NPD-Landesparteitag am 12.1.: Showdown in Eisenach

Das vergangene Jahr lief nicht gut für die NPD in Thüringen und speziell für den Noch-Vorsitzenden Patrick David Wieschke. Eigentlich rechneten die Neonazis fest mit einem Einzug in das Landesparlament und investierten zehntausende Euro in den Wahlkampf in Thüringen. Doch die NPD scheiterte mit 3,6 % deutlich am Einzug in das Landesparlament. Einer der Hauptgründe dürfte Wieschkes Vergangenheit gewesen sein, die den Gewalttäter in Form von geleakten Polizeiakten einholte. Diese Veröffentlichung sorgte auch in weiten Kreisen der extremen Rechten in Deutschland für zahlreiche Distanzierungen vom derzeitigen Landesvorsitzenden. Doch Wieschke klammert sich an seinen Landesvorsitz und versuchte lediglich mit der Aufgabe seiner Bundesämter politische Schadensbegrenzung zu betreiben.

Katharinenstr. 147a in Eisenach, Versammlungsraum

Katharinenstr. 147a in Eisenach, Versammlungsraum

Eine weitere Folge des Landtagswahlkampfes und des verpassten Einzuges ist die faktische Pleite des Landesverbandes. Aufgrund der sicheren Annahme, die NPD könne in das Landesparlament einziehen, wurde ein sehr kostenaufwendiger Wahlkampf geführt, welcher der NPD nun durch fehlende eingehende Mittel schwere Finanzprobleme beschert. Hinzu kommen zahlreiche Fehler wie beim Plakatehängen, die der NPD zusätzliche Kosten aufbürdeten. Der vermeintlich erfolgreiche Wahlkampf wurde für seine Fehlplanungen auch NPD-intern bereits heftig kritisiert. Ursprünglich waren im Landeshaushalt 193.345 Euro für „Wahlkämpfe- und Öffentlichkeitsarbeit“ eingeplant, knapp 70.000 Euro mehr als Gesamteinnahmen im Haushalt. Inzwischen kursiert ein Bettelbrief der Thüringer NPD, in der um Gelder geworben werden um ein 20.000 Euro-Loch durch Rechtsanwalts- und Gerichtskosten zu stopfen. Die Finanznot scheint sich nun auch auf die Immobilie der NPD auszuwirken. So musste Wieschke sogar in der Parteizeitung, der Deutschen Stimme, zu Spenden aufrufen und versuchte das Haus als unerlässlichen Bestandteil der Szene zu verkaufen. Wieder sollen „Kameraden“ für die Fehlplanungen der Thüringer Landespitze zahlen. Wieschke selbst gönnte sich hingegen zunächst einen Urlaub in Mexiko nach dem Landtagswahlkampf. Ob andere Arbeitslose ein ähnliches Leben führen können, bleibt offen.

"Kinder-Spezialist" Patrick Wieschke. Nach Ermittlungen wegen Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen sind seine Chancen im NPD-Landesverband etwas getrübt

„Kinder-Spezialist“ Patrick Wieschke. Nach Ermittlungen wegen Missbrauchs- und Misshandlungsvorwürfen sind seine Chancen im NPD-Landesverband etwas getrübt

Zumindest scheint Wieschke im „Kampf für Deutschland“ nicht bereit zu sein auf seine luxuriösen Urlaube zu verzichten, dafür aber sammelt er gern Geld von anderen ein.
Die Geschehnisse haben auch in Teilen des Landesverbandes eine starke Opposition gegen Wieschke entstehen lassen. Hierzu zählen neben Kevin Schulhauser und der JN-Führung auch der Erfurter Stadtrat Enrico Biczysko und andere. Am kommenden Samstag soll nun auch ein neuer Landesvorstand gewählt werden. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es den Versuch geben wird, Wieschke zu stürzen. Wie andere Medien berichten, ist die Presse auf dem Parteitag nicht zugelassen. Wenn Wieschke keine Wahlkampfkonzepte vorstellen kann, scheint die Öffentlichkeit also unerwünscht. In der Krise bröckelt das Bild des demokratischen Saubermanns.

Sturz oder Austrittswelle
Nach Informationen von Thüringen Rechtsaußen gibt es für den Parteitag mehrere mögliche Szenarien. Wie bereits jetzt bekannt wurde, wird es wahrscheinlich mehrere Kandidaten geben, die gegen Wieschke und sein Umfeld kandidieren werden. Offen bleibt, ob sich Thorsten Heise zu einer Kandidatur um die NPD-Landesspitze bewerben wird. Heise hatte sich bereits vor dem NPD Bundesparteitag mit einem ausführlichen Artikel, der sich auch gegen Wieschke richtete, vorsichtig in Stellung gebracht. Heise dürfte wohl einer der gefährlichsten Gegner für Wieschke sein, besitzt er doch deutlich mehr Renommee in der Szene als Wieschke. Andere NPD-Funktionäre kündigten ebenfalls ihre Kandidatur um einen Platz im Landesvorstand an, auch sollen zwischenzeitlich jüngere Aktivsten aus der 2. und 3. Reihe weiter aufgebaut worden sein. Sollte sich Wieschke an der Spitze des Landesvorstands halten können, könnte es zu einer großen Austrittswelle aus der NPD-Thüringen kommen. Bereits seit einigen Wochen gibt es Verhandlungen von Wieschke-Gegnern mit Kadern anderer Neonazi-Parteien. Die Vorbereitung für eine Umstellung der Strukturen laufen also bereits länger und bieten den Gegnern Wieschkes die Möglichkeit, sich neu zu organisieren. Hier spielen insbesondere die Strukturen „Der 3. Weg“ und „Die Rechte“ eine Rolle. Das dritte Szenario, dass Wieschke sich mit Kompromissen an der Parteispitze halten kann, scheint derzeit am unwahrscheinlichsten, da die Stimmung im Landesverband seit Monaten sehr angespannt ist. Viele Wieschke-Gegner machten im Vorfeld klar, dass für sie keine weitere Zusammenarbeit denkbar ist.

Das Boot sinkt. Immer mehr NPD-Mitglieder gehen auf Distanz zu Landeschef Wieschke (mitte)

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