Vier Kinderfeste der extremen Rechten in Thüringen

Anfang Juni 2016 werden von der extremen Rechten verschiedene Kinderfeste in Thüringen organisiert: in Eisenach, in Erfurt, in Altenburg und in Schkölen im Saale-Holzland-Kreis. Ganz vorne mit dabei: „Kinderfreund“ Patrick Wieschke, der seinen Posten als Landesvorsitzender der NPD seit letztem Jahr los ist, nach dem frühere Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs gegen ihn bekannt wurden.

Kinderfest mit der Erfurter „Volksgemeinschaft“

Eine von mehreren Räumlichkeiten der „Volksgemeinschaft Erfurt e.V.“

Eine von mehreren Räumlichkeiten der „Volksgemeinschaft Erfurt e.V.“

Über den extrem rechten Verein „Volksgemeinschaft Erfurt e.V.“ hatten wir hier schon einmal berichtet, im Januar fand im Verein ein Neonazi-Konzert für einen verstorbenen Erfurter NPD-Politiker statt, am 30.04. traten dort gleich mehrere Liedermacher bei einem Konzert auf. Auch eine Rechtsschulung der Partei „Die Rechte“ und eine Mitgliederversammlung der NPD fanden dort bereits statt. Ende Mai hat der Verein seine Räumlichkeiten im Internet vorgestellt, dazu heißt es „Veranstaltungen und soziale Projekte werden zukünftig statt finden, um das Gemeinschaftsgefühl wieder zu stärken“. Der Verein verfügt auch über einen Boxraum, den man gegen 5€ Monatsbeitrag als Vereinsmitglied nützen könne. Für den 1. Juni kündigte die „Volksgemeinschaft Erfurt e.V.“ für den Nachmittag einen „Kindertag in der VG“ mit „Hüpfburg, Kinderschminken uvm.“ an. Ziel sei es auch „einen sozialen Anlaufpunkt in Erfurt zu schaffen“.

 

Kinderschminken mit Kinderfreund Wieschke in der Eisenacher NPD-Zentrale

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Wegen seines guten Verhältnisses zu Kindern in der Neonazi-Szene bundesweit bekannt: Kamerad des Vertrauens, Patrick Wieschke (älteres Foto)

Wegen seines guten Verhältnisses zu Kindern in der Neonazi-Szene bundesweit bekannt: Kamerad des Vertrauens, Patrick Wieschke (älteres Foto)

Für den 5. Juni mobilisieren die NPD in Eisenach und der NPD Landesverband wie schon im Vorjahr zum „Familienfest am Flieder Volkshaus“ in der Eisenacher Katharinenstraße, wo sich die Landegeschäftsstelle der Thüringer NPD befindet. Veranstalter sind die NPD-Aktivisten Tobias Kammler und Patrick Wieschke, der gerade aus einem erneuten mehrwöchigen Südamerika-Urlaub zurückkehrte und aktuell eine Kampagne gegen „ausländische Lebensmittelläden“ in Eisenach, wie einen Halal-Döner plant. Der ehemalige Landesvorsitzende Wieschke verließ im Januar 2015 den NPD-Landesvorstand, nach dem auf Thüringen Rechtsaußen im Landtagswahlkampf bekannt wurde, dass gegen ihn wegen Kindesmissbrauchs ermittelt wurde. Beim Kinderfest am 5. Juni bietet er „günstige Speisen und Getränke, eine große Hüpfburg, Kinderschminken, Sackhüpfen, Glücksrad u.V.m.“ an. Interessierte seien auch zu einer „Hausführung“ eingeladen. Im Gebäude fanden Neonazi-Konzerte und Veranstaltungen statt, auch die „Nationale Jugend (NJ) Eisenach“ trifft sich dort.

„Deutscher Zivilschutz e.V.“ mit Kindertag in Altenburg

Logo des „Deutschen Zivilschutz e.V."

Logo des „Deutschen Zivilschutz e.V.“

Flyer für das Altenburger Kinderfest mit Logo vom „Altenburger Bürgerforum" und „Deutschen Zivilschutz e.V“

Flyer für das Altenburger Kinderfest mit Logo vom „Altenburger Bürgerforum“ und Trägerverein „Deutscher Zivilschutz e.V“

Das Altenburger Bürgerforum, in dem mehrere Mitglieder der extremen Rechten organisiert sind und deren Sprecher ein NPD-Anhänger ist, plant zum 4. Juni einen „Kindertag in der Uferburg“ im Wettiner Hof. Das Forum organisierte Veranstaltungen mit „Compact Magazin“ und Jürgen Elsässer sowie Demonstrationen, an denen auch bekannte Neonazis teilnahmen. Die Uferburg wird vom Bürgerforumsmitglied Jürgen Lange betrieben, wo auch die geschichtsrevisionistische Ausstellung seines Vereins „Lebenskurve e.V.“ mit dem Titel „2000 Jahre – Des deutschen Volkes Leidensweg“ zu sehen ist und für Schulklassen angeboten wurde. Auf dem gedruckten Einladungsflyer sind das Logo des „Altenburger Bürgerforums“ und des Vereins „Deutschen Zivilschutz e.V.“ zu sehen, in dem die Mitglieder des Forums organisiert sind. Der Verein bietet auch Kampfsport bzw. Selbstverteidigungstrainings an, um sich „Zwängen des derzeitig herrschenden Unrechtssystem möglichst vollständig entziehen zu können“. Thema des am frühen Nachmittag beginnenden Kindertages soll das Mittelalter sein, angeboten wird auch ein „Ritter Schaukampf“, zu den zugesagten Gästen gehört Forumssprecher und Kampfsportler Frank Schütze, der auch Reden von Adolf Hitler und Neonazi-Symboliken verbreitet.

Kinderfest auf der Wasserburg in Schkölen – neuer Treffpunkt für Thügida-Organisation

Einladung im Netz

Einladung im Netz

Betreiberin Ring positioniert sich eindeutig

Betreiberin Ring positioniert sich eindeutig

Am Nachmittag des 5. Juni ist in Schkölen im Saale-Holzland-Kreis ein „Kinderfest auf der Wasserburg“ geplant, das intensiv auch durch die neonazistische Szene im Internet, wie auf den Facebook-Seiten von Thügida, „Wir lieben Sachsen/Thügida“, „Wir lieben Ostthüringen“, Neonazi-Stadtrat David Köckert, „Wir lieben Gera“ beworben wird. Veranstaltungsort ist das Burgcafé Schkölen auf der Wasserburg, das nach einem Betreiberwechsel seit Mitte 2015 von Simona Ring betrieben wird. Sie ist mit den relevanten Personen der Thügida-Ableger befreundet, auch mit Holocaustleugner Christian Bärthel und dem Südthüringer Neonazi Tommy Frenck. Auch finden sich Likes von ihr auf einschlägigen Seiten wie mehreren Thügida-Ablegern, David Köckert sowie der „Anti-Antifa Ostthüringen“. Eingeladen wurden überregional über 500 Personen, darunter zahlreiche Neonazis. Unter den Zusagen befinden sich mehrere Mitglieder des Thügida-Organisationsteams wie beispielsweise Robert Köcher, Sarah Schumann, Markus Dettler und Silvio Lissner. Zum Kindertag werden auch hier Hüpfburg und Kinderschminken angeboten sowie „Lagerfeuer und Lampiongumzug“. Die Wasserburg entwickelte sich in den letzten Monaten auch zu einem neuen Treffpunkt der neonazistischen Szene im Saale-Holzland-Kreis. Mehrere Fotos belegen, dass im Februar und April 2016 Organisationstreffen von „Wir lieben Ostthüringen“ und „Wir lieben den Saale-Holzland-Kreis“ auf der Wasserburg stattfanden.

Treffen von „Wir lieben Saale Holzland-Kreis“ auf der Burg am 03.04.2016

Treffen von „Wir lieben Saale Holzland-Kreis“ auf der Burg am 03.04.2016

Kinder und Familienfeste wichtiger Bestandteil in extrem rechten Szene

Osterwanderung des Stützpunktes „Der III. Weg Thüringer Wald/Ost" am 27. März 2016 bei Rudolstadt mit Kindern elf Kindern von Mitgliedern der Neonazi-Partei

Osterwanderung des Stützpunktes „Der III. Weg Thüringer Wald/Ost“ am 27. März 2016 bei Rudolstadt mit Kindern elf Kindern von Mitgliedern der Neonazi-Partei

Treffen von „Wir lieben Ostthüringen" am 21.02.2016 auf der Burg in Schkölen

Treffen von „Wir lieben Ostthüringen“ am 21.02.2016 auf der Burg in Schkölen

Neben den großen Festivals finden eigene Kinder- und Familienfeste der extremen Rechten immer wieder in Thüringen statt, um auch die Jüngsten an neonazistische Ideologie und Traditionen frühzeitig heranzuführen und den Zusammenhalt unter extrem rechten Familien zu stärken. Schon der Thüringer Verfassungsschutz-Spitzel Kai-Uwe Trinkaus organisierte in Erfurt 2007 und 2008 Kinderfeste, auch die Ballstädter Neonazi-Schläger veranstalteten im August 2012 in der „Hausgemeinschaft Jonastal“ in Crawinkel ein solches Fest. Die NPD führte 2015 im Mai ihrer Eisenacher NPD-Zentrale ihr jährliches Familienfest mit Kinderschminken durch, die Partei DIE RECHTE organisierte kurz vor Heiligabend eine Kinderweihnachtsfeier in Neuhaus am Rennweg. Auch die Partei „Der III. Weg – Stützpunkt Thüringer Wald/Ost“ führte inzwischen mehrere Ausflüge und Wanderungen mit Familien und Kindern wie am Ostersonntag 2016 nahe dem Schloss Heidecksburg in Rudolstadt durch. Ziel, so die Partei, sei auch die Stärkung der Gemeinschaft und des Zusammenhalts innerhalb der neonazistischen Szene.

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