Neonazi-Band: Kinderzimmerterroristen (KZT) – Gut vernetzt zwischen Rechtsrock und NPD

Die Gruppe „Kinderzimmerterroristen“ gehört zu den aktivsten Rechtsrockbands in Thüringen. Zwar schon 2008 gegründet waren außer Demo-Veröffentlichungen lange keine CD erhältlich. Bis ihre erste reguläre Veröffentlichung unter dem Titel „Schulhofmafia“ 2012 auf dem Label „Nordland Records“erschien, machte sich die Band vor allem mit Liveauftritten einen Namen. Mehrmals trat die Gruppe auf NPD-Großveranstaltungen wie etwa dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ 2011 in Sondershausen oder beim NPD-Sommerfest 2011 in Brandenburg auf. Gesponsert wird der gut vernetzte extrem rechte Trupp von der neonazistischen Modemarke „Ansgar Aryan“, hinter der seit Mitte 2013 Patrick Schröder steht. Die Verbindungen der Band sind allerdings wesentlich weitreichender.

Die gute Vernetzung mit der regionalen und überregionalen Rechtsrockszene sowie mit Parteistrukturen der NPD kommt nicht von ungefähr und liegt in den Kontakten und Aktivitäten der einzelnen Bandmitglieder begründet. Neben Norman „Pit“ Helbing (Gitarre und Gesang) gehören derzeit Steven „Steven“ Hinrich (Gitarre und Gesang), Florian „Flo“ Jass (Bass) und der „Liste“ (Schlagzeug) zur Band. Die aktuellen und ehemaligen Mitglieder stammen ursprünglich größtenteils aus dem Raum Suhl und Bad Frankenhausen. In Schwarza bei Suhl nutzte die Gruppe eine Weile auch den örtlichen Jugendclub als Proberaum, wo eine entsprechende Neonazi-Fahne mit KZT-Emblem gehisst war.

"KZT" aus Thüringen. Oben links: Liste, rechts: Florian Jass. Unten links: Norman Helbig; rechts: Steven Hinrich.

„KZT“ aus Thüringen. Aktuelle Besetzung: Oben links: Liste, rechts: Florian Jass. Unten links: Norman Helbig; rechts: Steven Hinrich.

  • Mit dem 29-jährigen Norman Helbing existiert eine direkte Verbindung zur NPD. Unter der Führung des NPD-Aktivisten und Betreibers der Versände bzw. Labels „Germaniaversand“, „Aggressive Zone Records“ sowie „Immortal Blood Records“ Patrick Weber aus Sondershausen ist Helbing Kassenwart des NPD Kreisverbandes Kyffhäuserkreis. Helbing, der derzeit in Heldrungen lebt, spielte bereits vor seinem Einsatz bei KZT in Rechtsrockbands und trat als Liedermacher auf. Unter anderem sang er bei dem Zwei-Personen-Projekt „Celtic Dawn“ (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Dubliner Blood & Honour Band), auch spielte er bei Webers „Treffen der Generation“ im April 2010 in Kirchheim als „Liedermacher Pit“.
  • Der 31-jährige Steven Hinrich versucht sich parallel zu den Kinderzimmerterroristen auch als Liedermacher zu profilieren. Solo tritt er unter seinem Vornamen und Pseudonym „Steven“ auf. So auch am 31.12.2013 in der Kammwegklause in Erfurt.
  • Florian Jass aus Sottershausen stammt aus dem Umfeld von Enrico Marx, ehemaliger Herausgeber des Rechtsrock-Fanzines „Ostara“ und Betreiber des extrem rechten „Barbarossa-Versandes“. Jass arbeitet als Tätowierer bei „White Skull-Tattoo“ aus Halle.
  • Der Schlagzeuger mit dem Spitznamen „Liste“ spielte bereits in der Rechtsrock-Combo „Bloodline“, deren erste CD-Veröffentlichung 2011 unter dem Titel „Terror von Oben“ auf dem Label „Inside Shop Gera“ erschien. Noch im Veröffentlichungsjahr existierte in Gera das ähnlich lautende Ladengeschäft mit Titel „Inside-Streetwear Store“ (Betreiber: Mirko Ziem). Bei „Bloodline“ sammelten sich zuvor auch andere KZT-Mitglieder: Norman Helbig und der Neonazi „Alex“ Gorges spielten dort ebenso mit.
  • Alexander „Alex“ Gorges gehörte zeitweilig den „Kinderzimmerterroristen“ an, hat der Band aber inzwischen den Rücken gekehrt und ist Bassist der Gruppe „Oidoxie“. Er organisiert mittlerweile Neonazi-Konzerte von Frankreich bis Ungarn, mit ihm tritt seit 2012 auch wieder eine „B&H/C18-Division Deutschland“ auf, die sich an europaweiten B&H-Treffen beteiligt. Im Jahr 2000 wurde die Gruppe in Deutschland bundesweit verboten, auch Thüringen gab es mehrfach versuche das Netzwerk wieder zu beleben.
gorges

Ex-Bandmitglied Alexander Gorges

So übernahm er auch beispielsweise die Organisation des Blood & Honour Konzertes am 19. April 2014 im Elsass, bei dem Adolf Hitler anlässlich seines Todestages abgefeiert wurde. Er betreibt eine Art fliegenden Neonazi-Handel und verkauft zahlreiche Artikel, die indiziert oder verboten sind, darunter selbstverständlich auch Rechtsrock-CDs. Gorges soll unter anderem eine Internetpräzenz von „KZT“ betrieben haben, die mittlerweile abgeschaltet ist. Die Band selbst firmierte zwischenzeitlich unter einem halben Dutzend verschiedenen Domains. Am 07.01.2011 wurde auf der von Gorges betriebenen KZT-Seite im Gästebuch ein Grußwort von „318 Italy“ hinterlassen, das Kürzel steht für „Combat 18 Italien“, der militante Blood & Honour-Arm. Darin heißt es auch „All the best from Italy!!!! And Alex i hope we see us this year“, womit Gorges gemeint sein durfte. Auch der mutmaßliche NSU-Helfer Ralf Wohlleben steht im Verdacht Beziehungen zum Umfeld der gewalttätigen Gruppe gehabt zu haben. Erkenntnisse des italienischen Geheimdiensts Agenzia Informazioni e Sicurezza Interna (AISI) legen nahe, dass Wohlleben im Jahr 2009 rund 20.000 Euro nach Italien gebracht haben soll. Empfänger des Geldes: Alexander und Patrick Ennemoser, Mitglieder von Combat 18 Italien. Im gleichen Kontext wurde auch über Gespräche zu Anschlagsplanungen berichtet, dabei sollen sich Neonazis aus Thüringen und Bayern mit Anhängern der Gruppierung „Skinheads Tirol – Sektion Meran“ getroffen haben. Zwischenzeitlich verzog Gorges von Thüringen nach Dortmund und dann in die Schweiz, wo er zuletzt mit Marcus Russwurm zusammen wohnte, jener Neonazi, der für die ursprünglich aus Oberhof stammende Szene-Marke „Ansgar Aryan“ als Modell für Kataloge posiert.

Die breite Vernetzung erklärt, warum die Band mit zahlreichen Liveauftritten glänzen kann. Erst am 17.05.2014 spielten sie in Sottershausen bei einer Geburtstagsparty gemeinsam mit der englischen Band „I.C.1“ sowie den Bands „Carpe Diem“ aus Baden-Württemberg und Prora, deren erste CD-Veröffentlichung bei Patrick Webers „Germania-Versand“ erscheinen wird. Steven Hinrich mobilisierte für das Konzert über das Internet, wo es u.a. hieß: „Geburtstagsfeier in unseren Gemäuern. Am 17.5 feiern unter anderen zwei Mitbewohner unserer Festung Ihren Ehrentag!“, als Vorabtreffpunkt wurde ein Ort wenige Kilometer hinter Artern benannt.

kzt4

Eigene Fotocollage der Band

Aber auch hier ist es wohl kein Zufall, dass dort wiederum oben erwähnter Enrico Marx lebt, der als Stützpunktleiter der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (Sachsen-Anhalt) fungiert und den Versand „Barbarossa Records“ betreibt. Marx veranstaltet seit Jahren Rechtsrock-Konzerte und gehörte im vergangenen Jahr zu den wichtigsten Organisatoren in Sachsen-Anhalt. Wegen dem bereits erwähnten KZT-Auftritt auf dem NPD-Sommerfest musste sich erst kürzlich der Frontmann der Gruppe vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Gespielt hatte KZT den volksverhetzenden Titel „Einen Tag regieren“ von der Band „Stahlgewitter“. In der Berufungsverhandlung, bei der auch Patrick Weber und die Bandkollegen anwesend waren, wurde schließlich die Strafsache gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt. Mehrere der Mitglieder fielen in der Vergangenheit auch durch andere Straftaten wie Landfriedensbruch und Körperverletzung auf. Bei einem KZT-Konzert am 17.1.2009 verbarrikadierten sich die Besucher und attackierten die anrückende Polizei, wobei mehrere Beamte verletzt wurden.

Advertisements