Während des laufenden Prozesses: Erneutes Spenden-Konzert für die Ballstädt-Schläger am 27.2. in Thüringen geplant

Nach mehreren Spendenaktionen und Solidaritätskonzerten für die extrem rechte Hausgemeinschaft Jonastal (HGJ) und die Angeklagten im Ballstädt-Prozess soll zwischen dem 8. und 9. Verhandlungstag am Landgericht Erfurt ein erneutes Konzert in Thüringen stattfinden, bei dem alleine durch den Kartenverkauf 5.000 € erwirtschaftet werden sollen.

„Rock am Kreuz“ Konzertreihe

konzertflyer-ballstaedt

Im November hatten wir hier über mehrere Musikveranstaltungen berichtet, mit denen jene Neonazis finanziell unterstützt werden sollen, die in der Nacht zum 9. Februar 2014 bei einem brutalen Überfall im Ballstädter Gemeindehaus zehn Menschen teilweise schwer verletzten. Neben den Kosten für das Verfahren und die Anwälte, bei denen mindestens acht selber der Neonazi-Szene angehören, soll mit den Geldern auch ein Kredit für das „Gelbe Haus“ in Ballstädt sowie ein Tonstudio der Band SKD finanziert werden. Das Konzert, das auch am Geburtstag von Ralf Wohlleben stattfindet, ist Teil der Rechtsrock-Reihe „Rock am Kreuz“, deren erste Auflage am 27. Dezember 2014 und die zweite am 04. April 2015 in Kirchheim stattfanden. Beide Konzerte wurden durch Mitglieder der „Hausgemeinschaft Jonastal“ organisiert. Der Kartenverkauf wurde jeweils über den in Ballstädt ansässigen Versandhandel „Frontschwein Records“ gesteuert, der im Impressum auf Thomas Wagner angemeldet ist. Wagner sitzt seit dem 2. Dezember 2015 als Haupttäter im Ballstädt Verfahren auf der Anklagebank im Landgericht Erfurt und ist Kopf der Band SKD. Auch außerhalb der „Rock am Kreuz“-Reihe wurden über die selbe Clique weitere Musikveranstaltungen organisiert, wie ein Konzert am 14. November 2015 mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ sowie weiteren Bands. Involviert waren dabei unter anderem Steffen Richter, Steffen Mäder, Andre Keller, Marco Zint und Thomas Wagner. Austragungsort war wiederholt das “Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz”, das auch als Erlebnisscheune von Rainer Kutz bekannt ist.

5.000 € auf das Konto von Steffen Mäder (Hausgemeinschaft Jonastal)

Steffen Mäder mit T-Shirt der "Unsterblichen"

Steffen Mäder mit T-Shirt der „Unsterblichen“

Steffen Mäder auf dem "NSU reloaded"-Foto hinten rechts

Mäder auf dem „NSU reloaded“-Foto hinten rechts

Auch das am 27. Februar 2015 geplante Konzert mit dem Titel „Rock am Kreuz 3“ könnte in Kirchheim stattfinden. Zwar wird der Ort bislang typisch noch mit der Bezeichnung „Mitteldeutschland“ offen gelassen, doch auf Kirchheim deutet neben den bisherigen Veranstaltungen der gleichen Reihe auch die Limitierung der Kartenzahl auf 200 Stück für Besucher hin, weitere 50 Plätze verbleiben für Funktionspersonal. Beim ersten und zweiten „Rock am Kreuz“ Konzert waren auch jeweils etwa 250 Besucher anwesend. Neben den beiden Brandenburger Bands „Frontalkraft“ und „Exzess“ sind auch die Bands „Ex Umbra In Solem“ sowie „Old Glory“ angekündigt. Bei „Old Glory“ könnte es sich um eine Neonazi-Band aus dem Raum Jena handeln, die in der Vergangenheit schon mehrmals bei Szene-Konzerten in Saalfeld auftrat. Um den Geldweg nachvollziehen zu können, hatten wir auch für dieses Konzert Karten über die Kontaktadresse „Frontschwein Records“ von Thomas Wagner bestellt. Am 24. Januar 2016 erreichte uns dann die Bitte, pro Karte 25€ auf ein Postbank-Konto mit der IBAN DE58100100100880313114 zu überweisen und am Konzerttag auf Kameras und Handys zu verzichten, man möchte wie üblich Aufnahmen der Teilnehmer verhindern.

Mäder mit Handfesseln im Landgericht in Wels (Österreich)

Mäder mit Handfesseln im Landgericht in Wels (Österreich)

Marco Zint aus Gotha behauptete mit Steffen Mäder 2012 gegenüber der Thüringer Aufbaubank, ein homosexuelles Pärchen zu sein, dass in einer gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft lebe um einen Hauskredit zu bekommen

Pro Homo? Um einen Kredit für Baumaßnahmen in der Immobilie in Crawinkel zu bekommen, behauptete Marco Zint aus Gotha mit Steffen Mäder Ende 2011 gegenüber der Thüringer Aufbaubank, ein homosexuelles Pärchen zu sein, dass in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebe

Ein Einlass finde ab 19 Uhr statt, die Bands sollen ab 21 Uhr spielen. Das Konto gehört dem Neonazi Steffen Mäder, der eine wichtige Rolle in der „Hausgemeinschaft Jonastal“ spielt. Bevor die Neonazis nach Ballstädt kamen, verfügten sie bereits über Hausprojekte in Gotha und Crawinkel. In Gotha wurde 2004 dafür eigens ein Verein mit dem Namen „Toringi“ als „Verein zur Brauchtumspflege“ gegründet. Nach dem sich Teile der Vereinsmitglieder gegenseitig verprügelten zog sich der alte Vorstand zurück, Steffen Mäder wurde 2005 zum stellvertretender Vorsitzenden gewählte, Sebastian Reiche von der NPD zum Vorsitzenden. Das damalige Vereinslokal „Bierkeller“, das über den Verein gemietet wurde, war nicht nur regelmäßiger Ort für Konzerte sondern auch Ausgangspunkt für Übergriffe auf Ausländer und Linke. Im Sommer 2009 wurde Mäder nach einer 30-monatigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Im Jahr 2011 erwarb er zusammen mit Marco Zint für 110.000 € die Immobilie Bahnhofsstraße 25 in Crawinkel, in die danach auch die Neonazis Mario Kelch und Thomas Wagner einzogen. Um einen Kredit in Höhe von 35.000 Euro zu bekommen gaben Mäder und Zint gegenüber der Thüringer Aufbaubank an, sie seien ein homosexuelles Pärchen und leben in einer gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft. Das Geld floss zunächst, wurde dann aber gestoppt, als Zweifel über die angeblich „schwulen Nazis“ aufkamen. 2012 veröffentlichte Mäder ein Foto, auf dem die Hausgemeinschaft mit Waffen posierte, es wurde unter dem Namen „NSU Reloaded“ weiter verbreitet.

Geld durch Konzerte und kriminelle Aktivitäten – Objekt 21 Verbindung

Die Vereinigung „Hausgemeinschaft Jonastal“ ist identisch mit der „Kameradschaft Jonastal“, die nach Crawinkel in Ballstädt fortgeführt wird

Die Vereinigung „Hausgemeinschaft Jonastal“ ist identisch mit der „Kameradschaft Jonastal“, die nach Crawinkel in Ballstädt fortgeführt wird

Im August 2013 erwarben Andre Keller und Steffen Mäder die Immobilie „Gelbes Haus“ in Ballstädt haben. Bis zu165.000 Euro soll das Haus gekostet haben, in das erneut Thomas Wagner und andere Mitglieder der Hausgemeinschaft Jonastal einzogen. Auch Mäder wollte eigentlich länger bleiben, die Thüringer Polizei machte ihm aber einen Strich durch die Rechnung. Bei einer Ende August in Erfurt, Crawinkel und Ballstädt durchgeführten Razzia wurden Sturmgewehre, Pistolen, Munition und Drogen gefunden, Steffen Mäder wurde mit einem internationalen Haftbefehl gleich mitgenommen. Der Haftbefehl war in Österreich ausgestellt worden, wohin er dann ausgeliefert wurde. Der Vorwurf lautete: Mäder soll Teil eines internationalen kriminellen Neonazi-Netzwerkes sein, dass in illegale Prostitution, Raub, Erpressung, Brandstiftung und Verstöße gegen das Waffengesetz verwickelt ist. Mäder wurde als achtes Mitglied der Gruppe „Objekt 21“ in Österreich schließlich im Frühjahr 2014 vom Landgericht in Wels wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und damit verbundener Straftaten zu drei Jahren Haft verurteilt. Laut Gericht hat Mäder im Auftrag der Neonazi-Gruppe „Objekt 21“ Einbrüche begangen und sich an einem versuchten Brandanschlag beteiligt. Da er schwer belastet wurde räumte er eine Beteiligung an einigen vorgeworfenen Taten ein. „Der Auftrag lautetet einen Denkzettel verpassen“, so Mäder im Prozess. Früher als erwartet ist er zurück auf freiem Fuß und bewegt sich seit einigen Monaten wieder in Thüringen.

Identisches Symbol auf einigen Einladungen für Veranstaltungen im „Gelben Haus“ in Ballstädt und Solidaritäts-Konzerte für Ballstädt-Schläger

Identisches Symbol auf einigen Einladungen für Veranstaltungen im „Gelben Haus“ in Ballstädt und Solidaritäts-Konzerte für Ballstädt-Schläger

Nach dem wir veröffentlicht hatten, dass für das letzte Soli-Konzert im November bis zu 5.000 € direkt auf das Konto des im Ballstädt Prozess Angeklagten Andre Keller überwiesen wurden, dämmerte es Keller, dass dies nicht sein hellster Moment war, weil er später im Prozess auch seine finanziellen Verhältnisse offen legen muss. Auch wenn nun Steffen Mäder einspringt, soll das Geld weiterhin den Schlägern aus Ballstädt und der HGJ zugutekommen. Beim Verkauf von 200 Karten für 25€ kann die Hausgemeinschaft Jonastal erneut Einnahmen von 5.000€ verzeichnen, nicht mitgerechnet sind mögliche weitere Einnahmen durch den Verkauf von CDs, Textilien oder den Ausschank von Getränken. Bei den ersten Prozesstagen im Ballstädt-Verfahren am Landgericht Erfurt wurden die Angeklagten im Gerichtssaal von Unterstützern aus der Neonazi-Szene begleitet. Zu den regelmäßigen Besuchern gehörten dabei Mario Kelch, Marco Zint, Steffen Richter und Steffen Mäder. Für den 6. März 2016 bereitet Thomas Wagner eine weitere Veranstaltung im „Gelben Haus“ in Ballstädt vor. Zu einem „Skattunier“ haben er und die HGJ über 330 Personen eingeladen, bislang ist die Resonanz noch gering. Wagner verwendet in einer Werbegrafik für das Tunier das gleiche auf dem Kopf stehende Rechteck mit der Zahl 20, dass bereits im Flyer für das Ballstädt-Solikonzert am 14. November 2015 benutzt wurde. Das Symbol ist als Erkennungszeichen auch in dem Flyer eingebaut, der für das Konzert am 27. Februar 2016 wirbt.

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