Unscheinbar umtriebig – Tobias Winter alias „Bienenmann“ unterwegs im europaweiten Blood & Honour-Netzwerk

Es gibt die Lauten und die Leisen im Neonazi-Musikbusiness. Die Lauten, jene die mit ihrem Verbindungen protzen, offen auf Flyern des Neonazinetzwerkes Blood & Honour auftauchen oder durch Gewaltaktionen in Erscheinung treten, landen früher oder meist später auf dem Radar der Verfolgungsbehörden. Die Leisen, wie Tobias Winter, halten sich im Hintergrund, treten häufig ohne große Ankündigung auf, pflegen Kontakte und geraten so nur selten in den Fokus.

Tobias Winter beim proben im Blood & Honour T-Shirt

Tobias Winter beim proben im Blood & Honour T-Shirt

Tobias Winter zählt zum Umfeld der „Freien Kräfte“, zum so genannten „Freien Netz“ (FN) aus der Region Jena und Kahla. Erste Auftritte absolvierte der junge Liedermacher mit Akkordeon unter anderem auf dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ 2009 in Arnstadt. Gemeinsam mit Maximilian „Max“ Lemke trat er dann 2011 auch überregional bei Neonazimusikveranstaltungen wie dem „Tag der Identität“ in Geithain auf. Innerhalb von Thüringen begleitet er seitdem unterschiedliche Neonaziveranstaltungen. So sorgt er regelmäßig für die musikalische Begleitung der jährlich stattfindenden „Heldengedenken“ in Friedrichroda oder bietet sich wie 2014 beim „Rock für Deutschland“ in Gera als Ersatz für eine ausgefallene Band an.

Spätestens Ende 2013 schaffte er jedoch den Aufstieg in die obere Liega der Neonazi-Musikszene. Gemeinsam mit dem Liedermacher Mirko Szydlowski alias „Barny“ trat er im November bei der Blood & Honour Division Niederlande auf. Am 07.02.2014 folgte ein weiterer Auftritt im Blood & Honour Netzwerk. Am Eröffnungsabend des sogenannten „Tag der Ehre“ trat er in Ungarn auf. Bei der geschichtsrevisionistischen Kundgebung am darauffolgenden Tag ist er dann auch hinter dem Transparent der Niederländischen Blood & Honour Division zu sehen. Ende 2014 konnte er dann stolz seinen Auftritt beim zentralen „Ian Stuart Memorial“ vom 19. bis 20. September in England verkünden. Und auch 2015 trat er bereits auf zwei Blood & Honour-Veranstaltungen auf. Wie auch Blick nach Rechts berichtete spielte er am 24. Januar in Schweden und trat am 08.02.2015 erneut beim „Tag der Ehre“ in Ungarn auf.

„Trotz Verbot nicht tot“ also, wie es Blood & Honour Deutschland von sich selbst behauptet. Thüringen nahm immer schon eine wichtige Stellung in dem seit dem Jahr 2000 verbotenen deutschen Ableger des Netzwerkes ein, welches auch Jahre nach dem Verbot weitere Aktivitäten entfaltete. In wenigen Wochen wird auch der ehemalige Sektionsleiter von B&H Thüringen (V-Mann Degner) vor dem Münchner Oberlandesgericht als Zeuge im NSU-Verfahren aussagen müssen. Wichtigen Support bei dem Aufstieg des 1986 geborenen Tobias „Bienenmann“ Winter dürften auch die gut vernetzten Liedermacherkameraden Maximilian „Max“ Lemke und Mirko „Barny“ Szydlowski geleistet haben.

Winter bei Musikveranstaltung von Blood & Honour in Ungarn, "Day of Honour" 7.2.2015

Winter bei Musikveranstaltung von Blood & Honour in Ungarn, „Day of Honour“ 7.2.2015

Speziell der ehemalige Jenaer Szydlowski, tritt seit längerem international auf und bewegt sich in Kreisen von Blood & Honour und Hammerskins. Er ist es auch, der offensichtlich enge Verbindungen nach Schweden besitzt, wo vorgeblich die sogenannte „Gefangenenhilfe“ ihren Sitz hat.

Winter bei der B&H Veranstaltung im Jahr zuvor, Ungarn, "Day of Honour" 8.2.2014

Winter bei der B&H Veranstaltung im Jahr zuvor, Ungarn, „Day of Honour“ 8.2.2014

Auffällig ist bei dieser allerdings der starke Thüringenbezug. Mehrere Musikveranstaltungen, u.a. Liederabende in der Kammwegklause in Erfurt, in Saalfeld und in Kahla fanden bereits zur Unterstützung statt. Darunter auch am 01.03.2014 ein von Thüringer Neonazis organisierter „Balladenabend zu Ehren von Ralf Wohlleben“, bei dem neben anderen auch Barny, Bienenmann und Max gemeinsam auftraten. Bei der Veranstaltung wurden Transparente gehisst, welche die Aufschriften „FN Saalfeld“ und „Gefangenenhilfe“ trugen. „Es wurde fleißig Geld für den Inhaftierten und seine Familie gesammelt“ hieß es im Nachhinein. Bevor Ralf Wohlleben im November 2011 als mutmaßlicher NSU-Terrorhelfer verhaftet wurde hatte Winter bereits länger Kontakt zu ihm, nahm an mehreren Versammlungen und internen Treffen mit Wohlleben teil, welche unter anderem auf dem Gelände des „Braunen Hauses“ in Jena stattfanden. Das Gelände war auch längere Zeit Treffpunkt des „Freien Netzes“, deren Ableger aus Jena, Kahla und Saalfeld eng miteinander verknüpft waren. Mit einem Vertreter des „FN Saalfeld“ fiel Winter im Mai 2011 am Rande einer Körperverletzung auf, als sein Begleiter einen vermeintlich linken Jugendlichen attackierte.

Winter beim "Day of Honour" in Ungarn 08.02.2014

Winter beim „Day of Honour“ in Ungarn 08.02.2014

Winter auf Youtube singend vor Hakenkreuz-Fahne (27.10.2014)

Winter wirbt auf Youtube für eine ukrainische Neonazi-Miliz vor einer Hakenkreuz-Fahne (27.10.2014, zu Dokumentationszwecken: Video) – Darunter Kommentare „Juden raus!“

Winter beim JN Europakongress mit Mütze der "Burschenschaft Normannia Jena", 22.04.2014

Winter beim JN Europakongress mit Mütze der „Burschenschaft Normannia Jena“, 22.04.2014

Ganz getreu der Vorstellung des Blood & Honour Begründers Ian Stuart Donaldsen also setzt Tobias Winter seine Auftritte für den ideologischen Kampf ein. Mit „Heilsgrüßen aus Deutschland“ meldet sich der gelernte Maschinen-Anlagenführer Ende Oktober 2014 auf Youtube zu Wort. Unter einer Hakenkreuzfahne, ein Lied der Band Landser trällernd, bekundet er dort seine Solidarität mit dem extrem rechten paramilitärischen Verband „Bataillon Azov“ in der Ukraine. Unter dem Video finden sich Lobeshymnen anderer Nutzer wie „Thank you from the Ukraine! 14/88“ und „Heil Hitler! JUDEN RAUS!“. Das dürfte auch den Antisemiten Winter erfreut haben, denn im September 2013 besuchte er bereits die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwaldes um dort grinsend Fotos aufzunehmen, wie er vor Verbrennungsöfen und der „Jedem das Seine“-Inschrift des Tores posierte. Die Bilder veröffentlichte er zur Verhöhnung anschließend selbst im Internet.

Winter beim Blood & Honour "ISD Memorial" in England 19.9.2014

Winter beim Blood & Honour „ISD Memorial“ in England 19.9.2014

Winter gehört zur Neonaziburschenschaft Normannia zu Jena, mit deren Farben er beim „Europakongress“ der JN am 22.04.2014 in Kirchheim auftrat und mit denen er am 23.12.2014 bei einer „PEGIDA“-Demonstartion in Dresden teilnahm. Mittlerweile verwendet auch die Deutsche Bundesregierung in offiziellen Parlamentsdrucksachen den vollständigen Namen von Tobias Winter, wenn es um neonazistische Veranstaltungen geht, bei denen er mit musikalischen Auftritten bekannt wurde. Er wohnt in Kahla, wo auch die Burschenschaft Normannia in den letzten Jahren umtriebig war. Im Internet postet er allerhand neonazistisches Propagandamaterial, welches in Deutschland eindeutig unter den Paragrafen 86(a) des Strafgesetzbuches fällt. Winter wähnt sich bislang noch in Sicherheit, weil er diese Einträge zwar von Deutschland aus verfasst und ins Internet läd, jedoch mehrheitlich bei ausländischen Seitenbetreibern wie dem russischen Facebook-Pendanten „vk.com“ veröffentlicht.

Winter (grüne Jacke) verhöhnt Opfer in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald

Winter (grüne Jacke) verhöhnt Opfer in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald

Winter (grüne Jacke) verhöhnt Opfer in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald

Winter (grüne Jacke) verhöhnt Opfer in der Gedenkstätte des KZ Buchenwald

Hakenkreuze und andere verbotene Symbole in Winters Internet-Accounts

Hakenkreuze und andere verbotene Symbole in Winters Internet-Accounts

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