Vom Landesvorsitzenden zum kommerziellen Rassenlehrer – Wieschkes neuer NS-Handel

Nach dem Rückzug aus politischen Positionen der Bundes- und Landes-NPD lässt Patrick David Wieschke nun auch die allerletzten Hüllen fallen. Um mit antisemitische Schriften und NSDAP-Literatur handeln zu können, hat er im Haus der Thüringer NPD-Zentrale nun ein Antiquariat angemeldet, mit dem er eine ganze Reihe NS-Schriften aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 verkauft.

Leseratte vs. "Judenratten"? Der Ex-Landesvorsitzende verhökert nun antisemitische Hetzschriften

Leseratte vs. „Judenratten“? Der Ex-Landesvorsitzende verhökert nun antisemitische Hetzschriften

Eigentlich hat Wieschke nach seinem Abgang so viel Aufmerksamkeit gar nicht verdient, seine jüngsten Aktivitäten eine Woche nach dem Landesparteitag zwingen uns jedoch förmlich hier noch mal zu einer Dokumentation. Januar 2015 ging der Eisenacher Neonazi mit seinem neuen „Versandantiquariat Zeitgenoss“ online. Laut der Eigendarstellung habe man als Schwerpunkt „zeitgenössische Literatur aus der Zeit 1933 – 1945 sowie aus der vorangegangenen sogenannten „Kampfzeit““. Schon die Verkaufskategorien auf seiner Internetpräsenz lassen das dahinterstehende Warenangebot erahnen. So sind seine Bücher untergliedert in „nach 1945“ und „Bücher vor 1945“. Nach 1945 findet der geneigte Leser u.a. die Rubriken „3. Reich“, „Waffen-SS“ und „Revisionismus“, darunter Bücher von der Gesellschaft für freie Publizistik über Guido Knopp bis hin zu David Irving (wie den Titel: „Führer und Reichskanzler Adolf Hitler 1933-1945“). In der Kategorie „vor 1945“ wird es mit den Rubriken „Rassen / Juden / Freimaurer“, „SS / SA / HJ“ und „Zentralverlag der NSDAP“ aber noch eindeutiger. Dort bietet Wieschke eine Vielzahl von NS-Literatur an, beispielsweise das antisemitische Buch des „Der internationale Jude“ vom Amerikaner Henry Ford. Heinrich Himmler äußerte darüber bereits 1924 begeistert, dass Ford „einer der wertvollsten, gewichtigsten und geistreichsten Vorkämpfer“ (für den durch die Nationalsozialisten praktizierten Antisemitismus) sei. In Wieschkes NS-Sammelsurium finden sich auch andere glühende Antisemiten, beispielsweise Hans F. K. Günther mit dem Buch „Rassenkunde des jüdischen Volkes“ aus dem Jahr 1930, der als einer der Urheber der nationalsozialistischen Rassenideologie gilt und auch als geistiger Vorbereiter der Reichspogromnacht bezeichnet werden kann. Wieschke ergänzt über die Nachdruckversion dieses Buches, welches er auch seinen Kameraden anbietet, nüchtern „Einband angeschmutzt, sonst neuwertig. Frakturschrift“. In anderen Fällen lobt er beispielsweise „schönes Exemplar“ oder weißt auf ein „großes Hakenkreuz“ hin, um das Käuferinteresse zu steigern.

wieschke-juden2Weitere Bücher, wie bereits angekündigt, entstammen dem Zentralverlag der NSDAP, der auch als Eher-Verlag bekannt ist. Alleiniger Gesellschafter des Eher-Verlages war der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterverein e. V. (kurz NSDAV), dessen Vorstand wiederum Adolf Hitler war. Als eine Organisation der NSDAP erfolgte am 29. Oktober 1945 das Verbot des Zentralverlages. Wieschke offeriert daraus nun zum Beispiel „Dr. Joseph Goebbels: Der geistige Arbeiter im Schicksalskampf des Reiches“ (1943), „Wolfgang Möller: Der Führer – Das Weihnachtsbuch der deutschen Jugend“ (1938), „Otto Dietrich u.a.: Auf den Straßen des Sieges – Erlebnisse mit dem Führer in Polen“ (1940) oder „Alfred Rosenberg: Blut und Ehre – Ein Kampf für deutsche Wiedergeburt“ (1942) Aufsätze von Joseph Goebbels und glorifizierende Schriften des NS-Militärs folgen.

Wieschkes Verkaufsplattform, eingeblendetes Unter-Menü "Bücher bis 1945"

Wieschkes Verkaufsplattform, eingeblendetes Unter-Menü „Bücher bis 1945“

Über sein Antiquariat schreibt Wieschke, dass man sich der „Geschichtsforschung verpflichtet“ fühle. Nach außen hin verzichtet er darauf, den Versand mit seinem ersten Vornamen in Verbindung zu bringen. Möglicherweise, weil „Patrick Wieschke“ inzwischen für geschäftliche Interessen zu verrufen ist. Interessenten erfahren lediglich, dass es sich beim Betreiber um einen „David Wieschke“ aus Eisenach handele, tätig in der Katharinenstraße 147a in Eisenach, wo auch die NPD ihre Parteizentrale unterhält. Die Domain ist auf Wieschkes Privatadresse im Palmental 3 angemeldet. Rechtlich bewegt er sich mit dem Nazi-Buch-Verkauf in einer Grauzone, denn zu antiquarischen Zwecken ist ein Verkauf prinzipiell möglich. Wieschke ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt und wurde bereits wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung verurteilt. Schon jetzt macht er aus Sorge vor möglichen Repressalien mit einer Sonderklausel extra darauf aufmerksam, dass seine Kunden sich verpflichten, „mit der Bestellung, die erworbenen zeitgeschichtlichen und militärhistorischen Bücher aus der Zeit 1933 bis 1945 nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger und verfassungsfeindlicher Bestrebungen, der wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung, der Aufklärung oder der Berichterstattung über die Vorgänge des Zeitgeschehens oder der militärhistorischen und uniformkundlichen Forschung zu erwerben (§§ 86 und 86a, sowie §§ 130 und 130a StGB)“. Zu dem sei es kleinster Weise gestattet, „die Abbildungen propagandistisch zu verbreiten“. Eine Alibi-Belehrung, die im Anbetracht seines neonazistischen Käuferklientels eher einem schlechten Witz gleicht.

Für die Online-Fotos hat er dieHakenkreuze überklebt, Wieschke versichert jedoch: "auf den Originalen sind diese unverändert erhalten"

Für die Online-Fotos hat er Hakenkreuze überklebt, Wieschke versichert jedoch: „auf den Originalen sind diese unverändert erhalten“

Vorsorglich hat er auch Hakenkreuze und andere verbotene Symbole erst einmal auf den Illustrationen abgeklebt, versichert jedoch zugleich „auf den Originalen sind diese unverändert erhalten“. Bereits 2013 und 2014 hatte Wieschke in Eisenach vermehrt Veranstaltungen mit ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS, der Wehrmacht und anderen Altnazi-Soldaten organisiert, zum Beispiel mit dem Waffen-SS-Kämpfer Werner Brauns und dem NS-Jagdflieger der Wehrmacht, Reinhold Leidenfrost. Zuletzt holte er am 6. Dezember 2014 den früheren Kämpfer der SS-Division „Hitlerjugend“ Sepp Biber in die neue NPD-Parteizentrale in der Eisenacher Katharinenstraße , welcher dort referierte, ehe Wieschkes Kameraden im Anschluss den Nazi-Liedermacher Resistencia bei seinem Auftritt feierten. Sicherlich alles nur zur „wissenschaftlichen und kunsthistorischen Forschung“ und zu „Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung“.

Auch im Angebot: "Der internationale Jude"

Auch im Angebot: „Der internationale Jude“

Mit dem neuen Projekt zeigt Wieschke auch, dass der Abschied von der Parteispitze keineswegs die verstärkte Nutzung der Parteiimmobilie ausschließt. Wieschke nutzt die NPD-Landesgeschäftsstelle also nun für seine Geschäfte. Damit wird das Haus nicht nur Treffpunkt der Naziszene, Veranstaltungsort für Konzerte, Schulungen und Parteitage sondern auch ein zentraler Betrieb für NS-Devotionalien und extrem rechte Bekleidung („Hemdster„). Eisenach entwickelt sich damit weiter zu einem Dreh- und Angelpunkt der extremen Rechten in Thüringen und Deutschland auf zahlreichen Ebenen.

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