Extrem rechtes „Lesertreffen“ im „Bio Seehotel“ in Zeulenroda

Dass Thüringen für die extreme Rechte ein beliebtes Bundesland für Treffen und Tagungen ist, liegt nicht zuletzt an den vielen Immobilien, über die sie problemlos verfügen kann. Dazu gehört neuerdings auch das „Bio-Seehotel“ im ostthüringischen Zeulenroda, das am ersten Märzwochenende das „Lesertreffen der extrem rechten Zeitschrift „Zuerst“ beheimatet.


Zuerst! -ZeitschriftUntertreibungen sind nicht die Sache des extrem rechten Verlegers Dietmar Munier und des „Zuerst!“-Chefredakteurs Manuel Ochsenreiter. Das bislang konspirativ angekündigte Lesertreffen soll in einem „erstklassigen“ Tagungshotel stattfinden, geboten werde ein „Programm der Superlative“. Tatsächlich bietet das „Bio-Seehotel“ mit seinen knapp 160 Zimmern eine eigene Etage mit insgesamt neun Tagungsräumen. Geschäftsführer ist der ehemalige CDU-Stadtrat Hans Bruno Bauerfeind, Honorarprofessor der FH Münster, Unternehmer und seit 2009 Ehrenbürger von Zeulenroda-Triebes. In seinem Haus am Zeulenrodaer Meer also werden am Wochenende Redner aus dem extrem rechten Spektrum eine unerträgliche Mischung aus Revanchismus, Geschichtsrevisionismus und Rechtspopulismus verbreiten. Laut Ankündigung gehören dazu Menno Aden, Jan von Flocken, Oberst a.D. Klaus Ulrich Hammel, Akif Pirincci und Walter Post aus der BRD. Als Gäste aus dem Ausland werden Alexander Dugin (Russland), James Bacque (Kanada) und Barbara Rosenkranz (Österreich) angekündigt.

Dietmar Munier, Chefredakteur

Dietmar Munier, Chefredakteur

Über die Referenten schreibt Anton Maegerle beim Fachdienst „Blick nach Rechts“:

Menno Aden(Jg. 1942): seit 2008 Vorsitzender der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ (SWG) und zeitweilig Vorstandsmitglied des Vereins „Deutsche Sprache“, referiert zum Thema „Feindliche Verwandtschaft: Deutsche Fürsten auf fremden Thronen“.

Jan von Flocken (Jg. 1954): „Zuerst!“-Autor und einstiger „Focus“-Redakteur trägt vor: „Der eiserne Kanzler: Zum 200. Geburtstag von Otto von Bismarck“.

Oberst a.D. Klaus Ulrich Hammel (Jg. 1939): SWG-Referent, Gelegenheitsautor der „National-Zeitung“ und der „Jungen Freiheit“ und ehmaliger Aktivist des rechten „Bund Freier Bürger“ berichtet über das „Schicksalsjahr 1945: Der Untergang Ostpreußens“.
Akif Pirincci (Jg. 1959): Verfasser des Hetzbuches „Deutschland von Sinnen – der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“, lamentiert über sein Standardthema: „Wenn Minderheiten die Mehrheit dominieren: Von Homoehe bis Multikulti“.

Walter Post (Jg. 1954): einst Referent bei der Waffen-SS-treuen „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS e. V.“ (HIAG) und in extrem rechten Kreisen als Geschichtsrevisionist bekannt, spricht über den „ersten unnötigen Krieg: Die Ursachen des Ersten Weltkrieges“.

Alexander Dugin (Jg. 1962): in der Einladung als „Vordenker der pro-russischen Separatisten“ angekündigt ist neurechter Chefideologe der „Eurasischen Bewegung“ und lehnt universelle Werte als „Projektion westlicher Werte“ ab. Der beliebte „Zuerst!“-Interviewpartner redet zu seinem Thema „Russland und der Ukraine-Konflikt: Den Zwängen der Geopolitik kann sich niemand entziehen.“

James Bacque (Jg. 1929): widmet sich der Geschichtsklitterung beim Thema „Vor 70 Jahren: Der Massenmord in den Rheinwiesenlagern“. 2010 lobte „Zuerst!“ den geschichtsrevisionistischen Autor Bacque, da er „das Unrecht der Westalliierten an den Deutschen weltweit bekannt machte“.

Barbara Rosenkranz (Jg. 1958): das Motto des Vortrags der FPÖ-Politikerin, die sich explizit gegen Gender Mainstreaming wendet, lautet: „Europa fördern, EU zähmen, Euro stoppen!“

Veranstaltungsort "Bio-Seehotel Zeulenroda" (Screenshot von der Hotelseite))

Veranstaltungsort „Bio-Seehotel Zeulenroda“ (Screenshot von der Hotelseite))

Unter den angekündigten Gästen: Barbara Rosenkranz (Österreich)

Unter den angekündigten Gästen: Barbara Rosenkranz (Österreich)

Lange Jahre hatte das „Ledertreffen“ mit etwa 250 extrem Rechten in Franken stattgefunden, bis sich die Tore des dort genutzten Hotels für die Veranstaltung schlossen. Daraufhin zogen Munier und sein als Jahrestagung des „Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e. V.“ getarntes „Lesertreffen“ ins sächsische Oberwiesenthal um. Der dortige Hotelier sah sich getäuscht und erließ eine Hausordnung für das Treffen. Daraufhin fiel das Lesertreffen 2014 das erste Mal aus, hat nun aber offenbar in Ostthüringen einen neuen Veranstaltungsort gefunden. Offiziell wird das Treffen von dem 1992 gegründeten „Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen e.V.“. Der Verein gehört zu dem Geflecht der von Dietmar Munier initiierten Vereine unter Beteiligung der extremen Rechten. Das Netzwerk verfolgt das revanchistische Ziel durch die Wiederansiedlung von Russlanddeutschen im ehemaligen Nordostpreußen den Weg für die Rückgabe des Gebietes an die BRD zu ebnen. Entsprechende Erkenntnisse hatte die Bundesregierung bereits 1996 bestätigt. Der 1954 geborene Munier ist Geschäftsführer und Mitinhaber der Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH. Zu dem Geflecht gehört unter anderem der Arndt-Verlag, einer der bekanntesten Verlage des extrem rechten Spektrums. 2009 kaufte der Verleger die extrem rechte Monatszeitschrift „Nation Europa“ auf und nutzte im gleichen Jahr den Abonnentenstamm für den Start seines des neuen Monatsblattes „Zuerst!“ mit rechten Erklärungsmustern. Wiederkehrende Themen sind die Stimmungsmache gegen Migranten, Positionen der rechtspopulistischen FPÖ sowie klassische Themen der extremen Rechten wie die „Südtirolfrage“ oder „Vertreibung“.

Deutsches Siedlungsprojekt in Trakehnen

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