„Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ – AfD-Abgeordneter Thomas Rudy verbreitet komplette Kartendaten der Neonazi-Partei „Der III. Weg“

Die Neonazi-Partei „Der III. Weg“ führt eine interaktive Karte mit tausenden Flüchtlingsunterkünften in Deutschland. Mehrere der aufgelisteten Unterkünfte wurden Ziel von Attacken, auch zwei mit Brandanschlägen attackierte Unterkünfte aus Thüringen sind in der Karte verzeichnet. Thomas Rudy verbreitet über Facebook nun den Rohdatensatz.

Thomas Rudy, Abgeordneter der AfD im Thüringer Landtag

Thomas Rudy, Abgeordneter der AfD im Thüringer Landtag

Während Björn Höcke von der AfD bei Günther Jauch in der ARD sein schwarz-rot-goldenes Schnuffeltuch ausbreitet und Galgen als „übertriebene Meinungsäußerung“ darstellt, gibt sich sein Fraktionskollege Thomas Rudy als Praktiker. Rudy, der schon einmal wegen eines Hakenkreuz-Fotos auf Facebook auffiel, hat am 16. Oktober 2015 durch die Teilen-Funktionen einen Beitrag auf Facebook verbreitet, der potentielle Ziele für rassistische Proteste und Gewalt liefert. Im Sommer hatte Google nach Protesten durch die Internetcommunity und langem Zögern eine Google Maps Karte gelöscht, auf der mehrere Tausend Unterkünfte von Flüchtlingen mit Positionsdaten und Belegungsanzahlen vermerkt waren. Bereits die verwendete Wortwahl war verräterisch, so wurde eine Unterkunft in Frankfurt Griesheim etwa mit den Worten „Das ehemalige XXX-Hotel XXX wurde zu einer Asylkaschemme umfunktioniert“ betitelt, über eine Unterkunft in Jena hieß es „In der XXX-Straße werden im alten Gebäude der XXXschule über 50 Asylanten einquartiert“ und eine Unterkunft im bayrischen Reichhartshofen wurde als „Asylantenheim“ mit Zusatz „Dieselstraße“ eingetragen. Später verübten bislang Unbekannte einen Brandanschlag auf das Gebäude in Bayern. Das Magazin Report Mainz berichtete, dass die Staatsanwaltschaft auch in Richtung der Partei „Der III. Weg“ ermittelte. Weitere Unterkünfte auf der Karte wurden inzwischen Ziel von Anschlägen.

Facebook-Seite von Thomas Rudy am 16. Oktober 2015 mit Link zum Kartendatensatz vom Juni/Juli

Facebook-Seite von Thomas Rudy am 16. Oktober 2015 mit Link zum Kartendatensatz vom Juni/Juli

Homepage der Partei "Der III.Weg" am 16. Oktober 2015 mit aktueller Karte

Homepage der Partei „Der III.Weg“ am 16. Oktober 2015 mit aktueller Karte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adresse des Servers mit der .kml-Rohdatei, die Rudy weiterverbreitet

Adresse des Servers mit der .kml-Rohdatei, die Rudy weiterverbreitet

Quellcode der Kartendaten mit Unterkünften aus Thüringen

Quellcode der Kartendaten mit Unterkünften aus Thüringen

Der von Thomas Rudy verbreitete Beitrag ist ein Aufruf, dem Aufruf zur Abschlussdemonstration der AfD-Herbstoffensive am 7. November 2015 in Berlin zu folgen. Millionen sollten auf die Straße gehen, um die Grenzen zu schließen und eine Flüchtlingsaufnahme zu stoppen, so der Text. In einem dazugehörigen Bild ist die grüne Karte der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ im Kleinformat abgebildet, wie sie in der Kampagne „Nein zum Asylantenheim“ verwendet wird. Rote Punkte stellen die Positionen der Flüchtlingsheime da. In der Erklärung daneben heißt es: „DE hat nicht die Röteln, das sind Asylantenheime!“. Die Thüringer AfD versucht seit einiger Zeit genauso wie auch Neonazi-Gruppen eine Gefahr herbeizureden, wonach Flüchtlinge für die Ausbreitung von gefährlichen Krankheiten in Thüringen verantwortlich seien. Der Fraktionsvorsitzende Björn Höcke äußerte bereits im August 2015 in einem Landtagsplenum „Sagen Sie unseren Kindern, dass die Krätze sich ausbreitet in Thüringen!“. Was man mit dieser Krankheit, also den „Asylantenheimen“ in Deutschland anstellen soll, erklärt Rudy zwar nicht explizit. In dem geteilten Beitrag ist jedoch ein Link zu dem kompletten Rohdatensatz der Flüchtlingsunterkünfte gespeichert, wie er von Google zuvor gelöscht wurde. Die 900 Kilobyte große Google-Maps Datei ist bei einem österreichischen Hoster mit der Schweizer Domain „square7.ch“ abgelegt und umfasst 2.651 Unterkünfte für Flüchtlinge aus Deutschland. Die Rohdatei dient als Backup, mit ihr können trotz Löschungen immer wieder neue Karten ohne Datenverlust erstellt werden. Nach mehreren Löschversuchen durch Google hat die Partei „Der III. Weg“ aus dem Backup eine neue Karte erstellt und bearbeitet diese ungestört weiter: über eine auf der Parteiseite verbreitete Emailadresse aus Russland werden jederzeit neue Adressen und Angaben zu Belegungszahlen an die Macher geschickt und eingepflegt. Bei dem durch Thomas Rudy verbreiteten Link zum Rohdatensatz dürfte es sich um eine Version vom Juni oder Juli 2015 handeln.

Rockensußra: Eintragung in der Karte des "III. Weg": Juli 2015, am 7. September 2015 ereignete sich dort ein Brandanschlag

Rockensußra (Thüringen): Eintragung in der Karte des „III. Weg“: Juli 2015, am 7. September 2015 ereignete sich dort ein Brandanschlag

Friemar: Eintragung in der Karte des "III. Weg": September 2015, am 4. Oktober 2015 ereignete sich dort ein Brandanschlag

Friemar (Thüringen): Eintragung in der Karte des „III. Weg“: September 2015, am 4. Oktober 2015 ereignete sich dort ein Brandanschlag

 

 

 

 

 

 

 

 

"Thomas Rudy gefällt das" - Auto mit Hakenkreuz-Fahne und "Führer"-Aufschrift, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt

„Thomas Rudy und 5 anderen Leuten gefällt das“ – Auto mit Hakenkreuz-Fahne und „Führer“-Aufschrift, das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt

Die Karte enthält auch Unterkünfte in Thüringen, jedoch noch nicht die Gebäude in Rockensußra und Friemar. Diese wurden einige Wochen später eingetragen. Wie wir vor kurzem berichtet hatten, fanden nach den Eintragungen in die Karte von „Der III. Weg“ in Rockensußra und Friemar auch Brandanschläge auf die Gebäude statt. Die Partei „Der III. Weg“ feiert regelmäßig Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Nach einem Anschlag im November 2014 in Erlangen hieß es, „das ist die gute Nachricht“, ein Bürogebäude in Erlangen sei nun „als neue Asyl-Behausung künftig offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen“. Am 13. Dezember 2014 titelte sie „Mittelfranken: Drei Asyl-Kaschemmen durch Großbrand verhindert“ und der das „Feuerspektakel“ in Vorra sei ein „Weihnachtsgeschenk“. Eine „drohende Asyl-Überflutung“, wäre „durch ein nächtliches Großfeuer nun erfolgreich gestoppt worden“. Mitglieder der Partei demonstrierten zuletzt am 10. Oktober 2015 und am 17. Oktober 2015 bei der „Wir lieben Gera“ Demonstration in Ostthüringen mit eigenem Transparent und trugen grüne Schilder mit der Aufschrift „Asylflut stoppen!“. Weil mehrere Medien kritisch über den Höcke-Auftritt bei Jauch am Sonntag berichteten, beschimpfte Rudy diese am 19. Oktober wahlweise als „Hetzblatt“ und als „fremdgesteuerte Schmierfinken“.

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