Die Vielfahrerei holt ihn ein: Scheinheiligkeit und Insolvenz bei David Köckert

Seit Jahresbeginn reist der Greizer Neonazi pausenlos Woche für Woche durch Thüringen und andere Bundesländer, um als rassistischer Hassprediger sprachlich dem früheren Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Rang abzulaufen. Immer wieder fragen sich Menschen, wie sich David Köckert den Demonstrationstourismus von rechtsaußen überhaupt leisten kann. Nun wurde ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit gegen Köckert eröffnet.

„KTV UG – Kabeltechnik Vogtland“

David Köckert, Greiz

David Köckert, Greiz

Der Neonazi betrieb bislang zusammen mit Daniel Dietz das Greizer Unternehmen „KTV UG – Kabeltechnik Vogtland“, welches aus einer Fusion zweier Firmen im Jahr 2011 entstanden und auf Industriemontage, Photovoltaik und Trockenbau spezialisiert ist. Anfang Februar 2014 wurde bekannt, dass der Fußballverein SV Blau-Weiß 90 Greiz durch Köckerts Firma gesponsert wurde. Der Verein distanzierte sich daraufhin von Köckert und kündigte außerdem eine Satzungsänderung an. Nach den Veröffentlichungen über die Neonazi-Umtriebe von Geschäftsführer Köckert büßte die KTV UG auch einige Aufträge ein. Doch an der jetzigen Pleite dürfte auch Köckerts unternehmerisches Unvermögen schuld sein. Fehlerhafte Kalkulationen sollen eine Rolle gespielt haben und Köckert habe es sich mit einigen Mitarbeitern verscherzt, wie es aus Kreisen der Belegschaft heißt. Von ungezahlten Löhnen ist die Rede und auch von Zeit- und Leiharbeit. Der 36-jährige Neonazi möchte drüber nicht gerne reden, auch weil er weiß, dass seine Firma noch unter dem Namen „KTV-UG Kabeltechnik Vogtland Leiharbeit-Zeitarbeit Qualifiziertes Personal“ auf vereinzelten Branchenseiten im Internet zu finden ist und er mit der NPD im Wahlkampf ganz andere Töne von sich gab. So verteilte Köckert vor der Landtagswahl im September 2014 in Greiz und Umgebung Flugblätter und Zeitungen des NPD-Landesverbandes, in denen Kritik an Leih- und Zeitarbeit geübt wurde; im Landeswahlprogramm war gar die Rede vom gesetzlichen Verbot von langfristigen Leiharbeitereinsätzen. Inzwischen ist er zum Landesorganisationsleiter der NPD aufgestiegen. Außerdem betreibt Köckert seit Oktober 2014 unter der gleichen Adresse wie „KTV UG“ noch ein Gewerbe mit der Bezeichnung „DLCG Dienstleistungs-Center Greiz UG (haftungsbeschränkt)“ in Eigenregie. Die Tätigkeitsfelder umfassen „Kommissionieren, Lagerverwaltung und Regalmontage (vorwiegend in Baumärkten) sowie Vermittlung von Handwerksleistungen“. Die „DLCG“ ist mit einem Stammkapital von 500,00 Euro in das Handelsregister eingetragen worden und bislang noch nicht so „verbrannt“ wie die die „KTV UG“.

Krimineller Inländer: Köckert als mutmaßlicher Betrüger entlarvt

Köckert bei einem seiner Auftritte

Köckert bei einem seiner Auftritte

Köckerts Aktivismus ist von vielen weiteren Widersprüchen geprägt. Auf den Thügida-Demonstrationen wettert er regelmäßig gegen angebliche Asyl-Schwindler, Sozialschmarotzer und Betrüger. Seinen Kameraden verschweigt er bis heute geflissentlich, dass seine kriminelle Karriere nicht nur aus „heldenhaften“ Körperverletzungen gegen politische Gegner, illegalen Rechtsrock-Konzerten und § 86a-Anzeigen wegen Nazi-Symbolen besteht. Köckert ist selber ein mutmaßlicher Betrüger und stand deswegen mehrfach im Visier von Polizei und Staatsanwaltschaften. Bereits während er die ersten „Rudolf-Hess-Gedenkturniere“ im Vogtland veranstaltete, fanden parallel Ermittlungen gegen Köckert statt, die Vorwürfe: Betrug, Versicherungsbetrug, Kreditkartenbetrug, Sozialversicherungsbetrug. Eigentlich Delikte jener Straftaten-Kategorie, mit denen Köckert Montag für Montag bei seinen Auftritten das Märchen vom „kriminellen Ausländer“ nährt. In den letzten Monaten ging es dann weiter bergab: Am 13. April 2015 meldete Köckerts Firma die Auflösung der Gesellschaft an das zuständige Handelsregister, als alleiniger Liquidator wurde sein Geschäftspartner Daniel Dietz aus Elsterberg bestimmt. Am 15. Mai wurde ein Antrag auf Privatinsolvenz eingereicht und am 21. Juli 2015 das Insolvenzverfahren unter dem Aktenzeichen 8 IN 221/15 beim Amtsgericht Gera gegen Köckert wegen Zahlungsunfähigkeit eröffnet. Es ist dem Neonazi seither verboten, „sein Vermögen zu verwalten und über sein Vermögen zu verfügen“. Ein Geraer Rechtsanwalt wurde zum Insolvenzverwalter bestimmt. Bis zum 28. August können Gläubiger noch Forderungen anmelden. Trotz Insolvenzverfahrens nutzte Köckert bereits einen Tag nach Verkündung des Verfügungsverbotes durch das Amtsgericht Gera seine Zweitfirma „DLCG“, um mit einer 200 € Spende an einen evangelischen Kindergarten zu provozieren und sich im Internet damit in Szene zu setzen. Nach Bekanntwerden der Neonazi-Hintergründe wurde das Geld sofort durch die Leitung des Kindergartens zurückgegeben.

“Um Kopf und Kragen” reden

Köckert im Februar 2015 vor Gericht, er beklagte einen fehlenden Handschlag des Bürgermeisters bei seiner Vereidigung als Stadtrat und fühlte sich dadurch "menschlich degradiert"

Köckert im Februar 2015 vor Gericht, er beklagte einen fehlenden Handschlag des Bürgermeisters bei seiner Vereidigung als Stadtrat und fühlte sich dadurch „menschlich degradiert“

Währenddessen ist Köckert auch auf dem besten Weg, andere Neonazis in ein finanzielles Desaster zu stürzen. Am Freitag dem 24. Juli wurden in Greiz vier Asylbewerber von drei Jugendlichen angegriffen und verprügelt. Ein ausländerfeindliches Motiv sei nicht auszuschließen, hieß es im Polizeibericht. Das in der Neonazi-Szene beliebte „Deutsche Rechtsbüro“ um bekannte extrem rechte Strafverteidiger empfiehlt der Szene regelmäßig: „Verweigern Sie von Anfang an und vollständig die Aussage! Immer wieder müssen wir feststellen, dass eingeleitete Strafverfahren häufig nur deswegen mit einer Verurteilung enden, weil die Beschuldigten bzw. Angeklagten ausgesagt und sich dabei “um Kopf und Kragen” geredet haben“. Nicht so David Köckert. Er warb auf Facebook schon am nächsten Tag öffentlich darum, dass die Beschuldigten sich doch mal melden mögen, interviewte zwei der drei mit seiner Handykamera und stellte die Aufnahmen dann ins Netz, um deren angebliche Unschuld zu beweisen. Dumm nur, dass dann genau solche Sätze fallen wie: „Da standen die beim Landratsamt vorne und da sind wir hingegangen und haben uns persönlich gestellt und haben gesagt: wir waren Mittäter, wie es gesagt wird“. Köckerts Video dürfte damit auch Eingang in das Verfahren finden – allerdings zum Nachteil der Beschuldigten. Auch kommt Köckert damit selber als Zeuge für das Geständnis der zwei ihm gegenüber in Betracht. Vor Gericht muss er sowieso bald selbst erscheinen. Am Mittwoch dem 30.09.2015 um 9 Uhr soll im Justizzentrum Gera (Haus 5, Raum 301) dann bei der Gläubigerversammlung über seine wirtschaftliche Lage berichtet und entschieden werden. Ob ihn die von Udo Voigt neulich überreichte Ehrenurkunde dort vor dem Schlimmsten bewahren kann, wird sich zeigen. Vielleicht würde ein Verzicht auf die viele Aufmarschfahrerei und die damit verbundenen Kosten ja die finanzielle Schieflage etwas retten. Im Zweifel kann sich Köckert aber auch mit dem über Wasser halten, was er wohl am besten kann: Seine eigenen Kameraden, andere Unternehmen, Versicherungen oder Arbeits- und Sozialämter betrügen.

Ergänzung: In einer Stellungnahme von David Köckert mit Datum vom 28. Juli 2015 bestreitet er seine mutmaßlichen betrügerischen Aktivitäten nicht. Er fügte ein Führungszeugnis vom 28. Mai 2014 an, dass ohne Eintragung war. Köckert räumte ein, das Führungszeugnis sei nur deswegen „sauber, da Jugendstrafen gelöscht werden“. Allerdings verschweigt Köckert, dass die Ermittlungen gegen ihn wegen Betrugs, Versicherungsbetrugs, Kreditkartenbetrugs und Sozialversicherungsbetrugs gar nicht während seiner Jugendzeit stattfanden, sondern zu einem Zeitpunkt als er längst als Erwachsener (über 21) galt. Verurteilungen wegen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr werden nach 3 Jahren aus dem Bundeszentralregister gelöscht, Freiheitsstrafen über einem Jahr erst nach 5 Jahren. Köckert bestätigt auch die Insolvenz, beschuldigt aber wieder andere dafür. Er habe zu viele Sozialbeiträge und Steuern an die Kassen und Ämter zahlen müssen, auch hätten andere angeblich nicht seine Aufträge bezahlt. Abschließend erklärte zu dem Vorwurf, dass er mit seiner Arbeitspraxis gegen das Thüringer NPD-Wahlprogramm agiere trotzig: „Der Mindestlohn ist der Verrat am Volk und nicht die Zeitarbeit!“.

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