Thüringer Landesverband der Partei „Die Rechte“ reaktiviert „Anti-Antifa-Ostthüringen“

Wir hatten kürzlich darauf hingewiesen, dass aus Kreisen der extrem rechten Partei „Die Rechte“ in Thüringen mögliche Anti-Antifa-Aktivitäten in Vorbereitung sind. Im Auftrag des Landesvorstandes der Partei wurde am 10. Januar eine entsprechende Facebook-Seite geschaltet.

Früher Aktivist der „Anti-Antifa-Ostthüringen“ ist Die Rechte-Landesgeschäftsführer

KrautheimAufkleber2

Thüringer Landesvorstand DIE RECHTE am 11. Juli 2015, 2.v.l. Jörg Krautheim, 3.v.l. Bert Müller, 5.v.l. Michel Fischer

Thüringer Landesvorstand DIE RECHTE am 11. Juli 2015, 2.v.l. Jörg Krautheim, 3.v.l. Bert Müller, 5.v.l. Michel Fischer

Am 19. Dezember 2015 hatte Bert Müller, Thüringer Landesvorsitzender der Partei, in einer Videobotschaft angekündigt: “Ja liebe Antifa (…) es wird demnächst eine neue Gemeinschaft auftreten, die wird sich ausschließlich, nur ausschließlich mit euch befassen”. Am 9. Januar 2016 fand ein Vernetzungstreffen der Partei in Thüringen statt, das zunächst als Landesparteitag beworben wurde, später aber nur noch der Kreisverbandsgründung von „Die Rechte Mittelthüringen“ diente. Auch die neuen Anti-Antifa-Aktivitäten waren Thema bei der Zusammenkunft und bereits am darauffolgenden Tag, dem 10. Januar 2016, wurde auf Facebook eine Seite unter dem Namen „Anti-Antifa Ostthüringen“ eingerichtet. Die Namenswahl ist kein Zufall. Unter demselben Namen existierte Mitte der 1990er Jahre schon einmal in Thüringen eine Gruppe, die später in den „Thüringer Heimatschutz“ umbenannt wurde. Ihr Anführer, der Rudolstädter Tino Brandt, war gut bezahlter Spitzel des Thüringer Verfassungsschutzes und auch der NSU ging aus dem Thüringer Heimatschutz hervor. Eine zentrale Figur der damaligen „Anti-Antifa Ostthüringen“ war Jörg Krautheim aus Gera. Er versuchte das Konzept vom „Kampf um national befreite Zonen“ umzusetzen und war an mehreren Überfällen beteiligt.

"Anti-Antifa Ostthüringen" seit 10. Januar 2016 bei Facebook

„Anti-Antifa Ostthüringen“ seit 10. Januar 2016 bei Facebook

Auf der von ihm betriebenen Internetseite der „Kameradschaft Gera“ wurden auch später zahlreiche nicht-rechte Menschen steckbriefartig mit Fotos und persönlichen Daten „geoutet“, darunter auch der damalige Geraer Stadtjugendpfarrer und mehrere Gewerkschaftsfunktionäre. „Unterstützt die Anti-Antifa“ hieß der Titel eines Aufrufes auf der längst inaktiven Seite http://www.kamgera.de, in dem um die Einsendung von Informationen über politische Gegner an die Adresse kameradschaftgera@freenet.de geworben wurde. Die Polizei ermittelte wegen einiger Veröffentlichungen gegen Jörg Krautheim, einige der Geouteten wurden in der Folgezeit bedroht oder selber Betroffene rechter Gewalt. Krautheim fiel schon 1998 mit Anti-Antifa-Aufklebern auf, mit denen der Thüringer Heimatschutz für eine Demonstration „gegen linken Terror“ im März 1998 in Saalfeld aufrief. Ein Motiv trug die Aufschrift „Antifatzke in die Zwangsjacke“, ein anderes „Antifa zerschlagen“. Alle Aufkleber waren mit „Thüringer Heimatschutz“ und „Anti-Antifa Thüringen“ unterschrieben, sie enthielten als Verantwortlichen im Sinne des Presserechts stets den Namen von Jörg Krautheim und eine Postfachadresse der Kameradschaft Gera. Krautheim kannte auch das spätere NSU-Trio und war gemeinsam mit Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bei Aktionen. Auf einem Foto bei einer Neonazi-Demo in Neuhaus am Rennweg im Jahr 1997 läuft Krautheim direkt hinter einem Transparent, das Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos halten, davor Andre Kapke, Beate Zschäpe und Tino Brandt. In der Nähe liegt Haselbach bei Sonneberg, dort wurde Krautheim 18 Jahre später am 11. Juli 2015 bei der Gründung des Thüringer Landesverbandes der Partei DIE RECHTE zum Landesgeschäftsführer gewählt, er ist inzwischen als Hobbyfotograf tätig.

Im Kreis: Jörg Krautheim 1997 in Neuhaus am Rennweg, links und rechts vor ihm am schwarz-weiß-roten Transparent Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, vor dem Transparent links mit Schlips Tino Brandt, daneben mit Schlips Andre Kapke, hinter Kapke: Beate Zschäpe

Im Kreis: Jörg Krautheim 1997 in Neuhaus am Rennweg, links und rechts vor ihm am schwarz-weiß-roten Transparent Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, vor dem Transparent links mit Schlips Tino Brandt, daneben mit Schlips Andre Kapke, hinter Kapke: Beate Zschäpe

Daten sammeln und Gewaltaufrufe: „Haut dem XXX doch endlich mal ein in die ….. !“

Plakatverbrennung durch Neonazis aus dem Umfeld von "Anti-Antifa Ostthüringen" am 20. November 2016

Plakatverbrennung durch Neonazis aus dem Umfeld von „Anti-Antifa Ostthüringen“ am 20. November 2015

Weitere Parallelen: In Teilen ähnliche Inhalte mit den inzwischen gelöschten Profilen Thüringer DIE RECHTE Seiten auf Facebook

Weitere Parallelen: In Teilen ähnliche Inhalte mit den inzwischen gelöschten Profilen Thüringer DIE RECHTE Seiten auf Facebook

Bislang enthält die Seite der „Anti-Antifa Ostthüringen“ noch wenige Einträge. Ein Neonazi aus Jena beschwerte sich nach fünf Tagen „Was macht denn die antiantifa ost Thüringen jetzt bitte? Bis jetzt kam relativ wenig über Personen und co.“, die Betreiber antworteten ihm: „Du wirst hier noch früh genug über Personen lesen. Erstmal heißt es Daten und Fakten sammeln. Wir sind keine Freunde von Halbwahrheiten. Es gehören aber auch andere Aktionen dazu und nicht nur das veröffentlichen! KAMPF AKTION WIDERSTAND!“. Was sich hinter „anderen Aktionen“ verbirgt wurde am nächsten Tag deutlich, als ein Facebook-Beitrag einer nicht-rechten Person mit den Worten „Haut dem XXX doch endlich mal ein in die ….. !“ abgebildet wurde. Einer der ersten Einträge enthält Fotos von einem gestohlenen Transparent, mit dem im November 2015 in Rudolstadt gegen einen Neonazi-Aufmarsch protestiert wurde. Unter der Parole „#‎WirSindWiederDa eure #‎AntiAntifa!!!“ sind 12 Personen im Dunkeln zu sehen, die das Transparent am 20. November 2016 anzünden. Im Profilbild der Seite ist auch die Rudolstädter Heidecksburg zu sehen. Als am 12. Januar ein Neonazi-Mob durch Leipzig Connewitz randalierte, erschien auf der Seite von „Anti-Antifa Ostthüringen“ eine Solidaritätsgrafik, die auch durch Thüringer „Die Rechte“-Stützpunkte verteilt wurde. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten! Solidarität mit den Aktivisten in Connewitz“ dazu ein Bild der durch die Polizei festgesetzten Gruppe. In den vergangenen Monaten machten bereits Steckbriefe von vermeintlichen Antifaschist_innen auf Facebookseiten Thüringer Neonazis die Runde, bei denen Kopfgelder in Höhe von 100€ für Informationen ausgelobt wurden.

Auftrag kommt aus dem Landesvorstand

Landegeschäftsführer Jörg Krautheim beim Holocaustrelativieren am 8. Januar 2016

Landegeschäftsführer Jörg Krautheim beim Holocaustrelativieren am 8. Januar 2016

Die Seite „Anti-Antifa Ostthüringen“ wird nach unseren Informationen im Auftrag des Thüringer Landesvorstandes der Partei „Die Rechte“ betrieben, in dem auch Bert Müller, Jörg Krautheim und Michel Fischer sitzen. Mitglieder mehrerer Thüringer Stützpunkte der Partei sollen die Seite unterstützen. Zuspruch erhält sie bisher vor allem durch Neonazis aus Kahla, Saalfeld, Rudolstadt, Gera und Jena, jenen Städten in denen die „Anti-Antifa Ostthüringen“ bereits in den 90er Jahren aktiv war. Auch die Anmelderin der Aufmärsche des Thügida-Ablegers „Wir lieben Gera“, Sarah Schumann, hinterließ mehrfach „Gefällt mir“ Klicks dort. Zur Gruppe „Wir lieben Gera“ gehört auch der bereits erwähnte Jörg Krautheim, der dort organisatorisch tätig ist. Im Vorfeld des AfD-Aufmarschs mit Björn Höcke und Alexander Gauland am 20. Januar 2016 in Jena wurde in einem geschlossenen Forum der „Wir lieben Gera“-Gruppe über die Anreise zum AfD-Aufmarsch gesprochen und dabei eine Busfahrt um 17:30 Uhr vom Hauptbahnhof Gera beworben, die eher auf mäßiges Interesse stieß. Die Fahrt wurde durch den Geraer AfD-Schatzmeister Dieter Falk organisiert, der auch als Ansprechpartner im Büro des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner wirkt. Mehrere Neonazis und rechte Hooligans aus Jena, Rudolstadt, Gera und dem Saale-Holzland-Kreis waren unter den Teilnehmern der AfD-Kundgebung auf dem Jenaer Markt. Gegen 21 Uhr verkündete Krautheim in der Gruppe, „ich war gerade drüben in Jena“, es sei „recht lustig“ gewesen. Derselbe Neonazi verbreitet erst wenige Tage zuvor in der „Wir lieben Gera“ Facebook-Gruppe einen Beitrag mit dem Titel: „Auschwitz – Warum die Gaskammern eine Lüge sind“ und rief dazu auf, sich zu organisieren, um den „Aufstand für die Wahrheit gemeinsam durchführen“. Zu diesen Aufstand gehört auch die Verbreitung von Schriften des verurteilten Holocaustleugners Horst Mahler auf Krautheims Privathomepage. Bislang ist die stümperhafte Facebook-Seite der „Anti-Antifa Ostthüringen“ mit 230 Likes nicht der Rede wert. Beachtlich ist jedoch, dass diese direkt durch den Landesvorstand einer extrem rechten Thüringer Partei in Auftrag gegeben wurde und der Landesvorsitzende genau solche Aktivitäten wenige Wochen zuvor auch noch öffentlich über Youtube ankündigte. Betroffene, die sich künftig gegen dortige Veröffentlichungen und Gewaltdrohungen zur Wehr setzen möchten empfehlen wir im Bedarfsfall eine Anzeige zu erstatten und dabei als Zeugen „Bert Müller, Bergstr. 6, 98744 Cursdorf“ anzugeben. Dieser hatte das Projekt öffentlich angekündigt und dürfte über weiteres Wissen verfügen.

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