Das letzte Hemd der NPD

Nach der Schlappe bei der Landtagswahl in Thüringen sucht die NPD offenbar neue Wege zur Aufstockung ihrer Finanzen. Nun sollen auch vermeintlich originell bedruckte T-Shirts für mehr Geld in der Parteikasse sorgen

„Wir sind eine junge, dynamische, aber doch hoffentlich nicht erfolglose Mannschaft mit kreativen Ideen und Gedanken, die Euch ab sofort ständig neue Klamotten präsentieren werden“ heißt es auf der Homepage des noch jungen Unternehmens „Hemdster“. Dort erhältlich seien „ständig neue Klamotten, die Ihr garantiert so nirgends anders finden werdet“, so die Werbung. Doch bei genauerer Betrachtung will „Hemdster“ zumindest bei einem Teil seines Angebotes von rassistischer und islamfeindlicher Stimmungsmache profitieren. Versehen mit der Aufschrift „Bataillon Deutschland. Kick Isis“ wirbt ein T-Shirt für „die Verteidigung Europas“, ein anderes Shirt nimmt Bezug auf den österreichischen Prinz Eugen aus dem 18. Jahrhundert. Mit dem Motto „Vor Wien ist Schluss“ wird eine drohende „Islamisierung Europas“ herbei halluziniert. Diese Ausrichtung wundert nicht, denn Inhaber des Unternehmens ist Tobias Kammler, der Landesgeschäftsführer und Pressesprecher des Thüringer NPD-Landesverbandes. Er sitzt seit 2009 für die NPD im Kreistag des Wartburgkreises, bei der letzten Kommunalwahl erzielte er an seinem Wohnort das landesweit beste Wahlergebnis für seine Partei. Neben diesen Tätigkeiten versucht sich der 1986 geborene Kammler nun also auch als Unternehmer.

Hemdster, Motiv "Türkenschreck"

Hemdster, Motiv „Türkenschreck“

Während die Homepage auf seine Privatanschrift in Urnshausen registriert ist, dient als Firmensitz eine Adresse im westthüringischen Eisenach. Wo früher ein Pizza-Service und ein Bürotechnik-Handel beheimatet waren, befindet sich seit August 2014 die Landesgeschäftsstelle der NPD in Thüringen. Die Partei hatte das Gebäude über den ehemaligen Hamburger NPD-Kader und amtierenden Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands Breisgau, Jan Zimmermann aus Eichstetten, erworben. Die Adresse der Geschäftsstelle ist identisch mit der Anschrift, die Kammlers Unternehmen im Impressum führt und auch die dort aufgeführte Telefonnummer gehört zum Anschluss der NPD. Tobias Kammler und die Anschrift der Landesgeschäftsstelle sind nicht die einzigen Parallelen des „neuen Klamottendealers aus dem grünen Herzen Deutschlands“ zur NPD. Auch hinter „Photo Art Ndh“, zuständig für die Realisation der Homepage, verbirgt sich ein alter Bekannter aus der extrem rechten Szene in Nordthüringen. Der 1982 geborene Dennis Witzenhause gehört zur „Aktionsgruppe Nordhausen“ und hatte für die NPD bei der Kommunalwahl für den Stadtrat und den Kreistag Nordhausen kandidiert. Für das Rechtsrock-Open Air „Eichsfeldtag“ im Mai 2014 war der Neonazi unter anderem bei der Erstellung der Online-Werbung aktiv. Seit längerem betätigt sich Witzenhause als „Grafiker“ und „Photograph“, u.a. war er offenbar für das Foto-Shooting der NPD für den Landtagswahlkampf zuständig. Auf seiner Blogspot-Seite wirbt er auch für ein Motiv mit Paul von Lettow-Vorbeck, der 1920 mit Unterstützung der Freikorps am „Kapp-Putsch“ beteiligt war. Der noch amtierende Landesvorsitzender Patrick Wieschke ist ebenso in den Klamottenverkauf bemüht und vertreibt über Facebook die „Hemdster“-Textilien. Wohin bei ihm die Gelder fließen haben wir ja schon einige male hier dargestellt…

Nach dem sie den Landesverband abgezogen haben, ziehen sie nun über den neuen "Hemdster"-Versand den Kameraden das Geld aus der Tasche: Tobias Kammler und Patrick Wieschke. Prost!

Nach dem sie den Landesverband abgezogen haben, ziehen sie nun über den neuen „Hemdster“-Versand den Kameraden das Geld aus der Tasche: Tobias Kammler und Patrick Wieschke. Prost!

 

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