Rechtsrockszene mit langer Tradition – ein Überblick

Bei der Band „Brutale Haie“ aus Erfurt handelt es sich um eine der ersten extrem rechten Bands, die sich noch 1988 auf dem Boden der DDR gründeten. Trotz deutlicher musikalischer Schwächen erlangte die Band auf Grund ihres DDR-Hintergrundes einen gewissen Kultstatus in der Bundesdeutschen Neonaziszene. Dass die Band „Brutale Haie“ bis zur Auflösung Mitte-Ende der 1990er Jahre Personell deckungsgleich mit der Band „Trabireiter“ war, die sich 1994 in Erfurt gründete und bis zu ihrer Auflösung auch in vermeintlich „linken“ Läden spielen konnte, ist dabei ein Thema für sich. Aber die Brutalen Haie waren nur der Beginn: Seit dem Ende der DDR entstanden in Thüringen weit mehr als 120 Rechtsrock-Bands und Liedermacher_innen, von denen derzeit noch rund 20 aktiv sind.

Das Blood & Honour Netzwerk, mit seiner 1994 gegründeten „Division Deutschland“ spielte bei dieser Entwicklung keine unbedeutende Rolle, zumal im Jahr 1997 die Jugendorganisation „White Youth“ in Gera gegründet wurde. Bis heute zählt Gera zu den aktivsten Regionen in Sachen Rechtsrock und das von Gordon Richter (NPD Gera und ehem. Kameradschaft Gera) initiierte „Rock für Deutschland“ wird auch im Jahr 2014 von internationalen Blood & Honourseiten beworben. Auch die ebenfalls 2014 von Patrick Weber (NPD Kyffhäuserkreis und betreiber des „Germaniaversandes“ sowie des „Agressive Rock“ Labels) angemeldeten Festivals „In Bewegung“ (Sangershausen) sowie „Thüringentag der nationalen Jugend“ (Sömmerda) werden von Blood & Honour beworben. Ähnliches lässt sich im Landkreis Gotha Beobachten. dort ist es die Band S.K.D. Sonderkommando Dirlewanger und ihr Umfeld, die Blood & Honour zuzuordnen sind. Noch in den Jahren 2006 und 2008 war S.K.D. auf CD-Veröffentlichungen der bereits seit September 2000 verbotenen „Division Deutschland“ vertreten. Und in Fretterode im Eichsfeld lebt Thorsten Heise, der für die NPD im Kreistag sitzt, hinter dem WB-Versand steht und seit 2011 den sogenannten „Eichsfeldtag“ in Leinefelde organisiert. Heise hat bereits vor mehreren Jahren begonnen Rechtsrockkonzerte zu organisieren und dabei auch Blood & Honour und Combat 18 Urgesteine wie etwa die englische Band No Remorse eingeladen.

Wie bei den schon genannten Rechtsrockgroßveranstaltungen bzw. Festivals deutlich wird, hat die Thüringer NPD eine wichtige Funktion für die Rechtsrockszene. Umgekehrt spielt Musik an sich aber vor allem die damit verbundenen Veranstaltungen eine ebenso große Rolle für die NPD. Mit Musik lässt sich die rechte Ideologie verbreiten, Anhänger_innen lassen sich mobilisieren und insbesondere die Großveranstaltungen spielen Geld in die notorisch klammen Kassen. Wohl kaum ein Zufall also, dass sich zahlreiche personelle Überschneidungen zwischen Rechtsrockszene und NPD finden lassen. Gleich mehrere extrem rechte Musiker fanden sich in der Vergangenheit auf den Listen der NPD. Denis Schoner („Totenburg“) kandidierte in Gera für die NPD. Andre Steiniger, von der NS-Hardcoreband „Eternal Bleeding“, gehörte dem Freien Netz Altenburg an und war zeitweise Schatzmeister des NPD-Kreisverbandes Altenburger Land. Das gleiche Amt bekleidete Norman Helbing (Kinderzimmerterroristen – KZT) beim Kreisverband Kyffhäuserkreis, dem auch der extrem rechte Liedermacher Torsten Hering (Torstein) aus Sondershausen angehört. Der Liedermacher Jürgen V. (Jürgen Voigt) trat als Direktkandidat für die NPD im Ilm-Kreis an…

All das ist Grund genug, die Thüringer Rechtsrockszene stärker in den Fokus zu rücken. Einen Anfang macht die (noch unvollständige) Liste der Thüringer Rechtsrockbands und Liedermacher_innen seit 1990:

12 golden years (Weimarer Land und Apolda)
Abolition (Altenburg)
Absurd (Sondershausen)
Allvater (Landkreis Gotha)
Angriff 88 (Weimar)
Antiphrasis (Gera)
Arnestati (Arnstadt)
Askeregn (Region Ilmenau)
Barad Dür (Erfurt)
Barny (Reg. Jena, heute Schweden)
Bataillon (Gotha)
Bloodline (Artern sowie andere Bundesländer)
Bloody Memory (Altenburg)
Blutrache (Sondershausen und Sangerhausen/Sachsen-Anhalt)
Blutstahl / ehem. Division Wiking) (Jena und Pirna/ Sachsen)
Bombecks (Eisenach)
Brainwash (Altenburg)
Brauni & Klampfe (Gotha und Oberfranken)
Brutale Haie (Erfurt)
Celtic Dawn (Heldrungen)
D.N.A. Deutsch Nationale Antisemiten / jetzt Rabiat (Gera)
Diary Of A Dying Nation (Altenburg und Zwickau/Sachsen-Anhalt)
Die drei lustigen Vier (unbekannt)
Die Jungz (Saalfeld)
Donnertyrann (Erfurt)
Ehre und Stolz (Suhl)
Eichenlaub (Jena)
Eisenacher Jungs (Eisenach)
Engrave (Altenburg)
Epithalium (Gera)
Eternal Bleeding (Altenburg)
Eternity (Nordhausen)
Eugenik / ehem. Oigenik (Gera)
Extreme Rage (unbekannt)
Fimbulvet (Schmalkalden)
Forbidden (Altenburg)
Forgotten Spell (Sondershausen)
Forseti (Jena)
Frontal 18 (unbekannt)
Garde 18 (Eisenach)
Gassenhauer (Gera)
Glorial Honours (Thüringen und Sachsen Anhalt)
Heimleiden (Region Eisenach)
Hermunduren (Region Eisenach/Wartburgkreis)
Holocaust (Erfurt)
Hugin (Sondershausen)
I Don’t Like You (Oberweißbach / Region Saalfeld)
In Acht und Bann (Jena)
Isengard (Erfurt)
Isolfur (Gera)
Julmond (Robert Stange) (Gera)
Jürgen V(oigt) (Geschwenda)
Kampfgeschwader (Gotha)
Kinderzimmer Terroristen (KZT) (Raum Suhl)
Klampferitis (Gotha)
Kroizfoier / später Kreuzfeuer (Altenburg)
Last Man Standing (Raum Erfurt)
Law and Order (Gera)
Legion Ost (Gera)
Manneskerhat (Gera)
Martin Rocktäschel (Gera)
Max (Maximilian Lemke) (Jena)
Moshpit (Altenburg)
Neckbraker (Gera)
Nordfeuer (Region Saalfeld/ Quittelsdorf, Rottenbach)
Normannen (Altenburg)
Novus ordo Mundi (Jena, Eisenach, Ilmenau)
Oithanasie / ehem. Voll die Guten VdG (Gera)
Old Glory (Jena)
Order of Purity (Gera)
Ostfront (Gera)
PAK 88 (Erfurt)
Portest (Gera)
Project Germanic Friendship (Gotha)
Projekt W (Erfurt)
Querschläger / ehem. Schlagabtausch (Erfurt)
Rabenschrei (Sondershausen)
Rabiat / ehem. D.N.A. (Gera)
Radikahl (Weimar)
Rebell Noise (Erfurt)
Reichsfront / Reichssturm (Erfurt)
Roimkommando (Jena)
Schlagabtausch / ehem. Querschläger (Erfurt)
Security (Erfurt)
Sharon Tate (Altenburg)
Signs of Reality (Altenburg, Gera)
SKD Sonderkommando Dirlewanger (Gotha)
Sköll Dagaz (Luisenthal/Ohrdruf)
Skuld (Eisfeld)
Sprachgesang zum Untergang (Altenburg)
Spy Kids (Weimar)
Sturmangriff / ehem. Volksverhetzer (Sonneberg)
System Infarkt (Region Ilmenau)
Tobias „Bienenmann“ Winter (Jena / Kahla)
Torstein (Torsten Hering) (Sondershusen)
Totenburg (Gera)
Trabireiter (Erfurt)
Tumulus (Meiningen)
Tyskland (Saalfeld / Altenburg)
Udainsakr (Erfurt)
Unbeliebte Jungs (Sonneberg)
Under the Black Sun (Region Gotha)
Veit Kelterborn (Rudolstadt)
Vergeltung (Jena)
Volksverhetzer / VV1 (Sonneberg)
Voll die Guten (Gera)
Wecki (unbekannt)
Wewelsburg (Altenburg)
Will To Survive (unbekannt)
Wolfsmond (Nordhausen)
Wolfssang (Sondershausen)

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