Enrico Biczysko – Vom Vertriebenen zum Überläufer

Die NPD verliert zunehmend an Attraktivität für die thüringer Neonazis-Szene. Nun wurde bekannt, dass mit Enrico Biczysko auch eine der NPD-Führungsfiguren zur Konkurrenzpartei „Die Rechte“ wechseln will.

Enrico Biczysko im Februar 2014 beim Neonanzi-Trauermarsch in Weimar (Foto geklaut vom Störungsmelder)

Enrico Biczysko im Februar 2014 beim Neonanzi-Trauermarsch in Weimar (Foto geklaut vom Störungsmelder)

Nachrichtenaustausch zwischen Enrico Biczysko und Alexander Kurth

Nachrichtenaustausch zwischen Enrico Biczysko und Alexander Kurth

Es ist kaum zwei Monate her, als der NPD-Kreisverband Erfurt-Sömmerda den mehrfach vorbestraften Neonazi-Hooligan Enrico Biczysko zum Kreisvorsitzenden wählte. Wir berichteten in anderem Zusammenhang darüber. Nun wurde bekannt, dass Biczysko schon seit längerem um sein Überlaufen zur extrem rechten NPD-Konkurrenz „Die Rechte“ verhandelt. Die geleakten Handy-Daten des sächsischen „Die Rechte“- Funktionärs Alexander Kurth förderten auch eine SMS zu Tage, die Biczyskos Ansinnen, von der NPD zur Konkurrenz überzulaufen deutlich dokumentiert. Die Initiative zum Übertritt geht dabei eindeutig vom Erfurter Neonazi-Hooligan aus, der bei Kurth nach einem Übertritt fragt. Das Kurth seine Verbindungen nach Thüringen schon länger nutzt, zeigten auch seine mehrfachen Redner-Auftritte 2014. Dabei sprach Kurth unter anderem bei einer JN-Demo in Erfurt. Schon zum damaligen Zeitpunkt griff Kurth, der selbst früher NPD-Funktionär war, auch den damals noch amtierenden Vorsitzenden Patrick David Wieschke scharf an und kritisierte die Auswahl des Spitzenkandidaten zur Landtagswahl nachdem die Ermittlungsakten zu Wieschkes diversen Gewalttaten – auch in der eigenen Familie – bekannt wurden. Auch der 1. Mai zeigte deutlich, dass das Radikalisierungskonzept des neuen NPD-Landesorganisationsleiters David Köckert nicht aufgeht. Die zahllosen eigenen Auflagen der NPD-Demonstration standen dabei im krassen Widerspruch zu Köckerts Revolutionsgeschwafel („aus wenigen werden viele, aus vielen eine Bewegung und aus einer Bewegung eine revolution“).

Alexander Kurth aus Leipzig

Alexander Kurth aus Leipzig

Trotz der Sprüche des Möchtegern-Revolutionärs Köckert waren nahezu alle gängigen Demo-Slogans der Neonazi-Szene in Erfurt verboten. Und so wurde aus wenigen Menschen nichts anderes als noch weniger Menschen. Mit nur rund 150 Teilnehmern auf der lang angekündigten 1.-Mai-Demo zeigte die NPD ihre Mobilisierungsschwäche in Thüringen. Selbst die üblich anzutreffende Klientel und sogar eigene Stadtratsabgeordnete zog es zur Konkurrenz nach Saalfeld. Der „III. Weg“ konnte damit seine Stärke auch in Thüringen zeigen und wohl eben auch, dass die NPD weiter auf dem absteigenden Ast ist. Aber immerhin: Der Planungs-Überläufer Enrico Biczysko nahm an der Demonstration der NPD-„Kameraden“ teil.“

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