8 Monate Haft auf Bewährung – Tannrodaer Neonazi Michel Fischer + Vater nach Überfall auf 13-jähriges Kind verurteilt

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Michel Fischer (links) beim Neonazi-Openair „Rock für Deutschland“ am 5. Juli 2014 in Gera

Am 10. Juli 2014 war der Neonazi Michel Fischer erneut beim Amtsgericht Weimar angeklagt. Zusammen mit seinem Vater Paul Fischer soll er ein 13-jähriges Kind nachts in Tannroda verprügelt haben. Ähnlich wie beim letzten gewalttätigen Übergriff der wegen Fischer verhandelt wurde (siehe hier) ging es erneut um das vermeintliche Entfernen von Neonazi-Aufklebern in Tannroda. So hätten der 54-jährige Vater und der 25-jährige Sohn, beide kräftig, beleibt und mit szenetypischen Äußeren im Jahr 2012 einen Jungen auf einer Straße in dem kleinen Ort im Weimarer Land festgehalten, den sie verdächtigten, die Propaganda entfernt zu haben. Michel Fischer habe den Weg versperrt, dann gerufen „Taschenkontrolle!“ und eine Jacke durchsucht. Anschließend versetzte Michel Fischer dem jungen Menschen einen Tritt in den Bauch. Der Vater habe dann versucht das Opfer zu umklammern und festzuhalten, wobei sich der Betroffene lösen konnte. Dann soll der am Kopf großflächig tätowierte Vater Fischer durch Bein-Stellen die Person zu Boden gebracht haben. Der Mensch konnte die Flucht mit in der Nähe stehenden Freunden ergreifen, einer der Täter habe dann hinterher gerufen „Verpisst euch hier, Tannroda ist unsere Stadt!“. Ein Zeuge schilderte, dass er schon einmal von Michel Fischer bedroht wurde, dieser habe im Hinblick auf verschwundene Nazipropaganda im Ort von Tannroda geäußert: „Wenn ich euch erwische, breche ich euch die Finger, ihr Judensäcke!“. Verurteilt wurde Fischer vom Amtsgericht Weimar gestern wegen Körperverletzung zu 8 Monaten Freiheitsstrafe auf 3 Jahre Bewährung. Für 2 Jahre wird ihm ein Bewährungshelfer zugeordnet, in 3 Monaten soll er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und dem Opfer ein schriftliches Entschuldigungsschreiben senden. Sein aktuelles Vorstrafenregister zählte Urkundenfälschung, Betrug, Sachbeschädigung, Volksverhetzung und Beihilfe zur Körperverletzung auf. Sein Vater Paul Fischer wurde „nur“ wegen Beihilfe zu 60 Tagessätzen a 10 Euro verurteilt, da laut Gericht alle Tatbeiträge vom Vater nicht zweifelsfrei nachgewiesen wurden. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Nebenklage plädierten zuvor auf gemeinschaftlich begangene Körperverletzung. Die Staatsanwältin machte auf die Umstände des perfiden Gewaltaktes von zwei Erwachsenen gegen ein 13-jähriges Kind aufmerksam (zu Michel Fischer: „ich schätze sie auf 1,85m groß und 150 Kilo schwer“). Bei den Aufklebern welche den Angeklagten zugeschriebenen werden solle es sich nach Zeugenaussagen u.a. um Parolen wie „Todesstrafe für Kinderschänder“ gehandelt haben. Als im Plädoyer der Nebenklage das Klima der Angst in Tannroda durch die beiden Täter und die neonazistische Tatmotivation angesprochen wurde, die auch auf einschlägige Tattoos der Fischers und die antisemitischen Äußerungen abzielte rastete Vater Paul Fischer im Gerichtssaal aus, schrie für einen Moment um sich und wollte gerade wutentbrannt in Richtung des Tischs von Staatsanwaltschaft und Nebenklage zustürmen ehe er sich bremsen konnte und mit den Worten „Ich muss hier raus!“ den Saal verlies, dabei auch noch einen Stuhl umschmiss. Der Richter unterbrach die Verhandlung zeitweise, eine zugewiesene Betreuerin von Fischer machte auf dessen „psychische Probleme“ aufmerksam. Nach der Urteilsverkündung empörte sich der Richter über die Kosten, welche der „ALG II Empfänger Fischer“ (gemeint ist der Sohn, weil Vater Rentner ist) mit seinen ständigen Neonazi-Aktivitäten in Weimar und Umgebung verursache. Ob das Urteil nach einer Woche rechtskräftig wird bleibt fraglich, da eine Berufung von beiden Seiten nicht unwahrscheinlich ist. Derzeit laufen weitere Ermittlungen gegen den Neonazi Michel Fischer wegen anderen Gewalttätigkeiten, so dass die nächste Verurteilung wohl nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Neonazi-Demonstration 1. Juni 2013 in Wolfsburg: 2. v.l. am Transparent (Glatze): Vater Paul Fischer, unten 1.v.l. am Bildrand: Michel Fischer (Foto: T.Rassloff)

Neonazi-Demonstration 1. Juni 2013 in Wolfsburg: 2. v.l. am Transparent (Glatze): Vater Paul Fischer, unten 1.v.l. am Bildrand: Michel Fischer (Foto: T.Rassloff)

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