Schulterschluss der Neonazis in Guthmannshausen – Sommerfest der „Freundeskreise Udo Voigt“

Wegen der zahlreichen Immobilien in der Hand von Neonazis finden immer wieder bundesweite Treffen der extrem rechten Szene in Thüringen statt. So auch am 18.07.2015 auf dem Gelände des Vereins „Gedächtnisstätte“ in Guthmannshausen im Landkreis Sömmerda, wohin die „Freundeskreise Udo Voigt“ und die „Europäische Aktion“ zum „großen Sommerfest“ einluden. Wir präsentieren eine Auswahl der Teilnehmer_innen.

Gemeinsame Feier mit der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck
gutmannshausen-0001„Die Organisationsleitung der Freundeskreise Udo Voigt Dankt allen Mitarbeitern des Sommerfestes für Ihre hervorragende Leistung“, hieß es zwei Tage später im Internet aus dem Kreis um den 1950 in Thüringen geborenen Frank Rohleder, der die Veranstaltung organisiert hatte. Den Dank schickte Rohleders Freundin Gabriele Wenk, die schon im Frühsommer für das Ereignis geworben, den Ort aber noch geheim gehalten hatte. Als Hauptredner traten neben dem ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt auch der bekennende Holocaustleugner Rigolf Hennig und der Gründer des „Thule-Seminar“, Pierre Krebs, auf. Als Moderator fungierte Ulrich „Uli“ Pätzold von den „Freundeskreisen Udo Voigt“, der NPD-Barde und ehemalige „Jugendführer“ der 1994 verbotenen „Wiking- Jugend“ (WJ), Frank Rennicke, sorgte für die „Musik“. Vom Bundesvorstand der NPD reiste der Parteivorsitzende Frank Franz, nach Guthmannshausen und ließ sich dabei auch nicht von Anwesenheit der mehrfach verurteilten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck stören, die auch ans Rednerpult trat.

Europäische Aktion und NPD beim Sommerfest

„Europäische Aktion“ und NPD beim Sommerfest

Aus dem Thüringer NPD-Landesvorstand reisten der Vorsitzende Tobias Kammler, Hendrik Heller, Patrick Weber und der Ehrenvorsitzende Frank Schwerdt nach Guthmannshausen. Auch der NPD-„Landesorganisationsleiter“ David Köckert gastierte dort und hielt eine Rede. Vom NPD Kreisverband Erfurt Sömmerda waren Enrico Biczysko und Franz Kotzott anwesend. Auch der ehemalige NS-Jagdflieger und Hitlerverehrer Reinhold Leidenfrost, der zur Kommunalwahl 2014 für den NPD-Kreisverband Weimar-Weimarer Land antrat, befand sich unter den Gästen.

Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck am 18. Juli 2015 in Guthmannshausen

Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck am 18. Juli 2015 in Guthmannshausen

Vom neu gegründeten Landesverband „Die Rechte“ in Thüringen waren Michel Fischer, Jörg Krautheim und Bert Müller anwesend. Auch einzelne ehemalige Mitglieder des Thüringer AfD-Landesverbandes nahmen teil, darunter Heiko Bernardy, der bis Jahresanfang noch Mitarbeiter der Abgeordneten Corinna Herold und zugleich Südthüringer Kreisvorsitzender war, ehe ihm nach einem Auftritt bei Sügida die Kündigung ereilte. Weitere Teilnehmerinnen aus Thüringen waren Monique Möller von der NPD im Unstrut-Hainich-Kreis und Mandy Meinhardt aus der Gemeinde Saalfelder Höhe, die für die NPD im vergangenen Jahr für den Kreistag Saalfeld Rudolstadt kandidiert hatte. Aus Erfurt reiste Henry Gniechwitz nach Guthmannshausen, um sich dort mit Frank Rennicke ablichten zu lassen. Aus Gera waren Sara Schumann und andere Neonazis der Tarn-Initiative „Wir lieben Greiz“ angereist sowie Neonazis um die Tarn-Initiative „Wir lieben den Saale Holzland Kreis“ wie Robert Köcher, der ebenso im Umfeld des „Freien Netz Kahla” und der „Europäischen Aktion“ aktiv ist. Nicht fehlen durfte auch der ehemalige Erfurter Martin Gärtlein, der seinen Wohnsitz in die Hauptstraße 2 nach Guthmannshausen verlagert hat und beim „Sommerfest mit der Fahne der „Europäischen Aktion“ posierte. Neben Ursula Haverbeck wurde der Verein „Gedächtnisstätte“ auch von seinem Vorsitzenden Wolfram Schiedewitz vertreten, der zum gleichen Netzwerk von Holocaustleugnern zählt und an diesem Tag gemeinsam mit Udo Voigt einen Blumenkranz vor einer Gedenksäule der Gedächtnisstätte niederlegte.

Propaganda auch für die Kleinsten: Schwarz-weiß-rote Luftballons in den Farben des "Deutschen Reiches"

Propaganda auch für die Kleinsten: schwarz-weiß-rote Luftballons in den Farben des „Deutschen Reiches“

Aus Sachsen Anhalt kamen Voigts Sekretärin Bettina Bieder, Peter Walde vom NPD-Landesverband und Rolf Dietrich, der für die NPD 2011 und 2013 kandidiert hatte. Aus Hessen nahm Sandra Müller und aus Dresden Maik Müller an dem Treffen teil, aus Brandenburg beteiligte sich Florian Stein vom „Team Udo Voigt in Brüssel und aus Rheinland-Pfalz Ursula Müller, die ehemalige Vorsitzende der 2011 verbotenen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) sowie Ricarda Riefling und Markus Walter aus Pirmasens. Aus Baden-Württemberg reiste der NPD’ler Karl-Heinz Pfirrmann und aus Berlin Uwe Meenen an.

Die große „Sommer-Harmonie“ – nicht alle machen mit

Sommerfest Guthmannshausen

Sommerfest Guthmannshausen

Mit dem „Sommerfest“ in Guthmannshausen war Thüringen erneut Schauplatz eines bundesweit relevanten Vernetzungstreffens der extremen Rechten. Dabei lässt auch die NPD ihre Maske der angeblichen „Seriosität“ fallen und verbündet sich mit offen auftretenden Antisemiten, Volksverhetzern und Holocaustleugnern. Während sich in Thüringen im ersten Halbjahr 2015 17 mal mehr rassistische Straftaten ereignet haben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, üben die Neonazis in Guthmannshausen unter den Bannern der „Freundeskreise Udo Voigt“ und der „Europäischen Aktion“ Spektren übergreifend ihren Schulterschluss. Die Veranstaltung war geprägt von einem geschichtsrevisionistischen Gedenken „an die deutschen Opfer im 2. Weltkrieg“. Mit ihr sollte auch Einigkeit statt Spaltung zelebriert werden, doch bei der Heuchelei von „Harmonie“ im „Nationalen Widerstand“ wollten offenbar nicht alle mitmachen, wie Reaktionen am selben Abend im Internet belegen. Der ehemalige Parteichef Udo Voigt hatte dem Greizer Neonazi David Köckert eine Ehrenurkunde überreicht auf der es hieß: „verliehen vom Europaabgeordneten Udo Voigt unserem Kameraden David Köckert für die Bemühungen zur Richtigstellung der Deutschen Geschichte unter Einsatz der persönlichen Freiheit“. Ein Seitenende der Urkunde war in den Farben schwarz-weiß-rot gerahmt, im Hintergrund befand sich eine Karte von Deutschland in den Grenzen des „Deutschen Reiches“. Einigen Neonazis ging dies zu weit, wohl weil das bürgerliche Image Schaden nehmen könnte, auch weil sie die Urkunde ernsthaft peinlich befanden oder einfach nur neidisch waren. Eine Sympathisantin fragte Köckert, ob er glaube „dass die Außenwirkung solcher Dokumente für unsere politische Außenarbeit dienlich ist“, ein anderer spottet „Dinge, die die Welt nicht braucht… Udo Voigt ist wohl Hauptmann der Heilsarmee???“. Auch der Geraer Neonazi Stefan Wagner, der für eine Vielzahl an gewalttätigen Übergriffen bekannt ist und wegen einer brutalen Hetzjagd gegen zwei Afrikaner zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde ist nicht begeistert: „Find es ehrlich gesagt auch etwas lächerlich. Verliehen vom Europaabgeordneten. Sorry… langsam wirds echt kindisch“. Schließlich mischte sich auch der wegen Körperverletzung verurteilte Ringo Köhler von der „Europäschen Aktion Thüringen“ ein, beschimpfte Kritiker als behindert und fettleibig, wahlweise auch „Ihr seid schöne Deppen!!!“, ehe er Gewaltphantasien zum besten gab. David Köckert hätte sich die Urkunde schließlich verdient, da er „sich nicht stetig distanziert“. Der Schläger Wagner, der in den letzten Jahren auch beim Aufbau des „Rock für Deutschland“ in Gera beteiligt war schimpfte daraufhin über Köhler, dass dieser einem „Fanboy“ gleichkäme und wetterte gegen dessen große Ohrtunnel, die ihm offenbar nicht deutsch genug seien, sondern eher „an afrikanische Bräuche“ erinnern.

Wird die Partei „Die Rechte“ zum „Boomerang“?

Bert Müller (blaues Hemd), Landesvorsitzender "Die Rechte Thüringen" in Guthmannshausen

Bert Müller (blaues Hemd), Landesvorsitzender „Die Rechte Thüringen“ in Guthmannshausen

In wiefern Udo Voigts Parole „Einigkeit macht stark“ in Thüringen wirklich Gehör findet, wird sich noch zeigen müssen. Die „Europäische Aktion“ versagte am 27. Juni mit ihrer ersten eigenständigen Demonstration in Jena, zu der gerade mal 100 Neonazis kamen. Großspurige Ankündigungen über einen „Weißen Block“, der den Blockaden trotzen und die angemeldete Route auf jeden Fall laufen werde, verpufften. Obwohl die EA wegen ihrer technischen Ressourcen für die Thüringer Neonazis im 1. Halbjahr 2015 ein wichtiger Partner war, dürften die selbstgesteckten „Spezialauflagen“, die in Jena eher einer Selbstgeißelung gleichkamen, besonders die aktionsorientierten „Freien Kräfte“ nur wenig überzeugt haben. Auch der neue Thüringer Landesverband von „Die Rechte“ könnte für die NPD noch zum Boomerang werden.

Inszenierte Einigkeit in Guthmannshausen: Anmelder der Aufmärsche am 1. Mai 2016 in Erfurt (links Enrico Biczysko von der NPD, rechts Michel Fischer von "Die Rechte")

Inszenierte Einigkeit in Guthmannshausen: Anmelder der Aufmärsche am 1. Mai 2016 in Erfurt: links Enrico Biczysko von der NPD, rechts Michel Fischer von „Die Rechte“

Während in Gutmannshausen in Anwesenheit von Udo Voigt und NPD-Parteichef Frank Franz noch harmonische Verhältnisse mit der Konkurrenzpartei inszeniert wurden, dürften insbesondere der NPD-Landesverband Sachsen-Anhalt wegen des ungeklärten Verhältnisses zu „Die Rechte“ nicht gerade glücklich sein. Dort will der Verbandsvorsitzende Peter Walde als Spitzenkandidat am 13. März 2016 mit der NPD in den Magdeburger Landtag einziehen. 2011 verfehlte die NPD mit 4,6% die 5-Prozenthürde in Sachsen-Anhalt. Inzwischen ist nicht nur bekannt, dass die „Die Rechte“ als zweite Neonazi-Partei zur Landtagswahl antreten will, sondern auch tatkräftige Unterstützung durch den neugegründeten Thüringer „Die Rechte“-Ableger erhalten soll. Walde warb in Gutmannshausen für Unterstützung der NPD zur Landtagswahl, um damit „ein starkes Zeichen zu setzen“. Sein eindringlicher Appel an die Teilnehmer des Sommerfestes: „Lassen wir diese Chance nicht erneut verstreichen!“. Die Aufforderung dürfte wohl weitgehend ungehört bleiben und die beiden Neonazi-Parteien werden sich aller Voraussicht nach im Wahlkampf auch gegenseitig ihrer Stimmen berauben.

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