Heldengedenken in Schleusingen (15.11.) und Friedrichroda (16.11)

Das geschichtsrevisionistische „Heldengedenken“ hat lange Tradition in Thüringen. Am kommenden Wochenende stehen nun gleich mehrere Veranstaltungen in Haus. Die größten wohl in Schleusingen und Friedrichroda, hier gründeten Neonazis eine „Gedenkgemeinschaft“.

Werbung für das "Heldengedenken" 2014

Werbung für das „Heldengedenken“ 2014

Die extreme Rechte an sich ist rückwärtsgewandt, aber in kaum einem Szeneevent wird dies so deutlich wie im sogenannten Heldengedenken. In Reden und abstrusen Ritualen, bei denen pathetisch die gefallenen Soldaten von der Wehrmacht bis zur Waffen-SS angerufen werden, soll den im 2. Weltkrieg gefallenen Kameraden gedacht werden. Derartige Veranstaltungen organisiert die extreme Rechte rund um den „Volkstrauertag“ über ganz Thüringen verteilt. In Friedrichroda findet seit 2003 eines der Größten kontinuierlich stattfindenden „Heldengedenken“ statt. Initiiert wurde der Aufmarsch vom früheren Kopf des örtlichen „Skinheadclubs 88“, Mitglied des „Nationalen und sozialen Aktionsbündnisses Westthüringen“ (NSAW) und späteren NPD-Politiker Michael Burkert. Im November 2005 attackierten vier Neonazis aus dem Aufzug heraus eine junge Gegendemonstrantin und schlugen sie zusammen. Ab 2009 wurde er vom Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Gotha, Sebastian Reiche, angemeldet, der ebenfalls im NSAW und dem „Thüringer Heimatschutz“ (THS) aktiv war. Nachdem Reiche und der Thüringer NPD-Landeschef Patrick Wieschke noch 2012 im Fackelschein am Denkmal anwesend waren, zog sich die NPD im vergangenen Jahr vom Aufmarsch zurück und der Aufmarsch floppte auch zahlenmäßig. Mit großem medialem Aufwand versucht nun die Neonaziszene im Landkreis Gotha die Thüringer „Gedenkveranstaltungen“ zu vernetzen.

"Heldengedenken" in Thüringen - Neonazis mit Fackeln

„Heldengedenken“ in Thüringen – Neonazis mit Fackeln

Nachdem im Vergangenen Jahr nur rund 25 Neonazis an dem vom Thomas Reißig aus Brotterode angemeldeten „Heldengedenken“ in Friedrichroda teilgenommen hatten, begann die Bewerbung für den 16. November in diesem Jahr bereits Mitte Juni. Ende Juli tauchte dann im Internet die zugehörige Mobilisierungsseite auf, die den eigenen Anspruch mit dem Titel „Thüringer Heldengedenken – Plattform für das Heldengedenken in Thüringen“ bekundete. Mit einer weiteren Veranstaltung neben Friedrichroda hat sich allerdings bisher nur Tommy Frenck bzw. dessen „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH) angeschlossen. Marko Zint, einer der Köpfe hinter dem Projekt „Thüringer Heldengedenken“ erläutert hierzu, dass es sich bei der BZH-Veranstaltung am 15. November 2014 in Schleusingen um „ein Gemeinschaftsprojekt vom BZH und der Thüringer Heldengedenkengemeinschaft“ handelt. Andere Städte wie etwa Gera, in denen ebenfalls regelmäßig ähnliche Veranstaltungen mit größerer Teilnehmer_innezahl stattfinden, sind bislang nicht nachgezogen, auch das allährliche Nazi-Gedenken auf der Schmücke bei Suhl wurde bislang nicht eingebettet. Trotz dessen ist die Resonanz auf die Mobilisierungsplattform hoch. Insbesondere Gruppierungen aus dem „Freien Netz“ mobilisieren bereits nach Friedrichroda und via Facebook gibt es bei beiden Veranstaltungen jeweils mehr als 100 Zusagen. Darunter auch Neonazis aus benachbarten Bundesländern. Neben der frühen Mobilisierung dürfte auch der große mediale Mobilisierungsaufwand hierzu beigetragen haben. Neben der angesprochenen Internetseite, einer Facebookseite, zwei Facebook-Veranstaltungsseiten sowie einem Youtube-Kanal wurden auch zwei kleinere Mobilisierungskampagnen gestartet.

Marco Zint

Marco Zint

Während unter dem Titel „In Stein gemeißelte Namen“ Kamerad_innen dazu angehalten sind Fotos von regionalen Kriegsgräbern einzusenden, werden auf dem Youtubekanal Videos veröffentlicht, in denen Neonazis auf die Frage „Warum gedenkst du“ antworten. In dem Video aus dem Landkreis Gotha kommt neben Marko Zint, Tommy Brandau und weiteren Neonazis aus der Gruppierung „Bündnis Zukunft Landkreis Gotha“ auch die NPD-Mandatsträgerin Monique Möller aus Bad Langensalza zu Wort. Hinter der diesjährigen Mobilisierung und der Plattform „Thüringer Gedenken“ stehen vor allem Marko Zint, Tommy Brandau und für Schleusingen Tommy Frenck. Marko Zint stammt aus dem Umfeld der Rechtsrockband S.K.D und war Teil der „Hausgemeinschaft Jonastal“ in Crawinkel. Seit Jahren ist er im Landkreis Gotha aktiv und beteiligt sich an Aufmärschen in Thüringen. Zuletzt fuhr er den Lautsprecherwagen auf der JN-Demonstration in Erfurt am 20. September 2014. Beim „Heldengedenken“ in Friedrichroda trat er 2012 als Ordner und 2013 als Redner in Erscheinung. Die Thüringer Polizei ermittelte 2012 gegen ihn wegen „Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat“. Zint wurde vorgeworfen, Kalaschnikow-Maschinenpistolen zum Kauf angeboten zu haben, weshalb er kurzzeitig in Untersuchungshaft saß. Bereits in den 90er Jahren verletzte sich Zint durch einen Schuss mit einer Pumpgun als er und einer der Haupttäter von Ballstätt, Thomas Wagner, mit einer Pumpgun hantierten.

Dominik Brandau hat sich unter dem Pseudonym „Klampfe“ bisher vor allem in der Rechtsrock-Szene einen Namen gemacht. Gemeinsam mit „Brauni“, ehemals Rechtsrocker der Band Soko 18 aus Bayern, war er bereits 2005 auf einer indizierten Schulhof-CD vertreten. Später trat er mit Formationen wie „Klampferitis“ in Erscheinung und tritt nun mit wechselnden Musikern solo auf.

Aus einem Mobilisierungsvideo für Friedrichroda

Aus einem Mobilisierungsvideo für Friedrichroda

So etwa auch am 19. September 2014 in der Kammwegklause in Erfurt, wo für die sogenannte Gefangenenhilfe, die unter anderem Ralf Wohlleben unterstützt, geworben wurde. Brandau ist nicht der einzige Nazi-Barde, der in Friedrichroda zu erwarten ist. Kommen wird wohl auch in diesem Jahr der Blood & Honour-Liedermacher Tobias Winter alias „Bienenmann“, der bereits die vergangenen „Heldengedenken“ in Friedrichroda mit Akkordeon begleitet hat. Tommy Frenck ist die zentrale Figur der Neonazi-Szene im Landkreis Hildburghausen. Er ist nicht nur Hauptfunktionär des „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH) sondern auch Unternehmer. Frenck ist eng mit dem bayerischen Neonazi Patrick Schröder, Geschäftsführer des extrem rechten Labels „Ansgar Aryan“ verbunden. Außerdem betreibt er mit „Druck 18“ einen eigenen Versand zum Bedrucken von Neonazi-Klamotten. So stammten unter anderem die in diesem Jahr zahlreich vertretenen T-Shirts mit den Aufschriften „Division Thüringen“ oder „Division Sachsen“ aus Frencks beständen. Bereits im letzten Jahr organisierte Frenck in Eisfeld einen neonazistischen Aufmarsch zum „Heldengedenken“. 2013 waren bereits rund 100 Neonazis seinem Aufruf gefolgt. Doch auch eine antifaschistische Mobilisierung gegen das Heldengedenken in Friedrichroda läuft bereits, mehr Informationen dazu gibt es hier.

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