„Aktionsgruppe Nordhausen“ zu Gast bei den Holocaustleugnern in Gutmannshausen

Am Wochenende trafen sich in Gutmannshausen dutzende Neonazis um ein geschichtsrevisionistisches Denkmal beim Verein Gedächtnisstätte einzuweihen. Wir hatten hier auch im Vorfeld bereits darauf hingewiesen. Unter den Teilnehmern befand sich nicht nur die ältere Generation, sondern auch junge Szeneanhänger wie beispeilsweise die „Aktionsgruppe Nordhausen“. Wer war da – ein genauer Blick am Beispiel der Neonazi-Clique aus Nordthüringen.

Die Gedächtnisstätte e.V. ist ein Verein, der unter seinem Dach Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugner sammelt und immer wieder auch der militanten Neonazi-Szene ein Dach geboten hat. Seit 2011 hat der Neonazi-Verein ein Anwesen in Gutmannshausen in Thüringen, dass ausgerechnet vom Land an die Neonazis verkauft worden ist. Bereits im Jahr 2008 konnten die Führungsfiguren der bundesweiten militanten Neonaziszene in den Räumen des Vereins – damals noch Borna – tagen. Am Wochenende zeigte sich nun mit dem Besuch der antisemitischen und militanten Neonazi-Gruppierung „Aktionsgruppe Nordhausen“ erneut, dass der ominöse Verein weiterhin Verbindungen ins militante und aktionsorientierte Neonazispektrum hat und nicht nur aus greisen Geschichtsrevisionisten besteht. Beim MDR stießen wir auf folgendes Bild:

Gut Ag NDHDie auf dem Bild anreisenden Personen gehören zur „Aktionsgruppe Nordhausen“ (Ag-NDH) und ihrem Umfeld. Ganz links im Bild ist Steven Rückert (weißes Oberteil) zu sehen. Der aus Mauderode stammende Neonazi arbeitet bei der Ellricher Firma Hoch- und Holzbau und posierte erst im vergangenen Jahr bei einer Restaurierungsaktion für die Thüringer Allgemeine. Rückert kann heute zum Kern der AG-NDH gezählt werden. Rechts neben Rückert läuft Jaqueline B. Sie ist recht neu in den Kreisen der AG-NDH und stammt aus dem Umfeld von Alexander Lindemann und dessen Freundin Anika E. Jaqueline B. war bereits mit den Neonazis beim Rechtsrock in Leinefelde im Mai diesen Jahres. Der junge Mann hinter Jaqueline B. ist Alexander Steiner (weißes Oberteil). Er ist mindestens seit 2 Jahren bei der AG-NDH aktiv und nahm bereits an mehreren internen Veranstaltungen ect. teil und besuchte mehrere Demonstrationen und andere öffentliche Kundgebungen. Die blonde Frau vor Steiner ist Anika E. (blond, helles Oberteil) aus Niedersachswerfen. Sie ist Alexander Lindemanns Freundin. Sie war als Teilnehmerin bereits auf verschiedenen Neonazi-Veranstaltungen. Egal ob Rechtsrock in Leinefelde oder Kundgebungen der NPD in Nordhausen, auch Anika E. hat bereits zahlreich teilgenommen. Vorn im Bild ist Alexander Lindemann (Hemd, Umhängetasche und Bart). Er ist der Kopf der AG-NDH, gehört zum rassistischen und antisemitischen Zusammenschluss „Europäische Aktion“ und kandidiert für die NPD bei der Landtagswahl. Der militante Neonazi gehörte früher zur Neonazi-Hooltruppe „NDH City“ und ist mehrfach gewalttätig in Erscheinung getreten. Hinter Lindemann (schlecht zu sehen, mit Brille) ist wahrscheinlich Christopher Lee Schröter. Der Nachwuchs-Neonazi ist bereits seit Jahren aktiv und sowohl Mitglied der Hooligan-Truppe „Wackerfront“ als auch der AG-NDH. Er besuchte zahlreiche Neonazi-Veranstaltungen bundesweit und war auch in Nordhausen als Ordner für Veranstaltungen tätig. Egal ob Rechtsrock oder Demonstrationen, Schröter gehört zum festen Kern der Gruppierung AG-NDH. Rechts hinter Lindemann ist Christian Witzmann (blaues Hemd, Sonnenbrille) aus Ellrich. Witzmann gehört mittlerweile auch zum Kern der AG-NDH und ist sowohl auf internen Veranstaltungen als auch bei Kundgebungen oder Demonstrationen Dauergast. Hinter der Laterne ist Diana E., Witzmanns Freundin, zu sehen. Sie stammt auch aus Ellrich und begleitet ihren Neonazi-Freund schon seit einiger Zeit gelegentlich auf Veranstaltungen der AG-NDH. Sie gehört zum Umfeld der Gruppe und ist wahrscheinlich erst durch ihren Freund in die Szene geraten. Ganz hinten im Bild (links neben dem Pfosten) ist der Neonazi Philip Göthel zu sehen. Er ist seit Jahren in Nordhausen aktiv, war in letzter Zeit aber nur gelegentlich bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Bombengedenken anzutreffen.

Für die Neonazis der AG-NDH scheint der Besuch in Gutmannshausen ein regelrechter Familienausflug gewesen zu sein. Es zeigt allerdings gut, wie vernetzt die Nordthüringer Neonazis in verschiedene Spektren der extrem rechten Szene sind.

Der MDR-Beitrag ist hier abrufbar: Holocaust-Leugner unter sich in Thüringen

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