Das Prinzip Wieschke oder: Wie sich die NPD-Thüringen auch ohne Verbot weiter selbst zerlegt

Am 17. Juni 2016 verkündete die Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) den Wechsel des ehemaligen NPD-Mitglieds und NPD-Stadtrates Enrico Biczysko in den DR-Kreisverband Mittelthüringen. Illustriert wurde der Artikel zum Parteiübertritt mit einem Bild von Michel Fischer, dem Landesorganisationsleiter und seit kurzem Beisitzer im DR-Bundesvorstand, und Biczysko selbst.

Längst überfällig: Wechsel von Biczysko zu „Die Rechte“

Facebook-Beitrag von Enrico Biczysko unter Pseudoynm

Facebook-Beitrag von Enrico Biczysko unter Pseudoynm

Selbstinszenierung der Partei Die Rechte, links Michel Fischer, Rechts Enrico Biczysko

Selbstinszenierung der Partei „Die Rechte“, links Michel Fischer, rechts Enrico Biczysko – Neonazi-Schläger mit Parteibüchern

Damit vollzog sich jetzt ein Wechsel, der sich bereits lange ankündigt hat. Dass Enrico Biczysko schon länger die Absicht hatte, zur NPD-Konkurrenz „Die Rechte“ zu wechseln, war spätestens klar, nachdem die Handyinhalte des Leipziger Neonazis Alexander Kurth geleakt worden waren (wir berichteten). Demnach hatte der Erfurter Neonazi-Hooligan spätestens im Mai 2015 die Absicht, die NPD zu verlassen. Interessanter als der Wechsel selbst sind nun aber die Hintergründe für das Überlaufen. Biczysko verkündete bereits einige Tage vor seinem Wechsel auf Facebook: „Kann mir jemand erklären warum ich damals in die Npd Thüringen eingetreten bin? Der Verein ist hochverschuldet ( Durch inkompetente „Führer“). Es wird gelogen und betrogen ohne Ende ! … Ich werde meine Aussagen demnächst konkretisieren um eine Transparenz zu unseren Anhängern herzustellen“ (Fehler im Original). Kurze Zeit nach diesem Post wurde das Facebook-Profil gelöscht, die Partei die Rechte erklärte später auch: „durch die anhaltenden innerparteilichen Streitigkeiten in der NPD“ sei „keine konstruktive politische Arbeit mehr möglich“. Dies ist der zweite Wechsel eines kommunalen Mandatsträgers von der NPD zu „Die Rechte“ in Thüringen, im Oktober 2015 wechselte bereits Yvonne Lüttich, Ortsteilrätin von Weimar-West. Bei der Thüringer NPD sollen sich die Mitgliederzahlen unterdessen weiter im Sinkflug befinden. Mit den harten Vorwürfen gegen die Landesspitze der NPD in Thüringen ist Biczysko innerhalb kürzester Zeit auch gleich der zweite prominente Thüringer Neonazi, der sich aus der Partei bzw. dem Führungsgremium zurückzieht.

David Köckert über NPD-Führung in Eisenach: „feige Gestalten“, „vom Rotwein benebelt“, „intrigante(s) Pack“

Köckert Mitte Februar 2016 noch an vorderster NPD-Front, hat der Partei inzwischen den Rücken gekehrt

Köckert Mitte Februar 2016 noch an vorderster NPD-Front, hat der Partei inzwischen den Rücken gekehrt

Abrechnung von David Köckert mit der NPD im Ende Februar 2016

Abrechnung von David Köckert mit der NPD Ende Februar 2016

Bereits vor einigen Wochen war der Greizer Neonazi David Köckert als Landesorganisationsleiter zurückgetreten. Damals berichteten wir über den Rücktritt und sahen diesen in Zusammenhang mit dem anstehenden NPD-Verbotsverfahren. Wie ein zugesandter Screenshot zeigt, verließ auch Köckert den Landesvorstand wegen Streitigkeiten mit der Eisenacher Führung. Ende Februar schrieb Köckert – nur wenige Tage nach seinem Rückzug – auf Facebook: „Noch sitzt ihr im fliederfarbenen Haus, ihr feigen Gestalten. Vom Rotwein benebelt und von Korruption zersetzt. Doch bald wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet die Basis und fegt euch hinweg. … An dieses intrigante Pack von inkompetenten und charakterlosen Gesellen. … Zuviele Gute mussten gehen, um das Feld denen zu überlassen, die seit Jahren die Mitglieder behandeln wie zahlende Nummern“ (Fehler im Original). Damit scheinen Biczyskos und Köckerts Kritiken an dieselben Personen gerichtet zu sein: Der Klüngel um den ehemaligen Landesvorsitzenden Patrick Wieschke. Neben Wieschke dürfte es sich hierbei vor allem um den Marionetten-Vorsitzenden Tobias Kammler und um den „Technischen Mitarbeiter“ Karsten Höhn handeln. Es sind vor allem die drei, die von der Partei finanziell und strukturell profitieren. Neben finanziellen Leistungen lassen sowohl Wieschke als auch Kammler seit Jahren zahlreiche kostenintensive Gerichtsverfahren durch die Partei finanzieren und haben den Landesverband damit und mit einer desaströsen Wahlkampfplanung 2014 völlig heruntergewirtschaftet.

Eisenacher NPD-Taktik: Zurücklehnen und aussitzen

Patrick Wieschke lehnt sich zurück und lässt sich von dunkelhäutigen „raum- und kulturfremden Ausländern“ verwöhnen

Patrick Wieschke lehnt sich zurück und lässt sich von dunkelhäutigen „raum- und kulturfremden Ausländern“ verwöhnen

Daneben haben sowohl Wieschke als auch Kammler in der NPD-Geschäftsstelle den Sitz ihrer Unternehmen. Wieschke vertreibt aus der Eisenacher Immobilie Bücher über seinen Versand „Zeitgenoss“ und Kammler T-Shirts über den Versand „Hemdster“. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten lies es sich Wieschke vor einigen Wochen erneut nicht nehmen, mehrere Wochen Urlaub in Kolumbien zu machen. Ganz so schlecht, wie es um die Finanzen des Landesverbands bestellt ist, scheint es bei Patrick Wieschke noch lange nicht zu sein. Köckert, der in letzter Zeit auch vermehrt in Sachsen und Sachsen-Anhalt unter der Flagge von Thügida auftritt, ließ am 17. Juni 2016 über den Facebook-Account von Thügida verkünden: „Der NPD Führung in Thüringen wurde oft genug die Hand gereicht, dafür konnten wir leider nur ein müdes Lächeln erlangen. Dieses Verhalten ist mehr als kontraproduktiv und dem gemeinsamen Ziel nur hinderlich. (…) Wenn die NPD ihre Erfolglosigkeit und das Konkurrenzdenken über die Gemeinschaft stellt, ist sie ein verstaubtes Relikt der Geschichte“, mit der NPD-Basis wolle man gleichwohl weiter zusammenarbeit. Tatsächlich ist der Einflussbereich der NPD in den letzten Monaten in Thüringen weiter geschrumpft, öffentliche Aktivitäten ereignen sich vor allem rund um die NPD-Geschäftsstelle.

„Der NPD Führung in Thüringen wurde oft genug die Hand gereicht, dafür konnten wir leider nur ein müdes Lächeln erlangen“, David Köckert von Thügida. Vielleicht waren die Hände der NPD-Führung einfach oft genug woanders.

„Der NPD Führung in Thüringen wurde oft genug die Hand gereicht, dafür konnten wir leider nur ein müdes Lächeln erlangen“, David Köckert von Thügida. Vielleicht befanden sich die Hände der NPD-Führung einfach oft genug woanders, wie hier auf dem Foto mit Wieschke.

Wieschke, der auch als „Dönerbomber“ bekannt wurde, plant am 5. Juli eine Kundgebung gegen einen Eisenacher Dönerimbiss und eine Woche darauf eine Kundgebung gegen eine orientalischen Lebensmittelladen in der Stadt, weil diese angeblich Ausdruck einer „zunehmenden Überfremdung und des Hegemonialstrebens raum- und kulturfremder Ausländer“ seien. Enrico Biczysko wird inzwischen auch auf einer Kundgebung von „Die Rechte Mittelthüringen“ am 9. Juli als Redner in Erfurt angekündigt, die NPD geht in Thüringen weiter den Bach runter und Patrick Wieschke mimt weiterhin den idealistischen „treuen Volksdeutschen“. Fotos die 2016 aufgenommen wurden und Thüringen Rechtsaußen vorliegen lassen jedoch auch diese Fassade des Eisenacher Neonazis bröckeln, der in seinem Versandhandel Bücher wie „Vererbungslehre, Rassenkunde und Erbgesundheitspflege (1935)“ anbietet. Sie zeigen Wieschke in mehreren Situationen, wie er sich im Ausland von dunkelhäutigen Frauen „verwöhnen“ lässt, die er in Eisenach gerne abfällig als „raum- und kulturfremde Ausländer“ beschimpft. Wie beides zusammenpasst wird er den wenigen verbliebenen NPD-Freunden sicherlich beim nächsten Kameradenabend in Eisenach erörtern können.

Weitere Beiträge zum Prinzip Wieschke auf Thüringen Rechtsaußen:

Sexueller Missbrauch eines Kindes – NPD-Spitzenkandidat Patrick Wieschke in Erklärungsnot (Polizeiakte geleakt)

Wie Patrick Wieschke seine Mutter totschlagen wollte und seine Schwester misshandelte – ein Dokument des Grauens (Polizeiakte geleakt – Teil II)

Thüringer NPD auf dem Weg ins Desaster – Putsch gegen Wieschke läuft

Pleiten, Pech und Pannen: Neuigkeiten zum Wieschke-Desaster – weiterer Knatsch vor dem Bundesparteitag und leergeräumte Kassen

Das letzte Hemd der NPD

NPD-Landesparteitag am 12.1.: Showdown in Eisenach

Führungswechsel bei der Thüringer NPD: Wieschke geht, Tobias Kammler kommt

Vom Landesvorsitzenden zum kommerziellen Rassenlehrer – Wieschkes neuer NS-Handel

Vier Tage vor NPD-Verbotsverfahren: Thüringer Landesorganisationsleiter David Köckert wirft das Handtuch

Vier Kinderfeste der extremen Rechten in Thüringen

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