) und Tommy Frenck (rechts) am 20. August 2015 in Suhl

Phillip Schilling (links) und Tommy Frenck (rechts) am 20. August 2015 in Suhl

Damit ist klar, dass Phillip Schilling nicht nur gelegentlich bei „Sügida“ mitlief, sondern zu den besonders Eifrigen gehörte, die ausnahmslos bei jeder „Sügida“-Veranstaltung teilnahmen. Dort traten bekannte Neonazis und Volksverhetzer auf, so am 9. Februar 2015 der verurteilte Holocaustleugner Dr. Paul Latussek. Das Holocaustleugner-Netzwerk „Europäische Aktion“ (EA) stellte für die „Sügida“-Aufmärsche ihren Lautsprecherwagen mit Sonneberger Kennzeichen, sowie Anlage, Technik und Techniker zur Verfügung. Der Thüringer EA-Gebietsleiter Axel Schlimper entwickelte sich im Verlauf der „Sügida“-Aufmärsche auch zu einem ihrer zentralen Redner und Unterstützer. Er verweist gern darauf, dass es einen ominösen Masterplan gebe, wonach die Bevölkerung in Europa wahlweise durch eine „asiatisch negride“ oder „jüdisch-negride Mischrasse“ ersetzt werden soll.

Verbindung zu Tommy Frenck und Besuch in Neonazi-Immobilie Kloster Veßra

Letzte Veranstaltung von Frenck in Kloster Veßra. Schilling war bereits im Februar dort

Letzte Veranstaltung von Frenck in Kloster Veßra. Schilling war bereits im Februar dort

Phillip Schilling ist außerdem mit dem Schleusinger Neonazi Tommy Frenck persönlich bekannt. Frenck besitzt in Kloster Veßra eine Immobilie (Gasthof „Goldener Löwe“), die inzwischen regelmäßiger Treff- und Veranstaltungsort der Neonazi Szene ist. In diesem Jahr traten dort auch der ehemalige Landser-Sänger „Lunikoff“ und die extrem rechte Band „Kategorie C“ live auf. Nach einem Rechtsrock-Abend am 14. August mit der neuen Scheibe von „Frontalkraft“ organisierte Frenck ebenso in Kloster Veßra am 29. August ein Open Air-Konzert auf dem Grundstück unter dem Titel „Nationale Freiräume schützen – Solidarität mit dem Goldenen Löwen“. Neben dem Thüringer NPD-Landesorganisationsleiter David Köckert und anderen Funktionären trat auch die Rechtsrock-Band „Nahkampf“ auf – wenn auch nur in kleinem Rahmen, denn sie steckte zum angekündigten Konzertbeginn im Stau fest. Phillip Schilling war in der Vergangenheit ebenfalls Besucher im „Goldenen Löwen“, mindestes jedoch am 16. Februar 2015, wie er durch eine Facebook-Teilnahme selber offenlegte. An jenem Montag organisierte Frenck, der für die neonazistische Gruppe „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ im Kreistag sitzt, eine „Aftershow“-Veranstaltung nach dem „Sügida“-Aufmarsch. Bei der „Sügida – Rosenmontags-Saalversammlung“ nahmen rund 100 Personen teil, als Redner trat der ehemalige AfD-Kreisvorsitzende Heiko Bernady auf, der wegen seiner rassistischen Rede bei einem „Sügida“-Aufmarsch zwei Wochen zuvor als Mitarbeiter einer Thüringer AfD-Landtagsabgeordneten gefeuert worden war. Musikalisch wurde der Abend vom extrem rechten Liedermacher „Axel“ begleitet, hinter dem sich Axel Schlimper verbirgt.

Noch bevor es in der Nacht vom 19. zum 20. August 2015 in Suhl zu Ausschreitungen kam, war Schilling erneut Teilnehmer eines von Neonazis organisierten Aufmarschs am 17. August in Suhl. Zuvor hatte es Streit gegeben, weil die Demonstration direkt zur Flüchtlingsunterkunft marschieren wollte und die Stadt Suhl dagegen klagte. Die rund 250 Teilnehmer konnten in der Nähe der Erstaufnahmeeinrichtung aufmarschieren, als Redner traten u.a. der Thüringer NPD-Vorsitzende Tobias Kammler und „Ansgar Aryan“-Betreiber Patrick Schröder auf. Anmelder war Tommy Frenck, der seit vergangenem Jahr bundesweit auch Länder-T-Shirts für die extreme Rechte verkauft wie „Division Sachsen“, „Division Thüringen“, usw. Zuletzt waren diese bei Neonazi-Aktionen und Krawallen gegen Unterkünfte von Flüchtlingen in Heidenau und Freital auf der Straße zu sehen.

Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender mit Familie Schilling

Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender mit Familie Schilling am 24. August 2015

In der Nacht, in der die Auseinandersetzungen stattfanden, berichtete Tommy Frenck über Facebook scheinbar live vor Ort vor der Aufnahmeeinrichtung. Über Whats-App-Gruppen und andere Kanäle hatte er jedoch Bekannte von ihm in die Spur geschickt, auf den Friedberg zu fahren. Aus dem Kreis dieser Personen kamen auch eine Vielzahl an Gewalt- und Mordaufrufen. Einige gaben Frenck in regelmäßigen Abständen Informationen über Textnachrichten und fertigten Fotos und Videos an. Auch einzelne Mitglieder aus einer zunächst alarmierten Freiwilligen Feuerwehr der Region gaben Informationen an Frenck weiter. Die NPD-Thüringen sprach sogar davon, dass ein Polizist, der auch NPD-Mitglied sei, ihnen Informationen von vor Ort zukommen ließ. Ebenfalls gab es Versuche einer Zusammenrottung, auf Facebook zirkulierten auch Treffpunkte für Neonazis in der Nacht, mit dem Ziel, sich der Unterkunft zu nähern und möglicherweise selber gewalttätig vorzugehen. Die Polizei schritt in der Nacht ein und verteilte einigen Gruppen Platzverweise. Unter den Betroffenen von Sachschäden in der Nähe der Unterkunft sollen sich nicht nur Anwohner, sondern auch Freunde von Tommy Frenck befunden haben. Die von ihm veröffentlichten Meldungen in kurzen Abständen wurden auch eins zu eins durch Pegida-Organisator Lutz Bachmann von der Facebookseite von Frenck aufgegriffen und weiterverbreitet. Darunter auch gezielte Falschmeldungen, wie eine angebliche Gruppe von 80 Flüchtlingen, die mit Eisenstangen auf dem Weg in die Suhler Innenstadt sei. Die Polizei dementierte das später. Noch in der Nacht begann die Mobilisierung in der Neonazi-Szene, am Morgen verkündete Frenck dann die Spontandemonstration für den 20. August, an der rund 600 Personen teilnahmen. Die meisten davon waren Neonazis aus Thüringen und Nachbarbundesländern, aber auch etliche „besorgte Bürger“ Als Redner traten der stellvertretende Thüringer NPD-Vorsitzende Patrick Weber, der Holocaustleugner Christian Bärthel und andere Neonazis auf. Neben NPD-Mitgliedern beteiligten sich die extrem rechten Parteien „Die Rechte“ und „Der III. Weg“. Neonazi Frenck kündigte auch Phillip Schilling als Redner an. Schilling machte zu Beginn keinen Hehl daraus, dass einige der Teilnehmer ihn ja sowieso schon kennen und wiederholte seine Geschichte von dem Abend. Er erzählte auch, dass er an einer Stelle wohne, „wo die Asylanten jeden Tag langlaufen“ und kritisierte, dass man keine Pilze mehr im Wald essen könne, weil Flüchtlinge angeblich überall ihre Fäkalien hinterließen.

Reaktionen der Neonazi-Szene im Umfeld von Tommy Frenck in der Nacht vom 19. zum 20. August 2015

Reaktionen der Neonazi-Szene im Umfeld von Tommy Frenck in der Nacht vom 19. zum 20. August 2015

Unter Applaus kündigte er vor den Teilnehmern an, seine Geschichte auch bei TV-Sendern wie RTL und bei der AfD zu wiederholen. So kam es dann, dass der Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke am 24. August 2015 auch zu Philipp Schilling und dessen Vater reiste. Einige Stunden zuvor hatte er im Thüringer Landtag in einer Sondersitzung erneut Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht und behauptet, Flüchtlinge würden im Bundesland Thüringen Seuchen und gefährliche Krankheiten verbreiten. „Sagen Sie unseren Kindern, dass die Krätze sich ausbreitet in Thüringen!“ warf er der Regierung vor. Weitere von ihm vorgetragene Verschwörungstheorien hatten zum Inhalt, dass die USA angeblich gezielt Flüchtlinge nach Europa steuere, um Europa zu zersetzen. Womit Höcke nicht wirklich weit von Schlimpers Theorie einer „asiatisch negriden Mischrasse“ entfernt ist. Nach dem Besuch bei Familie Schilling empörte sich Höcke auch über lautstark telefonierende Flüchtlinge auf dem Suhler Friedberg, welche er mit Smartphones gesehen habe und die dabei wild mit den Armen gestikulierten. Er forderte Solidarität mit „den deutschen Bürgern“ und kündigte eine eventuelle Spendenaktion der AfD an.

Dass sich in der Nacht vom 19. zum 20. August gewalttätige Ausschreitungen in Folge eines religiösen Konfliktes in und um die überbelegte Erstaufnahmeeinrichtung zugetragen haben ist unbestreitbar. Ob Philipp Schilling sich in derselben Nacht aber tatsächlich nur deswegen zur einen Kilometer entfernten Erstaufnahmeeinrichtung aufmachte, um ein der Nähe befindliches Lagergrundstück der Familie zu prüfen, darf angesichts der Verbindungen von Schilling zu „Sügida“ und Neonazi Tommy Frenck genauso bezweifelt werden, wie seine präsentierte Rolle als unbeteiligter „Anwohner“. Wie es zusammen passt, dass Schilling seit Januar 2015 regelmäßiger Teilnehmer bei fremdenfeindlichen Aufmärschen war, bei denen massiv gegen Flüchtlinge gehetzt wurde, er gleichzeitig aber angeblich Spenden an Flüchtlinge übergeben haben will, bleibt wohl sein Geheimnis.

Ergänzung: Stellungnahme von Phillip Schilling

Phillip Schilling bestätigte auf Facebook Teilnahme für Saalveranstaltung am 16. Februar 2015 in der Immobilie von Tommy Frenck

Phillip Schilling bestätigte auf Facebook seine Teilnahme für eine Saalveranstaltung am 16. Februar 2015 in der Immobilie von Tommy Frenck

Per Email teilte uns SpiegelTV mit, selbstverständlich die Plausibität und den Wahrheitsgehalt von Schilling geprüft zu haben. Unter anderem heißt es: „Uns liegen und lagen keine Gründe dafür vor, daran zu zweifeln, dass seine Aussagen korrekt sind“, mit verschiedenen Anwohnern habe man Gespräche geführt. Phillip Schilling hat am 1. September 2015 eine Stellungnahme auf seiner Facebookseite veröffentlicht. Darin heißt es, Vorwürfe er sei ein Neonazi und habe am vergangenen Samstag bei einer Veranstaltung in Kloster Veßra teilgenommen seien falsch. Wir stellen dazu fest: Wir haben an keiner Stelle behauptet, Schilling sei ein Neonazi, sondern über mehrere Verbindungen berichtet die zur extrem rechten Szene führen und für die Schilling selbst verantwortlich ist. An keiner Stelle wurde behauptet, dass Schilling am 29. August bei einer Rechtsrock-Veranstaltung in Kloster Veßra vom extrem rechten Versandhändler Tommy Frenck gewesen sein. Unter einer Abbildung zu dem Konzert steht die Bildunterschrift: „Letzte Veranstaltung von Frenck in Kloster Veßra. Schilling war bereits im Februar dort“. Im danebengehenden Text steht zusätzlich und deutlich: „Phillip Schilling war in der Vergangenheit ebenfalls Besucher im “Goldenen Löwen”, mindestes jedoch am 16. Februar 2015, wie er durch eine Facebook-Teilnahme selber offenlegte“, damals trat auch ein Liedermacher der Neonazi-Szene auf. Schilling behauptet nun, er habe zwar nur auf „teilnehmen“ geklickt, sei aber nicht dort gewesen. Warum er seine Teilnahme zu dieser Veranstaltung überhaupt ankündigte, verriet er nicht. Von Januar bis März 2015 hatten Neonazis vom „Bündnis-Zukunft-Hildburghausen“ (BZH) Woche für Woche erneut separate Veranstaltungen auf Facebook angelegt und die Besucher gebeten, durch ein Klicken auf „Teilnahme“ ihren Besuch zu bestätigen. Dabei wurden stets auch Neonazis als Redner angekündigt, unter ihnen befanden sich Yvonne Wieland aus Suhl, Patrick Schröder (NPD), David Köckert (NPD), Patrick Weber (NPD), Karl Richter (NPD), Tommy Frenck (BZH), Axel Schlimper (Europäische Aktion) oder auch der Holocaustleugner Dr. Paul Lautssek. Die Redebeiträge waren vielfach mit rassistischen, nationalistischen und antisemitischen Stereotypen garniert. Obwohl auch über regionalen Medien, Zivilgesellschaft und Wissenschaft ausführlich über die Verbindungen von „Sügida“ zur extrem rechten Szene berichtet wurde klickte Phillip Schilling ebenso Woche für Woche auf „teilnehmen“. Wir er jetzt beteuert, „um die ganzen Probleme mit den Flüchtlingen publik zu machen“. Er habe jedoch nicht an allen „Sügida“-Demonstrationen teilgenommen, sondern nur „bei den ersten“ und hätte da auch nur stets „5 bis 10 Minuten zugehört“, behauptet zumindest er selbst. Weiter heißt es, er unterstütze „keine Ausländerfeindlichkeit“, auch weil er „selber Freunde mit ausländischer Herkunft habe“. Er vermute außerdem, der Beitrag über ihn sei verfasst worden um Menschen wie ihn „die den Mund aufmachen, schlecht zu machen. Wir sollen uns wieder fein anpassen und vor lauter Angst den Mund halten“. Falsch. Jeder kann seine Meinung offen sagen und auch kritische Positionen zur Asylpolitik beziehen. Wer aber selber rassistische Hetze verbreitet, gewalttätig gegen Flüchtlinge vorgeht oder sich öffentlich mit bekannten Neonazis gemein macht, sei es durch Teilnahme an ihren Demonstrationen und Saalveranstaltungen oder durch Unterstützung auf Facebook, muss auch damit leben können in der Öffentlichkeit dafür kritisiert zu werden.

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