AfD-Landtagsabgeordnete Herold mit Lob für Neonazis und Gewaltphantasien

Die Hetze gegen Flüchtlinge nimmt immer weiter zu. An vorderster Front kämpft dabei auch die AfD. Dass besonders der Thüringer Landesverband dabei ganz vorne mitmischt, machte nun auch wieder die Landtagsabgeordnete Corinna Herold deutlich: Sie begrüßt nicht nur die von einem extrem Rechten gegründete Bürgerwehr sondern wünscht sich auch gewalttätige Übergriffe für „Kinderschänder“.

AfD-Landtagsabgeordnete Corinna Herold, Screenshot von der Thüringer AfD-Fraktionshomepage

AfD-Landtagsabgeordnete Corinna Herold, Screenshot von der Thüringer AfD-Fraktionshomepage

Lange stand der Kommentar von Corinna Herold nicht in der Gruppe der „Bürgerwehr Untersuhl, Gerstungen und Umgebung“. Als gestern ein weiteres Mitglied der Gruppe einen Presseartikel über einen Missbrauchsfall aus Sachsen postete, reagierte auch die Landtagsabgeordnete Corinna Herold schnell. Herold wünschte sich nicht nur die Ergreifung des Täters sondern offenbar auch gewalttätige Übergriffe. So schreibt sie: „Und hoffentlich hat er im Knast keine ruhige Minute, auch nachts.“ Und in einem späteren Statement bekräftigt sie erneut ihre Gewaltphantasien gegen den Täter: „Die anderen Behandlungen übernehmen die Mithäftlinge.“ Wie diese Phantasien Herolds mit ihrem „Einsatz für das Grundgesetz“ und einem rechtsstaatlichen Verständnis einhergeht, bleibt ihr Geheimnis. Da sie sich offenbar der Brisanz ihrer Kommentare bewusst war, verschwanden diese schon nach kurzem wieder aus der Facebook-Gruppe. Die AfD stellt im Thüringer Landtag den Vorsitzenden vom Justizausschuss.

Andreas Niebling, "Bürgerwehr Gerstungen", aus MDR Beitrag

Andreas Niebling, „Bürgerwehr Gerstungen“, aus MDR Beitrag

Aus ihrer Unterstützung für die selbsternannte „Bürgerwehr“ macht Corinna Herold auch sonst kein Geheimnis. Nach einem Angriff auf die Firma der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry kommentierte sie: „Frauke Petry hätte eine Truppe wie Eure gut gebrauchen können!“ Dass die Bürgerwehr von einem extrem Rechten (Andreas Niebling) angeführt wird, der schon vor über 15 Jahren eine zentrale Figur der extrem rechten Szene im Wartburgkreis, scheint Herold nicht zu stören. Niebling war nicht nur Wieschkes Kompagnon, er führte mit ihm seit Juni 2001 auch gemeinsam den NPD-Kreisvorstand an, nahm an mehreren Neonazi-Konzerten teil und war auch an gewalttätigen Übergriffen beteilligt. Auch heute noch ist er mit Wieschke in Kontakt. Ein Ausstieg aus der Szene scheint es also für den massiv Vorbestraften nicht gegeben zu haben. Seine Bedeutung für die Neonazi-Szene in Thüringen wird auch deutlich, wenn man weiß, dass Niebling sogar im Verbotsantrag der NPD Anfang der 2000er Jahre auftaucht. Wie geht das nun wohl mit den schicken neurechten Positionen der AfD zusammen?

Im Thüringer Landtag stellt die AfD den Vorsitzenden vom Justizausschuss, Corinna Herold macht auf Facebook ihre Verständnis von Justiz deutlich

Im Thüringer Landtag stellt die AfD den Vorsitzenden vom Justizausschuss, Corinna Herold macht auf Facebook ihre Verständnis von Justiz deutlich

Herold und die Bürgerwehr

Herold und die Bürgerwehr

Herold und die Bürgerwehr

Herold und die Bürgerwehr

Bereits Anfang des Jahres geriet die gelernte Zahnärztin unter Druck, weil ihr Mitarbeiter Heiko Bernady auf der von Neonazis initiierten „Sügida“-Demonstration als Redner auftrat. Herold beugte sich dem Druck und entließ Bernady, obwohl das ideologische Weltbild beider doch sehr nahe beieinander liegt. Ein Blick auf Herolds Facebook Profil stützt den Eindruck, der sich bei ihrer Unterstützung der Bürgerwehr aufdrängt. Unter anderem gefallen ihr bei Facebook: die bei „Ich bin Patriot, aber kein Nazi“ publizierte rassistische Stimmungsmache, die mit Werbung der extrem rechten „Identitären Bewegung“ garniert wird, die extrem rechten Medien „Junge Freiheit“ und „Eigentümlich frei“, Pegida und Thilo Sarrazin, die rechtsoffene Grauzonenband „Frei.Wild“,“ das völkische Anzeigenblatt und Sprachrohr der nationalen Wählergemeinschaft „Pro Arnstadt“ „Arnstädter Stadtecho“ und der rechte Blog „Journalistenwatch“ mit Kontakten zur muslimfeindlichen und rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“. Auch ihre Facebook-Freundesliste gibt tiefe Einblicke, wem sich Herold verbunden fühlt. Eine Auswahl: Heiko Ebbenga, langjährig aktiver Neonazi und mehrmaliger NPD-Kandidat. Ignaz Bearth, rechtspopulistischer Schweizer Politiker und Pegida-Aktivist mit extrem rechter Vergangenheit, die Bundesanwaltschaft der Schweiz ermittelte gegen ihn, weil er die deutsche Bundeskanzlerin und ihre Regierung als die „wahren Nazis in Berlin“ bezeichnet hatte. Bearth trat bei dem extrem rechten Hooligan-Aufmarsch in Erfurt im Mai 2015 als Redner auf. Dieter Stein, Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ und Vertreter der Neuen Rechten. Khan Zahid, selbst ernannter Prophet und Muslimhasser. André Barth, AfD-Politiker im sächsischen Landtag, warnte erst im Juni vor einem „Bürgerkrieg in Deutschland“, von dem der der amerikanische Geheimdienst CIA berichtet habe. „Freie Welt“, das rechts erzkonservative Internetportal der „Zivilen Koalition“ um Beatrix von Storch, dessen Redaktionsbeirat mit regelmäßigen Autoren der „Jungen Freiheit“ besetzt ist. „Knights Templar International“, eine Gruppe, die nach christlich-konservativer „Kreuzritter“-Manier das untergehende Abendland gegen Flüchtlinge und Muslime verteidigen will. Pegida-Fans und eindeutige Rassisten.

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