„Rock gegen Überfremdung“: Saalfelder Messerstecher organisiert Openair-Konzert mit kriminellen Neonazis

Ein weiteres Freiluftkonzert der Neonazi-Szene wird zur Zeit für den 20. August 2016 in Thüringen vorbereitet. Neben einem parteiübergreifenden Rednerprogramm werden fünf Bands angekündigt. Einer der Veranstalter ist ein Messerstecher, welcher der neugegründeten „Anti-Antifa Ostthüringen“ zugehörig ist, Redner kommen aus einer verbotenen militanten Nazi-Gruppe und einem Netzwerk von Holocaust-Leugnern, als Headliner soll ein Sänger auftreten dessen vorherige Band gerichtlich zur kriminellen Vereinigung erklärt wurde, Verbindungen gibt es auch zum Ballstädt-Verfahren.

„Uwocaust“, „Lunikoff“ und ein Ballstädt-Schläger machen Musik

Flyer für das Konzert am 20. August 2016

Flyer für das Konzert am 20. August 2016

Rock gegen Überfremdung – Openair“ lautet der Titel des geplanten Konzerts. Die Flyer dazu weisen Ähnlichkeiten zur Veranstaltungsreihe „Rock am Kreuz“ auf, mit der seit 2014 durch mehrere Konzerte in der Erlebnisscheune in Kirchheim Gelder für die Ballstädter Neonazi-Schläger gesammelt wurden, die sich derzeit vor dem Landgericht Erfurt verantworten müssen. Die Schweizer Band „Treueorden“ wurde dazu immer wieder eingeladen und spielte auch mehrfach mit der Band „SKD“ des Hauptangeklagten Thomas

Fotos der Schweizer Band „Treueorden“ vom Versand „Ansgar Aryan", bei dem Gitarristen mit gelben „Hatecrew"-Aufdruck handelt es sich um einen Schläger aus dem Ballstädt-Verfahren

Fotos der Schweizer Band „Treueorden“ vom Versand „Ansgar Aryan“, bei dem Gitarristen mit gelben „Hatecrew“-Aufdruck handelt es sich um einen Schläger aus dem Ballstädt-Verfahren

Wagner im Ballstädtverfahren, so auch in der alten Immobilie der „Kameradschaft Jonastal“ in Crawinkel. Am 9. September 2015 hatte der Neonazi Versand „Ansgar Aryan“, für den der Ballstädt-Angeklagte Marcus Russwurm arbeitet, verpixelte Bilder eines Konzertes veröffentlicht,  Titel „Gut gekleidet ist halb gewonnen: TREUEORDEN – Live on Stage. Die Band weiß eben, wo’s langgeht“. Zu sehen war die Schweizer Band in Klamotten aus der „Hatecrew“ Kollektion des aus Oberhof stammenden Versandes.

Schwarzer Balken vor dem Gesicht, Tätowierungen verraten ihn aber: Rocco Boitz aus Bad Langensalza (zur Zeit vor dem Landgericht Erfurt angeklagt)

Auftritt von „Treueorden“ Schwarzer Balken vor dem Gesicht, Tätowierungen verraten ihn aber: Rocco Boitz aus Bad Langensalza (zur Zeit vor dem Landgericht Erfurt angeklagt)

Ein Gitarrist ist auf zwei Bildern mit schwarzen Balken zwar im Gesicht unkenntlich gemacht, verschiedene Tätowierungen an Hals und Armen zeigen jedoch, dass es sich dabei eindeutig um Rocco Boitz aus Bad Langensalza handelt, wie Thüringen Rechtsaußen vorliegende Vergleichsfotos belegen. Boitz ist zur Zeit ebenso am Landgericht Erfurt angeklagt, weil er beschuldigt wird, am 9. Februar 2014 die Kirmesgesellschaft in Ballstädt mit überfallen und mehrere Menschen zum Teil erheblich verletzt zu haben. Neben T-Shirts der Band „SKD“ trägt er auch das Logo der „Kameradschaft Jonastal“, was den gemeinschaftlichen und organisierten Zusammenschluss jener Gruppierung unterstreicht, der die meisten Angeklagten im Ballstädt-Verfahren zuzuordnen sind.

Boitz mit Logo der „Kameradschaft Jonastal“ auf der Brust

Boitz mit Logo der „Kameradschaft Jonastal“ auf der Brust

Am 20. August 2016 reist „Treueorden“, deren erstes Album „SA Vorran“ heißt, erneut nach Thüringen. Die Band will zusammen mit „Tätervolk“ (Mecklenburg Vorpommern/Berlin), „Uwocaust“ alias Uwe Menzel und „Frontfeuer“ (jeweils aus Brandenburg) sowie der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ um Michael Regner, ehemaliger Sänger der verbotenen Band Landser, auftreten. Zwar findet sich auf den Flyern keine Ortsangabe, auf Anfrage teilten die Veranstalter aber mit, dass das Konzert in Thüringen im „Raum Weimar“ stattfinden soll und von 12 bis 24 Uhr geplant ist.

Den Kommunisten auf die Fresse hauen“ – Weiße Wölfe Terrrocrew Sektionsleiter als Redner

Michael Zeise beim Thüringentag in Sömmerda, Bild: MDR

Michael Zeise beim Thüringentag in Sömmerda, Bild: MDR

Unter den angekündigten Rednern befinden sich Matthias Fiedler von der Eichsfelder NPD, der jährlich mit Thorsten Heise den „Eichsfeldtag“ ausrichtet, und Axel Schlimper, Gebietsleiter vom Holocaustleugner-Netzwerk „Europäische Aktion Thüringen“. Außerdem der „Freie Aktivist“ Michael Zeise aus Erfurt (wir hatten hier berichtet), der bis zum Verbot im März 2016 Thüringer Sektionsleiter der „Weiße Wölfe Terrorcrew“ (WWT) war.

Robert Köcher (2.v.l.) letztes Jahr in Freital

Robert Köcher (2.v.l.) letztes Jahr in Freital

Zeise ist nicht nur ein zentraler Akteur der militanten Neonazi-Szene sondern auch mehrfach selbst mit Gewalttaten in Erscheinung getreten. Bei der WWT-Verbotsrazzia wurden T-Shirts und CDs bei ihm beschlagnahmt. Beim „Thüringentag der nationalen Jugend“ am 10. Juni 2016 in Sömmerda trat er als Redner auf.

Neonazistischer Hassprediger Nico Metze

Neonazistischer Hassprediger Nico Metze

Zeise verkündete vor laufenden Kameras „Wir werden mit hunderten sportlichen Kerlen durch die roten Viertel laufen und notfalls Kommunisten auf die Fresse hauen“. Zwei weitere Redner des „Rock gegen Überfremdung“ Konzerts gehören zur Partei „Der III. Weg“: Nico Metze und Robert Köcher. Metze gehörte bis zur Verhaftung von Ralf Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord (NSU-Prozess) vor fünf Jahren zu dessen engem Umfeld, führte das „Freie Netz Jena“ an und sammelte mit Beginn der U-Haft Spendengelder für „Wolle“. Er ist seit ein paar Monaten stellvertretender Leiter des zweiten Ablegers der Partei „Der III. Weg“ in Thüringen mit dem Namen „Stützpunkt Ostthüringen“, den er gemeinsam mit seiner Freundin Annika Wetzel leitet. Vor etwa fünf Jahren wurde er von der Polizei mit Sturmhauben und über einem Kilo Brandgel kurz vor einem mutmaßlich geplanten Brandanschlag in Saalfeld erwischt. Der häufig in Thüringen und Sachsen umherreisende Schläger Robert Köcher aus Kahla tritt ebenfalls mit Kleidung der Partei „Der III. Weg“ bei Aktionen auf und ist Sprecher der „Bürgerinitiative Wir lieben Ostthüringen“, für die er bei dem Konzert als Redner auch angekündigt wird. „Wir lieben Ostthüringen“ plant am 16. Juli einen erneuten Fackelmarsch durch Rudolstadt. Er steht zur Zeit in Leipzig vor Gericht, weil er bei einer LEGIDA-Demonstration Gegendemonstranten angegriffen haben soll.

Konzerteinnahmen werden beim Messerstecher David Heinlein gesammelt

Links: David Heinlein, Rechts: Felix Reck (Foto geklaut bei Sören Kohlhuber Flickr)

Links: David Heinlein, Rechts: Felix Reck (Foto geklaut bei Sören Kohlhuber Flickr)

„Besorgter Reichsbürger“ und „Autonomer Nationalist"

„Besorgter Reichsbürger“ und „Autonomer Nationalist“

Die Veranstalter geben sich über den Ort bislang bedeckt, auf den Flyern ist am Rande nur das Logo vom neonazistische Versandhandel „Das Zeughaus“ aus Niedersachsen zu sehen. Eine Suche führt jedoch in das Umfeld der neubelebten „Anti-Antifa Ostthüringen“, über die wir hier berichtet hatten. Für das Konzert soll es keine Tageskasse geben, statt dessen müssen Interessierte 25 € überweisen, um die Karten auf dem Postweg zu erhalten. Die zur Einzahlung auf Anfrage erhältliche IBAN DE38100100100012359123 entspricht dem privaten Konto des Saalfelder Neonazis David Heinlein bei der Postbank Berlin. Er war bei einem Übergriff am 5. Januar 2013 in der Saalfelder Innenstadt mit mehreren Neonazis beteiligt und versuchte dabei mit einem Messer auf den Bauch seines Opfers einzustechen. Heinlein rechnet sich den „Autonomen Nationalisten“ zu und gehört einer Gruppe von 15-20 Personen an, die seit Jahresanfang 2016 unter dem Namen „Anti-Antifa Ostthüringen“ in Erscheinung tritt.

Mehrere gewalttätige Aktionen von neuer „Anti-Antifa Ostthüringen“

Mitglieder der 2016 neugegründeten „Anti-Antifa Ostthüringen" posieren in Saalfeld, veröffentlicht auf dem Facebook-Account der Gruppierung

Mitglieder der 2016 neugegründeten „Anti-Antifa Ostthüringen“ posieren in Saalfeld, veröffentlicht auf dem Facebook-Account der Gruppierung

Links: Markus Hartmann (Bad Blankenburg), rechts David Heinlein (Saalfeld) unter dem Wimpel der SS

Links: Markus Hartmann (Bad Blankenburg), rechts David Heinlein (Saalfeld) unter dem Wimpel der SS

Aus dem Landesvorstand der Partei „Die Rechte“ in Thüringen gab es zunächst den Auftrag, eine Facebook-Seite unter dem Namen aufzusetzen, der an die alte Bezeichnung des „Thüringer Heimatschutzes“ erinnern soll. Auf der Seite wurden erst Drohungen und Daten mutmaßlicher politischer Gegner veröffentlicht, später folgten dann Einschüchterungsversuche, eine Welle gewalttätiger Übergriffe und Transparentaktionen durch Mitglieder der Gruppe. Mehrere, überwiegend junge Menschen wurden dabei verletzt. Neben Heinlein gehören zu der Gruppe unter anderem Felix Reck, Max Warstat, Sebastian Hoffmann, Steven Hause, Danny Ludwig und Philipp Klinkart aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

"Combat 18 - Division Thüringen" ? 2015 im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt aufgenommen mit mehreren Personen, die inzwischen zur neuen „Anti-Antifa Ostthüringen“ gehören. In der Mitte mit Basecap, hält beide Transparente zusammen: Sebastian Hoffmann

„Combat 18 – Division Thüringen“ ? 2015 im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt aufgenommen mit mehreren Personen, die inzwischen zur neuen „Anti-Antifa Ostthüringen“ gehören. In der Mitte mit Basecap, hält beide Transparente zusammen: Sebastian Hoffmann

Ankündigung für den Neonazi-Aufmarsch am 16. Juli 2016 in Rudolstadt

Ankündigung für den Neonazi-Aufmarsch am 16. Juli 2016 in Rudolstadt

Block vom „Antikapitalistisches Kollektiv" am 1. Mai 2015 in Saalfeld, rechts am Frontransparent mit Glatze und gelben Brustemblem: Felix Reck aus Saalfeld, inzwischen gewaltsuchendes Mitglied bei der „Anti Antifa Ostthüringen"

Block vom „Antikapitalistisches Kollektiv“ am 1. Mai 2015 in Saalfeld, rechts am Frontransparent mit Glatze und gelben Brustemblem: Felix Reck aus Saalfeld, inzwischen gewaltsuchendes Mitglied bei der „Anti Antifa Ostthüringen“

Unterstützung erhielten sie aus Kahla und Pößneck, sowie durch „Reichsbürger“ wie Ralf Gabel, Christian Alber und Frank Geißler, die bei Transparentaktionen der „Anti-Antifa Ostthüringen“ beteiligt waren. Mitglieder der Gruppierung eifern offenbar der militanten Arm des verbotenen Netzwerkes „Blood & Honour“ mit dem Namen „Combat 18″ nach. Ein in der Neonazi-Szene bereits 2015 verbreitetes Foto zeigt mehrere Personen aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, die hinter einer „Combat 18″ Fahne und daneben eine „Division Thüringen“ Fahne aus dem Shop des Neonazis Tommy Frenck posieren. „Combat 18″ bedeutet „Kampftruppe Adolf Hitler“ und stammt ursprünglich aus Großbritannien, das Netzwerk agiert ähnlich wie auch der NSU nach dem Prinzip Leaderless resistance („Führerloser Widerstand“), um gewaltsam bis terroristisch gegen politische Gegner vorzugehen. David Heinlein wirbt auf Facebook übrigens mit dem Slogan „Deutsches Reich statt BRD“, unter seinen Likes finden sich auch Waffen-SS, Hitlerjugend und verschiedene Anti-Antifa Seiten. Am 20. April 2016 wurde er in Jena vorübergehend bei einem Fackelmarsch der extrem rechten Szene Gewahrsam genommen, als Mitglieder der „Anti-Antifa Ostthüringen“ Wurfgeschosse auf Gegendemonstranten warfen. Beim Fackelmarsch am 16. Juli in Rudolstadt wollen Mitglieder der Gruppe mit einem eigenen Transparent mit der Aufschrift „Anti-Antifa Ostthüringen“ präsent sein.

Nachtrag 16. August 2016: Das Konzert findet voraussichtlich in Kirchheim (Thüringen) statt. Zwischenzeitlich erfolgte auch eine intensive Mobilisierung unter den Angeklagten des Ballstädt-Prozesses und deren Umfeld.

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