„Die Rechte“ in Thüringen oder Krautheims One-Man-Show?

Der 1978 geborene Jörg Krautheim gehört seit vielen Jahren zu den besonders umtriebigen Akteuren der Neonazi-Szene in der Region Ostthüringen. Krautheim war Mitbegründer der „Kameradschaft Gera“, versuchte sich bei den „Nationalen“, später bei der NPD und bandelt nun scheinbar mit der Partei „Die Rechte“ an, die bisher in Thüringen keinen offiziellen Ableger hat. Ähnlich bewegt stellen sich seine unternehmerischen Aktivitäten dar.

Jörg Krautheim zählt zu den Mitbegründern der 1993/94 gegründeten „Kameradschaft Gera“, die mehr als 50 Anhänger_innen hatte und eine wichtige Rolle beim „Thüringer Heimatschutz“ (THS) spielte. Darunter auch Gordon Richter, der seit 2003 jährlich Rechtsrockgroßveranstaltungen in Gera organisiert, die mittlerweile unter dem Titel „Rock für Deutschland“ stattfinden. Nachdem im März 1996 in Gera der damals einzige Kreisverband in Thüringen des Vereins „Die Nationalen e.V.“ gegründet wurde, dessen Bundesvorsitzer Frank Schwerdt war, suchte Krautheim dort ein weiteres Aktionsfeld. Kein Zufall, war es doch das Ziel des Vereins insbesondere auch Neonazis aus dem Spektrum der „Kameradschaften“ zu sammeln. Mit der AuflösungKfoto des Vereins im November 1997 wechselten viele ehemalige Mitglieder zur NPD. So auch Jörg Krautheim, der bereits 1999 auf der Landtagswahlliste der NPD in Thüringen kandidierte und auch als Landesorganisationsleiter fungierte.
Später war er weiter in der Partei aktiv und kündigte an, die „Arbeitsgemeinschaft nationaler Sozialisten innerhalb und außerhalb der NPD“ (AGNS) in Thüringen voranzutreiben. Eine Arbeitsgruppe, die auch Nichtparteimitglieder aus dem Kameradschaftsspektrum in Parteiaktivitäten einbinden sollte. Krautheim gehört damit zu jenen, die Ende der Neunziger Jahre das Fundament für die bis heute andauernde enge Zusammenarbeit zwischen der NPD, den „Freien Kräften“ und der subkulturell geprägten Szene in Gera legten.
Er organisierte nicht nur Demonstrationen der rechten Szene und war mit seinem Namen sowohl auf THS als auch auf NPD-Flugblättern vertreten, Krautheim versuchte zudem das Konzept vom „Kampf um national befreite Zonen“ umzusetzen. Kurz bevor die Polizei 1997 in Heilsberg bei Saalfeld das größte Waffenlager der Neonazi-Szene aushob verbarrikadierte sich Krautheim zusammen mit anderen THS-Kadern wie André Kapke in dem Szenetreff. 1998 beteiligte er sich an einem bewaffneten rassistischen Überfall in Gera und am 27. Juni 2000 attackierte er mit drei anderen Geraer Kameradschaftsmitgliedern, darunter Nico Hüfner, die „Alrhaman Moschee“ in Gera mit Steinen. Krautheim wurde zwar in der Nähe festgenommen und Polizeibeamte fanden mehrere (Gas-)Pistolen, im Prozess wurde er jedoch freigesprochen. Die Südthüringer Zeitung spekulierte damals über eine mögliche V-Manntätigkeit Krautheims für den Verfassungsschutz. Auf der von ihm betriebenen Internetseite der „Kameradschaft Gera“ wurden zur selben Zeit zahlreiche nicht-rechte Menschen steckbriefartig mit Fotos und persönlichen Daten„geoutet“, darunter auch der damalige Geraer Stadtjugendpfarrer sowie mehrere Gewerkschaftsfunktionäre. Einige der Geouteten wurden in der Folgezeit bedroht oder wurden sogar Betroffene rechter Gewalt.
Aus seiner Einstellung machte Krautheim dabei kein Hehl. Um die Jahrtausendwende tauchte er im Vorspann eines Films der Landeszentrale für politische Bildung auf und erklärte dort: „Rudolf Heß machte sich für uns schon in den zwanziger Jahren unvergesslich, als er in Festungshaft saß und dort mit Adolf Hitler unser Evangelium ‚Mein Kampf‘ schrieb“.

In den folgenden Jahren machte er eher mit seinen unternehmerischen Tätigkeiten von sich reden. Gemeinsam mit Martin Soa und Nico Hüfner betrieb er die „Aufruhr Versand GbR“ und damit einerseits das Textildruck Unternehmen „Ultima-Tex“ sowie den „Aufruhr-Versand“, einen der damals bedeutendsten Neonazi-VersandhandelJörg Krautheim. Der Verkauf indizierter Frank Rennicke Tonträger brachte ihm und seinen Geschäftspartnern bereits 2001 Hausdurchsuchungen ein. Die letzte Durchsuchung blieb es nicht. Weit schlimmer dürfte jedoch der Hack der Internetseite des Versandes im April 2006 gewesen sein. Antifaschist_innen hatten über 7500 Kund_innendatensätze erbeutet und ins Netz gestellt. Fatal, hatte Krautheim doch behauptet, es würden keine Daten online gespeichert. Nachdem der „Aufruhr-Versand“ an Ingo Knauf vom „V7-Versand“ abgegeben wurde, versuchte sich Krautheim als Kampfsport-Unterstützer und Hobbyfotograf. Mit seinem neuen Label „Attack Fightwear“ bot er Kleidung für Kampsportler an. Die Domain http://www.attack-sports.de läuft bis heute auf seinen Namen, führt allerdings nurnoch auf eine Unterseite mit dem Titel „fightsport24“ auf „Spread Shirt“, bei der sich jede_r als Shirt-Designer versuchen kann. Parallel existiert noch die Seite http://www.fightsport24.de, die auch auf Krautheim angemeldet auf das gleiche Angebot verweist.

Politisch ist es um Krautheim ruhiger geworden. Öffentlich taucht er sporadisch bei regionalen Demonstrationen auf. So etwa auf der am 23. November 2014 von dem Hitlerfan David Köckert organisierten Demonstration gegen ein Asylbewerberheim in Greiz-Pohlitz (siehe Bild). Virtuell sympathisiert er mit einem „Friedens-/Montagsdemo“-AbleKreger in Altenburg, der aber seit dem 2. Juni 2014 seine Demonstrationen aus Teilnehmer_innenmangel wieder eingestellt hat. Präsenter ist allerdings sein Blog unter der Domain http://www.joergkrautheim.de. Auf der Seite, die laut Denic auf eine Adresse in der Geraer Hebbelstrasse registriert ist, veröffentlicht er kurze Beiträge, in denen etwa um Solidarität für die Holocaustleugner Horst Mahler und Sylvia Stolz geworben wird. Zu diesem Zweck verkauft er über die Seite auch entsprechende T-Shirts. Zudem wirbt er um Mitglieder für die neonazistische Partei „Die Rechte“, deren Wahlwerbespot er auch auf der Seite eingefügt hat. Ende 2013 nahm er an einem „Drei-Länder-Stammtisch“ mit „Die Rechte“-Mitgliedern aus Sachsen, Hessen und Thüringern teil (siehe auch Antifa Leipzig). Zielstellung laut dem Bericht der Veranstalter soll auch „eine entsprechende Landesverbandsgründung in Thüringen“ sein. Seit 2013 nahmen bereits vereinzelt Anhänger um den Tannrodaer Neonazi Michel Fischer an „Die Rechte“ Veranstaltungen in Dortmund und Berlin teil. Der Aufbau von Parteistrukturen in Gera dürfte allerdings schwer werden. Zu stark ist die örtliche NPD, die bei den jüngsten Kommunalwahlen ihr Ergebniss leicht verbessern und erneut mit zwei Abgeordneten (Gordon Richter und Peter Pichl) in den Stadtrat einziehen konnte. Entsprechend sieht das ganze mehr nach einer One-Man-Show von Krautheim aus, der wohl eher an der eigenen Bedeutungslosigkeit zu knabbern hat.

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