Angela Schaller: Nationalsozialistin, Antisemitin und AWO-Mitarbeiterin

Frauen in der extrem rechten Szene haben vielfältige Rollen und Funktionen. In ihrer Radikalität stehen sie männlichen Neonazis kaum in etwas nach. Ein Beispiel aus Südthüringen ist Angela Schaller: Sie zeigt öffentlich den Hitlergruß, leugnet den Holocaust und tritt zahlreich als Anmelderin von Kundgebungen in Erscheinung. Ursprünglich stammt Angela Schaller aus Oberbayern (Ingolstadt), sie gehört seit vielen Jahren zur Neonazi-Szene und ist mittlerweile auch in der Südthüringer Szene fest eingebunden.

Schaller 2. von links mit anderen Neonazis im August 2016 in Rudolstadt

Schaller 2. von links mit anderen Neonazis im August 2016 in Rudolstadt

Schaller bei einer Neonazi-Kundgebung

Schaller bei einer Neonazi-Kundgebung

Die letzten Monate gehörte sie zu den Bewohnern der Neonazi-Immobilie von Tommy Frenck („Bündnis Zukunft Hildburghausen, Druck 18″) in Hildburghausen und kümmerte sich mit um die Gaststätte und die zahlreichen Veranstaltungen im Gasthaus „Goldener Löwe“ von Frenck. Daneben tritt sie thüringenweit als Demonstrationsteilnehmerin in Erscheinung, war unter anderem Teilnehmerin zahlreicher Thügida-Veranstaltungen oder auch dem Heß-Gedenkmarsch am 17. August 2016 in Jena, wo sie als Ordnerin auftrat. Vor allem in Südthüringen (Hildburghausen, Eisfeld, Suhl usw.) tritt Schaller auch als Anmelderin von Neonazi-Kundgebungen auf.

Der NPD-Kreisverband Wartburgkreis berichtete am 11. November 2015 lobend über eine Rede von Schaller auf einer Demonstration am 9. November in Bad Salzungen, dass diese zum „Widerstand gegen diese volksfeindliche Regierung“ aufrief, nach dem zuvor der NPD-Landesvorsitzenden Tobias Kammler am Mikrofon auftrat.

Schaller bei einer ihrer zahlreichen Kundgebungen in Hildburghausen

Schaller bei einer ihrer zahlreichen Kundgebungen in Hildburghausen

Gegenüber Thüringen Rechtsaußen teilte Schaller inzwischen mit, dass sie sehr gut mit dem Neonazi Tommy Frenck bekannt sei, aber ihre neonazistischen Veranstaltung nicht in seinem Auftrag durchführe. „Ich mach meine eigenen Kundgebungen. Das hat mir Frenck nichts zu tun! Ich bin aus Bayern, um einiges älter als Frenck, habe in Bayern schon einiges auf die Reihe gebracht und lebe jetzt in Thüringen“, so Schaller. Weiter teilte sie mit, dass sie bereits seit Oktober 2014 in Thüringen lebe und in Bayern zuvor „regelmäßig gegen den Bau von Moscheen“ gekämpft habe.

Schaller dokumentiert ihre Demonstrations- und Veranstaltungsteilnahmen bei Youtube

Schaller dokumentiert ihre Demonstrations- und Veranstaltungsteilnahmen bei Youtube

Nationalsozialistin, Antisemitin, Holocaustleugnerin

Ihre nationalsozialistische Haltung trägt Schaller deutlich nach außen. Zu ihren Tätowierungen zählt nicht nur Thors-Hammer, sondern auch ein Hakenkreuz. Und auch in der Öffentlichkeit gibt es für Schaller keine Grenzen. Wie die AGST bereits berichtete, postete Schaller am 26. September 2016 ein Kirmes-Video von sich, bei dem sie in aller Öffentlichkeit den Hitlergruß zeigte.


Dass sich Schaller der Straftat durchaus bewusst ist, zeigt der Text zum Video: „Bitte das Video nicht teilen wegen dem HG (Hitlergruß) ist auch nicht für alle sichtbar… Angela nach 3 Mass…Nur ein Kampf gegen das System ist schier aussichtslos. Da hilft nur Krieg…“

Schaller weiß sehr wohl um die Strafbarkeit ihrer Handlungen

Schaller weiß sehr wohl um die Strafbarkeit ihrer Handlungen

Neonazi-Selfie im heimischen Wohnzimmer

Neonazi-Selfie im heimischen Wohnzimmer

Parallel zu ihrem Facebook-Profil betreibt Schaller weitere Profile auf der russischen Seite VK, auf Twitter und einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem sie vor allem auch Videos von den von ihr besuchten Neonazi-Demonstrationen hoch lädt. Auf VK hat sie sich selbst den Namen „Marianne Lullemann“ gegeben, weißt aber bei Facebook ganz offen auf ihre wahre Identität hin und verwendet persönliche Fotos, die diese Identität bestätigen. Besonders bei VK zeigt sie ihre nationalsozialistische Einstellung noch deutlicher: Ein Selfie vor der Hakenkreuz-Flagge und dem Hitlerporträt findet man hier ebenso wie eindeutig volksverhetzende antisemitische Gedichte.

Auch ihre historisch Deutung fügt sich daher wenig überraschend in ihr restliches Weltbild ein. Erst vor wenigen Tagen leugnete Schaller bei Facebook unverhohlen den Holocaust. In einer internen Neonazi-Diskussion rund um das am 12/13. November 2016 stattfindende neonazistische Heldengedenken postete Schaller: „Und den Holocaust gab es NUR am deutschen Volk“.

Angela Schaller pflegt einen offenen Antisemitismus

Angela Schaller pflegt einen offenen Antisemitismus

Schaller pflegt ganz offen auch Reichsbürger- und NS-Ideologie

Schaller pflegt ganz offen auch Reichsbürger- und NS-Ideologie

Offene Holocaustleugnung

Offene Holocaustleugnung

Ihr selbst scheinen die Straftaten oder die Beobachtungen durch den Verfassungsschutz egal zu sein. Im Juni 2016 postete sie auf VK: „Ihr braucht mich nicht warnen, ob ich den Verfassungsschutz in meiner Liste habe – denn das interessiert mich nicht. 1. Steht der täglich bei mir vor der Haustüre, 2. Sind die sowieso überall im Internet – es gibt keine sicheren Seiten!!! Und 4. Gibt es keine gültige VERFASSUNG!! Also auch keinen Verfassungsschutz!!! Sieg heil!“. Bei Neonazi-Veranstaltungen nutzt sie ihren Gesundheitspass, um Getränke und Essen ausgeben zu können.

AWO-Mitarbeiterin

Am 1. Oktober trat Schaller ihre neue Stelle bei der AWO-Rödental an

Am 1. Oktober trat Schaller ihre neue Stelle bei der AWO-Rödental an

Seit September war Schaller auf der Suche nach einer neuen Wohnung im bayerischen Rödental, das 10 Minuten hinter der thüringischen Landesgrenze liegt. Sie plante damit ihren Wegzug aus Südthüringen. Grund ist ihre neue Arbeitsstelle bei der AWO in Rödental, wo sie am 1. Oktober 2016 mit der Arbeit begann. Schaller soll hier wohl im Altenpflegebereich eingesetzt werden. Die AWO in Rödental dürfte bislang allerdings über ihre neueingestellte Kollegin wenig bescheid wissen, gehen doch die AWO-Grundsätze insbesondere das Bekenntnis zu den unveräußerlichen Menschenrechten und das Eintreten für Toleranz keinesfalls einher mit dem nationalsozialistischen und antisemitischen Weltbild ihrer neuen Mitarbeiterin.

Schaller und Patrick Wieschke, bis Januar 2015 Landesvorsitzender der NPD Thüringen, ihm wurden Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch zum Verhängnis in der Neonazi-Szene, sie kosteten ihm schließlich sein Amt; Schaller hält dennoch zu ihm

Schaller und Patrick Wieschke, bis Januar 2015 Landesvorsitzender der NPD Thüringen, ihm wurden Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch zum Verhängnis in der Neonazi-Szene, sie kosteten ihm schließlich sein Amt; Schaller hält dennoch zu ihm

Am 9. November 2016 wurde Schaller zuletzt auf einem Neonazi-Aufmarsch gesehen. Die neonazistische „Thügida“ hatte in Jena zum Jahrestag der Reichspogromnacht einen Fackelmarsch angemeldet. Zwar wurde die angemeldete Häftlingskleidung verboten, doch mit Neonazi-Parolen, Fackeln, Trommeln, einem Sarg und bekennenden Holocaustleugnern zogen die rund 80 Neonazis dennoch durch die Universitätsstadt, um damit an jenem Tag die Opfer der Pogrome zu verhöhnen. Mit an der Spitze der Fackelträgerinnen: Angela Schaller.

Schaller (mittig, graue Mütze) mit Fackel am 9. November 2016 in Jena, Foto geklaut bei Lionel C. Bendter Flickr

Schaller (mittig, graue Mütze) mit Fackel am 9. November 2016 in Jena, Foto geklaut bei Lionel C. Bendter Flickr

Nachtrag: AWO kündigt Schaller

Parallel zur Veröffentlichung hatten wir die AWO Gliederungen in Mittel- und Oberfranken über Angela Schaller informiert. Schaller erstellte in Reaktion eine zusätzliche Facebook-Seite („Das.Maedel.mit.der.Fahne“) für die Zurschaustellung ihrer neonazistischen Aktivitäten und kündigte ihre Teilnahme zur nächsten von Neonazis organisierten Demonstration am 26. November in Meiningen an. Sie war nicht bereit weitere Fragen von Thüringen Rechtsaußen zu beantworten. Das AWO Seniorenzentrum Rödental teilte am 16. November 2016 mit: „Wir haben am 14.11.16 von den Aktivitäten einer seit kurzem bei uns beschäftigten Mitarbeiterin erfahren. Diese Aktivitäten sind mit den AWO-Werten und AWO-Grundsätzen nicht vereinbar. Das Arbeitsverhältnis wurde arbeitgeberseitig beendet.“ Neonazi-Gruppen auf Facebook wie „Thügida“, „Wir lieben Ostthüringen“, „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ und „Sügida“ zeigt sich darüber erbost und riefen über ihre Seiten dazu auf, dem „AWO Seniorenzentrum Rödental“ mal die „Meinung“ zu sagen. Auf der Facebook-Seite des Neonazis Tommy Frenck entspann sich eine Diskussion über die Wirksamkeit der Kündigung. Auch Yves Rahmel aus Chemnitz, Betreiber des Neonazi-Labels „PC Records“ mischte sich ein und zerredete jegliche Hoffnungen, „die Beweislage, inkl. Bilder war ja nun erdrückend… da muß man auch mal nachdenken“, so Rahmel.

Reaktionen von Yves Rahmel und Angela Schaller auf der Facebookseite von Tommy Frenck

Reaktionen von Yves Rahmel und Angela Schaller auf der Facebookseite von Tommy Frenck

Statement des AWO Seniorenzentrum Rödental

Statement des AWO Seniorenzentrum Rödental

Angela Schaller reagierte darauf öffentlich: „Da hast Du Recht, Yves. Aber nach 25 Jahren guter Arbeit in dieser Branche und mit einwandfreiem Führungszeugnis sollten selbst solche „Beweise“ nicht mehr zählen als die Arbeit, die man leistet“. Weiter schreib sie: „Und ohne diesen Hetzartikel dieser linken Seite wäre es auch niemals zur Kündigung gekommen.“ Richtig ist: Nicht andere, sondern ganz alleine Angela Schaller ist für ihr Handeln verantwortlich. Hätte sie sich mit den Werten und Grundsätzen der AWO auseinandergesetzt, wäre es weder zur Anstellung noch zur Kündigung gekommen, das Leitbild der AWO kann hier heruntergeladen werden.

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