Braune Häuser in Thüringen

Seit den 90er Jahren verfügt die extrem rechte Szene in Thüringen über verschiedene Rückzugsorte und Immobilien, die auch für Treffen, Schulungen, Konzerte und Bandproben dienen. Mindestens 14 werden für Neonazi-Aktivitäten genutzt, dazu kommen weitere Proberäume, Lagerhallen, Privatgrundstücke und Gaststätten. Einen kleinen Überblick über die aktuelle Situation der Braunen Häuser in Thüringen gibt es hier.

th-rechts-kirchheim2(Bild: „Erlebnisscheune“ in Kirchheim, siehe unten)

Einige der Objekte, die 2013-2015 genutzt wurden:

„Gelbes Haus“ in Ballstädt
Seit 2013 nutzen Neonazis die alte Bäckerei in Ballstädt/Landkreis Gotha, das sogenannte „Gelbe Haus“. In dem Ort ereignete sich im Februar 2014 ein brutaler Überfall von Neonazis auf eine Kirmesgesellschaft mit mehreren Verletzten, zwei Personen erlitten schwere Verletzungen. Einer der Täter war Thomas Wagner, Frontmann der Rechtsrock-Band SKD alias “Sonderkommando Dirlewanger” und einer der drei Eigentümer des “Gelben Hauses”. Ein weiterer Nutzer ist der ehemalige NPD-Landtagskandidat Steffen Richter, ein enger Vertrauter des mutmaßlichen NSU-Unterstützers Ralf Wohlleben. Richter gilt als Strippenzieher für die Solidaritätsarbeit der Thüringer Szene für ihren in München inhaftierten Kameraden. Ende August 2013 durchsuchten LKA-Beamte das Haus in Ballstädt und beschlagnahmten unter anderem Waffen. Das Gebäude dient gleichermaßen als Treffpunkt der „Kameradschaft Jonastal“, die zuvor schon in Crawinkel aktiv war. Als Folge der Exekutivmaßnahmen bemüht sich die Gruppe seit Frühjahr 2014 innerhalb der Szene Spendengelder zu sammeln, mindestens neun Musikveranstaltungen für Geldspenden zur Absicherung des Hauses sowie einem Tonstudio wurden bekannt.

„Goldener Löwe” in Kloster Veßra
Im Frühjahr 2015 hat der Neonazi Tommy Frenck, Kopf vom „Bündnis-Zukunft-Hildburghausen” (BZH), die Gaststätte „Goldener Löwe” in Kloster Veßra für 80.000 € gekauft. Das Grundstück verfügt über 1.500 Quadratmeter Grundstücksfläche, das für den Ort berühmte „Naturhistorische Museum“ liegt gleich nebenan. In der Immobilie gibt es Platz für bis zu 120 Personen. Frenck kündigte nach dem Kauf an, “mehrere Wohnungen für Familien aus dem Kreis“ einrichten zu lassen und im Saal „MMA, Wrestling und andere Fight-Sportarten“ zu trainieren. Bekannt wurde seit dem eine Vielzahl von neonazistischen Musikveranstaltungen, Treffen und Vorträge. Am 13. März 2015 hielt beispielsweise Axel Schlimper, Leiter der „Europäischen Aktion Thüringen“ einen Vortrag, am 24. März 2015 fand ein „Balladenabend“ mit „Lunikoff“ alias Michael Regner statt und am 11. April 2015 trat der mehrfach verurteilte Holocaustleugner Günther Deckert auf. Am 9. Mai fand ein Neonazi-Konzert mit 220 Personen statt, am 26. September spielte die Sonneberger Band „Unbeliebte Jungs“ vor 70 Teilnehmern zum „Thüringentag der Nationalen Jugend“ auf dem Grundstück. Frenck serviert in der Gaststätte auch Essen und nutzt die Immobilie zum Vertrieb von Materialien aus seinem Neonazi-Shop „Druck18“.

„Kammwegklause“ in Erfurt
Im Erfurter Stadtteil Herrenberg eröffnete Gabriele Völker in der Tungerstraße 1 am 1.11.2014 die „Kammwegklause“ in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Pizzeria. Die Betreiberin ist dem Spektrum der „Freien Kräfte“ zuzurechnen und hat immer wieder an rechten Demonstrationen teilgenommen. 2010 wurde sie zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt. Auch ihre Tochter Maria Völker nimmt an extrem rechten Demonstrationen bundesweit teil. Die „Kammwegklause“ diente bereits dem 2011 gegründeten und inzwischen aufgelösten extrem rechten Verein „Pro Erfurt“ als Treffpunkt und wird heute für NPD-Veranstaltungen und Konzerte mit Neonazi-Bands genutzt. Nach Angaben der ake fanden dort allein in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 sechs Musikveranstaltungen statt. Kurzzeitig war in dem Gebäude ein NPD-Bürgerbüro untergebracht. Unter derselben Adresse firmierte eine Zeitlang auch der Online Nazibekleidungsversand „Patriot“ des Erfurter NPD-Spitzenkandidaten und ehemaligen Hools Enrico Biczysko. Am 10. April 2015 spielte die Band „Kategorie C“ vor 90 Gästen in dem Gebäude.

NPD-Zentrale in Eisenach „Flieder Volkshaus“ in der Katharinenstraße
Kurz vor der Landtagswahl 2014 in Thüringen wurde bekannt, dass die Neonazi-Szene eine neue Immobilie in Eisenach erworben hat. Der Hamburger NPD-Aktivist und Strohmann Jan Zimmermann hatte das Gebäude in der Katharinenstraße 147a für 120.000 € erworben. Noch im September 2014 zog die NPD ein und eröffnete dort ihre Landesgeschäftsstelle. Der ehemalige Landesvorsitzende Patrick Wieschke betreibt von dort aus den Versandhandel „Antiquariat Zeigenoss“, um NS-Literatur verkaufen zu können. In dem Gebäude trifft sich auch die Neonazi-Gruppe „Nationale Jugend Eisenach“, mehrere Feste und Konzerte fanden inzwischen statt. Am 3. Oktober 2014 spielte der Liedermacher Frank Rennicke, nach dem zuvor Thomas Sattelberg, Gründer der als kriminelle Vereinigung verbotenen „Skinheads Sächsische Schweiz“, einen Vortrag über das neofaschistische „Casa Pound“ Projekt aus Italien hielt. Am 13. Juni 2015 spielte der Brandenburger Liedermacher „Wecki“, am 7. November 2015 traten die Neonazi-Musiker „Zeitnah“, „Fylgien“, „Rocker Rolf“, „Barny“, „Hermunduren“ und „RAC’n Rollteufel“ auf und am 11. Dezember 2015 die Band „Kategorie C“.

Gutshaus Hanstein in Fretterode
Das ehemalige Pflegeheim in der Mitte des Eichsfelddorfs Fretterode befindet sich im Besitz des rechtskräftig verurteilten und mehrfach vorbestraften Neonazis Thorsten Heise. In dem Anwesen finden seit 2002 wöchentlich Kameradschaftsabende statt, außerdem ist es der Sitz von Heises „W&B-Versand“, des „Nordland-Verlags“ und der Zeitschrift „Der Reichsbote“. Bei einer Durchsuchung 2003 stellten die Beamten u.a. zwei Gewehre, eine zerlegte Maschinenpistole, ein Maschinengewehr und eine Stielhandgranate sicher. Auch der Thüringer NPD-Landesvorstand nutzt das Haus als Treffpunkt. Bei den zwei Denkmälern auf dem Gelände handelt es sich um ein Ehrenmal der „1. SS-Panzer Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler“ und ein Denkmal des „Schutzbund Deutschland“. Auch ein weiteres Haus in der Dorfmitte befindet sich in Heises Besitz, der es an den „Liedermacher“ Thorsten Hering („Thorstein“) vermietet hat.

Clubhaus des Stahlpakt MC Gera
Seit einigen Jahren gibt es personelle Verflechtungen zwischen dem Stahlpakt MC Gera und der neonazistischen Szene. Das (ehemalige?) Clubhaus der Rockergruppe diente Neonazis nicht nur als Treffpunkt sondern soll in der letzten Zeit auch für Proben einer Rechtsrockband genutzt worden sein. Im Sommer 2013 gründete sich im Raum Ostthüringen ein neuer Internetshop mit dem Namen „Hardliner Streetwear“, der in das Umfeld des im NSU-Prozess Angeklagten André Eminger gerechnet wird und auch zeitweise ein Bild von Emingers Verhaftung durch die GSG9 im November 2011 im Kopf der Seite darstellte. Sowohl der Neonazi-Shop als auch der Shop vom Stahlpakt MC Gera („Waffenschmiede“) rechnen ihre Geschäfte über ein und dieselbe Steuer-Identifikationsnummer ab.

Rittergut Guthmannshausen
Seit 2011 nutzt der Verein Gedächtnisstätte e.V. die rund 1.000 Quadratmeter des alten Rittergutes für Seminare, Vorträge und Wochenendveranstaltungen. Gründerin des Vereins war Ursula Haverbeck, die „grande dame“ der deutschen Holocaustleugner, die zu den ersten Referenten in Guthmannshausen gehörte. Das Landesamt für Verfassungsschutz beobachtete seit längerem die Kaufabsichten des „Gedächtnisstätte e.V.“ und hatte auch die vorgeschickte Käuferin Bettina Maria Wild-Binsteiner im Visier. Weil sie das zuständige Thüringer Liegenschaftsmanagement (Thülima) aber nicht informierte, wechselte die Immobilie für 320.000 Euro in den Besitz des extrem rechten Vereins. Unter anderem finden in Guthmannshausen auch Veranstaltungen der extrem rechten „Schlesischen Jugend“ statt. Am 18. Juli 2015 fand ein „Sommerfest“ des „Freundeskreis Udo Voigt“ mit zahlreichen Vertretern unterschiedlicher Neonazi-Organisationen statt.

Hotel „Hufhaus“ in Ilfeld
Das Hotel „Hufhaus“ in Ilfeld (Landkreis Nordhausen), auch bekannt als „Ausflug und Ferienhotel Hufhaus-Harzhöhe“ ist seit ca. Ende der 1990er Jahre Veranstaltungsort der Frühjahrs- und Herbsttagungen der extrem rechten „Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.“ mit etwa 100 Teilnehmern. An den Sommer- und Wintersonnenwendfeiern vor Ort nehmen bis zu 250 Personen teil. Auch der langjährige Neonazi Meinolf Schönborm nutzt meist zweimal im Jahr das Hufhaus für die „Lesertreffen“ der von ihm heraus gegebenen Zeitschrift „Recht und Wahrheit“. Vom 17. bis 19. April 2015 veranstaltete Schönborn mit der Holocaustleugnerin Haverbeck-Wetzel und anderen ein „Recht & Wahrheit“ Lesertreffen. Im Anschluss spielte der Liedermacher „Brusi“ beim „Kameradschaftsabend“.

Braunes Haus in Jena
In Jena stand den Neonazis seit 2002 das „Braune Haus“ in der Jenaischen Straße im Stadtteil Lobeda zur Verfügung. Einschlägig bekannte Neonazis bauten die dort befindliche ehemalige Gaststätte zu einem „Nationalen Zentrum“ mit überregionaler Ausstrahlung aus, in dem NPD-Schulungen und Treffen der rechten Szene z.B. mit Horst Mahler oder Gerd Ittner stattfanden. Seit 2002 wohnten in dem extrem rechten Hausprojekt zeitweise die bekannten Neonazis André Kapke, Ralf Wohlleben und der extrem rechte Liedermacher Maximilian Lemke. 2009 wurde das Objekt baupolizeilich geschlossen, seit dem wird für Treffen und Veranstaltungen vorwiegend der Garten genutzt. Ein Teil der Bewohner und Nutzer hat sich neue Rückzugsorte im nahegelegenen Kahla gesucht. In der Vergangenheit fanden auch Razzien auf dem Gelände statt, so im Herbst 2010 auf der Suche nach Sprengstoff und Mitte 2012, als Polizeibeamte auf der Suche nach Waffen auch Betonwände aufstemmten. Innerhalb der Szene gibt es Diskrepanzen zur weiteren Nutzung, die von Verkaufsabsichten bis hin zu Renovierungs-/Instandsetzungsbemühungen reichen. Seit der Verhaftung des Jenaer NPD-Chefs Ralf Wohlleben als mutmaßlicher NSU-Helfer sind die Pläne vorerst offenbar eingefroren. Am 21. Oktober 2014 fuhr ein Umzugswagen vor das Gebäude und die letzten Überbleibsel wurden ausgeräumt, seitdem ist es ruhig dort geworden.

„Burg 19“ in Kahla
Die zusammenhängenden Gebäude „Jenaische Straße 1“ und „Burg 19“ verfügen zusammen über mehr als 250 Quadratmeter Wohnraum mit einem Raum im Erdgeschoss, der als Freizeittreff für Neonazis dient. Die 2012 für einen niedrigen fünfstelligen Kaufpreis ersteigerten Häuser wurden 2013 ein wenig äußerlich saniert, die oberen Geschosse werden als Wohnraum genutzt. Bei einem der zwei Käufer soll es sich um Rick W. Handeln, der als Nachfolger des ehemaligen Vorsitzenden Ralf Wohlleben den NPD-Kreisverband Jena betreut. Das Objekte diente schonmehr als Treffpunkt für Burschenschaften, insbesondere auch für die „Burschenschaft Normannia“. Auch wurde dort zeitweise ein Versandhandel betrieben, der insbesondere auch NS-Literatur vertrieb. Unter den Bewohnern befinden bzw. befanden sich zwischenzeitlich Maximilian Lemke, Liedermacher und Pächter des Braunen Haus Jena, Lisa Bauer („Aktionsbüro Mittelrhein“ und „Freies Netz“ Jena), der wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilte Sebastian Dahl aus Berlin sowie die beiden NPD-Kandidaten zur Kreis- und Stadtratswahl 2014, Hendrik Radtke und Johannes Bertels. Am 12. März 2012 durchsuchte die Polizei das Gebäude im Zusammenhang mit Ermittlungen nach §129 „Bildung einer kriminellen Vereinigung“ (Aktionsübro Mittelrhein-Verfahren). Im März 2013 fand erneut eine Razzia auf der Suche nach einer Schusswaffe statt.

Industriehalle bei Suhl
Ende 2014 und Anfang 2015 fanden mehrere Veranstaltungen in einer Gewerbehalle bei Suhl statt. Am 16. Dezember 2014 soll der Sänger der Band „Die Lunikoff Verschwörung aufgetreten sein“, am 24. Januar 2015 veranstaltete der Neonazi Tommy Frenck eine Geburtstagsfeier unter dem Motto „say it loud, say it clear – refugees not welcome here“, an der 142 Personen teilnahmen. Es sollen fünf Bands aufgetreten sein, darunter eine aus Thüringen.

Erlebnisscheune Kutz in Kirchheim
Seit die Erlebnisscheune Kutz in Kirchheim (Ilm-Kreis) im Februar 2009 erstmalig Tagungsort des NPD-Landesverbandes Thüringen war, hat sich die Immobilie zum beliebtesten Veranstaltungsort der Neonazis in Thüringen gemausert. Allein in den ersten drei Monaten 2014 fanden dort statt: NPD-Bundesparteitag, „Europakongress“ der Jungen Nationaldemokraten (JN) und der Landesparteitag der Thüringen NPD. Ständiger Gast ist auch die „Gesellschaft für Publizistik“ (GfP), der bundesweit größten extrem rechten Kulturvereinigung. Inzwischen kann der Eigentümer und Betreiber der Erlebnisscheune, R. Kutz, selbst dem extrem rechten Lager zugeordnet werden. Über 70 Veranstaltungen fanden dort mittlerweile statt. Seit dem Frühjahr 2014 hisst der Betreiber auch dauerhaft ein Transparent, dass an die extrem rechte Bewegung der „Europäischen Aktion“ anknüpft. 2015 fand eine Vielzahl von Konzerten und Treffen statt, die extrem rechte „Gesellschaft für freie Publizistik“ traf sich vom 29.-31.05.2015, die Laudatio hielt der ehemalige sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Arne Schimmer.

„Hausgemeinschaft Jonastal“ -Crawinkel
Mitte Dezember 2011 kauften Neonazis aus dem Umfeld der Thüringer Rechtsrockband „SKD“ das Gebäude in der Bahnhofsstraße und führten bis 2013 zahlreiche Treffen und Konzerte dort durch. Die Neonazis um die „Kameradschaft Jonastal“ pflegten enge Verbindungen zur kriminellen Gruppe „Objekt 21“ in Österreich, die in wechselseitigen Besuchen und Unterstützungen mündeten. Am 29. August 2013 durchsuchten Spezialeinheiten der Polizei dieses Gebäude und ein weiteres in Ballstädt, die beiden Neonazis Steffen Mäder und Andreas Potyra wurden verhaftet und nach Österreich überstellt. Die „Hausgemeinschaft Jonastal“ knüpft mit ihren Initialien „HJ“ an die „Hitlerjugend“ an. Nach zweijährigen Verhandlungen setzte die Gemeinde Crawinkel im Frühjahr 2014 ihr geltendes Vorkaufrecht durch und übernahm die Immobilie für 155.000 Euro. Die neonazistischen Bewohner waren zuvor bereits nach Ballstädt ausgewichen (siehe „Gelbes Haus“). Das Haus wird seitdem nicht mehr durch Neonazis genutzt.

„Am Bahnhof“ Marlishausen
Der Bundesvorsitzende und gleichzeitige Landesgruppenvorsitzende der „Schlesischen Jugend“, Fabian Rimbach, erwarb 2011 das Gebäude „Am Bahnhof“ in Marlishausen, eine ehemalige Gaststätte mit Pensionsbetrieb. Die Immobilie verfügt über einen Saal mit Platz für bis zu 120 Personen und ist auch der offizielle Vereinssitz der „Schlesischen Jugend Thüringen“. Im Oktober 2014 fand eine bundesweite Führungskräfteschulung der NPD-Jugendorganisation „JN“ in dem Gebäude statt, aus Thüringen beteiligten sich Daniel Madalschek aus Erfurt und Mandy Meinhardt aus Saalfeld.

„Kulturhaus Haselbach“
Seit mehreren Jahren greifen Neonazi für Treffen auf das „Kulturhaus“ zurück, dass im Besitz einer Nazianhängerin des höheren Alters, Irmgard „Irmi” Thomas, ist. Am 12. Mai 2012 fand beispielsweise der NPD-Landesparteitag dort statt, auf dem Patrick Wieschke zum Landesvorsitzenden gewählt wurde. Am 11. Juli 2015 fand der Gründungsparteitag von “Die Rechte Thüringen” statt, bei dem Bert Müller zum Landesvorsitzenden und Michel Fischer zum Landesorganisationsleiter gewählt wurden. Im gleichen Ort wohnt auch der Gebietsleiter der „Europäischen Aktion Thüringen”, Axel Schlimper. Auch die „Kameradschaft Lauscha” nutzte das Kulturhaus in der Vergangenheit für Treffen.

Gewerbegebäudekomplex in Oberhof
In der Gräfenrodaer Str. 2 in Oberhof haben sich mehrere neonazistische Versandstrukturen niedergelassen. Von dort aus agieren die Unternehmen “Pro Textil GmbH”, “Nordic Tex” und der „Streetunion-Versand“ bzw. die „Uniontextil GmbH”. Die in der Neonaziszene beliebte Marke „Ansgar Aryan“ wird von hier aus bundesweit verschickt, auf den Umschlägen und Kartons stand 2014 die Absenderanschrift „Nemesis Production GmbH, Lager 101, Gräfenrodaer Str. 2, 98559 Oberhof“. Mehrere lokale Neonazis aus der Region um Oberhof bei Suhl sind bei der Firma beschäftigt, unter ihnen auch der Ballstädt-Schläger Marcus Russwurm, der hier als Model für Katalogfotos der Marke arbeitet.

Landgasthof „Frische Quelle“ Mosbach
Die Gaststätte „Frische Quelle“ in Mosbach dient bundesweit agierenden Neonazis und extrem rechten Organisationen seit 2000 als Versammlungsraum und Schulungszentrum. Dazu gehören seitdem NPD, JN, DVU, Kameradschaften, „Collegium Humanum“, „Reichsbewegung“ und andere. Erst im April 2014 fand dort das treffen des Kreisverbandes Rhein Erft der Partei „Die Rechte“ statt, Redner waren u.a. die Holocaustleugner Rigolf Hennig und Ursula Haverbeck

„Altes Labor“ in Unterwellenborn/Saalfeld
Seit einem Konzert mit „Kategorie C“ im März 2008 ist die extrem rechte Band bislang fünf Mal im „Alten Labor“ aufgetreten. Daneben spielten dort Rechtsrock-Bands wie Noie Werte und Frontalkraft, auch das extrem rechte „Treffen der Generationen“ fand 2011 in Unterwellenborn statt. Die Immobile gehörte 2011 laut MOBIT zum „Veranstaltungsort mit den meisten Rechtsrock-Konzerten in Thüringen“. 2012 sollte dort das bislang letzte Konzert zugunsten des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben stattfinden, das aber von der Polizei unterbunden wurde und Spontandemonstrationen der Neonazis zur Folge hatte. Am 19. Januar 2013 wurde mit einer Party die Gaststätte „Rider’s Pub” mit derselben Anschrift wie das “Alte Labor” eröffnet. Unter den Gästen befanden sich neben Anhängern von Rockergruppierungen auch Neonazis aus Thüringen, so unter anderem auch zwei rechte Liedermacher aus Jena und Rudolstadt, Mitglieder von neonazistischen Bands, Angehörige des “Freien Netzes Saalfeld” und der rechten Szene im Landkreis sowie Mitglieder des ehemaligen “Thüringer Heimatschutzes”. In einer Antwort der Landesregierung vom April 2013 heißt es, „Der aktuelle Gebäudeeigentümer ist als Angehöriger der rechtsextremistischen Szene Thüringens sowie als Anwärter des “Hells Angels MC Hof” bekannt“. Das “Riders Pub” hatte nach entsprechenden Veröffentlichungen schnell wieder geschlossen. Seit Frühjahr 2014 sind in Saalfeld Flyer im Umlauf, auf denen ein neuer Tattoo-Shop im „Alten Labor“ angekündigt wird. Seither wurden dort keine weiteren Neonazi-Feiern bekannt.

„Bulls Eye“ – Eisenach
Die Gaststätte „Bulls Eye“ in Eisenach gehört dem 38-jährigen NPD-Stadtratskandiaten (2014) Daniel Arnold. Die Eisenacher NPD um Patrick Wieschke lud am 1. Mai 2014 zu einem Maifest in das Objekt ein, an dem sich ca. 40 Personen beteiligten. Das „Bulls Eye“ ist das jüngste von Thüringer Neonazis genutzte Objekt und konnte in der 2. Hälfte 2014 noch einen Anstieg an weiteren Aktivitäten verzeichnen. Am Rande des Burschentages am 14. Juni 2014 in Eisenach beschimpfte Arnold mehrfach Teilnehmer einer Gegendemonstration, so dass die Polizei kurzzeitig gegen ihn eingreifen musste.

Industriehallen in Sonneberg
Seit fast 10 Jahren nutzen Neonazis in Sonneberg verschiedene angemietete Industriehallen bzw. Betriebsflächen für Treffen, Konzerte und Bandproben. Eine Hauptrolle nimmt dabei der Sonnenberger Neonazi Ricky Nixdorf ein, welcher immer wieder für Anmietungen verantwortlich war. Nixdorf war auch Mitglied von mehreren Thüringer Rechtsrock-Bands, zuletzt bei der Gruppe „Unbeliebte Jungs“. Enge Kontakte unterhält er auch zur NPD-Abspaltung „Bündnis-Zukunft-Hildburghausen“ (BZH), welches am 14. Juni 2013 in Sonneberg eine Info-Veranstaltung zum Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf mit anschließendem Neonazi-Konzert veranstaltete. Als Bands traten auf: „Unbeliebte Jungs“ und „SKD“. 2015 wurde außerdem ein Gebäude mit dem Namen „Obersalzberg Sonneberg“ für Musikveranstaltungen genutzt.

Sonstige
Darüber hinaus sind weitere Objekte bekannt, die in den letzten drei Jahren mehrfach genutzt wurden: Darunter die Gaststätte „Trockis Eck“ die von der Partei „Die Rechte“ mehrmals in Neuhaus genutzt wurde, die Gaststätte „Fuchsis Eck“ in Gera als Treffpunkt von „Freien Kräften“ und NPD-Anhängern, sowie andere Gaststätten in Nordhausen, Altenburg, Schmalkalden, Gera und Erfurt, die für Treffen der extrem rechten Szene dienen. Außerdem ein Jugendclub in Schmiedefeld, ein Bungalow in Rottenbach, diverse Proberäume, Hotels, Jugendherbergen und Privatgrundstücke sowie eine Lagerhalle in Sonneberg. Hinzu kommen weitere Büroräume bzw. Lagermöglichkeiten für extrem rechte Vertriebsstrukturen wie beispielsweise in Oberhof und Sondershausen.

In den Jahren zuvor nutzten Anhänger der rechten Szene auch noch folgende ehemalige Immobilien:

Bürohaus „Europa“ in Bad Langensalza
Seit Juli 2010 nutzen Thüringens NPD, eine Außenstelle des „Deutschen Stimme Verlags“ und der „Germania Versand“ gemeinsam ein Bürohaus in Bad Langensalza. Am 19. Juli 2010 tagte erstmals der NPD-Landesvorstand in dem seit Jahren leerstehenden Gebäude. Zuvor einigte man sich mit den Eigentümern über eine Nutzungsüberlassung und einen späteren Kauf des Gebäudes durch die Rechtsextremen. Aufgrund der Finanzsituation ist nicht davon auszugehen, dass die NPD derzeit selbst Käufer des Gebäudes wird, sondern ein Geldgeber die Immobilie erwirbt und dem Rechtsextremisten zur Verfügung stellt. Laut eigenen Aussagen im Rahmen einer Pressekonferenz soll das viergeschossige Gebäude für Tagungen und Veranstaltungen, darunter auch kleinere Konzerte, genutzt werden. Die zentrale Lage und der bestehende Platz für Übernachtung ermögliche in Bad Langensalza die Durchführung von NPD-Bundesvorstandssitzungen. Firmenschilder vor dem Haus weisen mittlerweile die neuen Nutzer aus: Die Landesgeschäftsstelle der NPD, die neonazistische Regionalzeitung „Der Nordthüringen Bote“, ein Regionalbüro des Verlags der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ und der „Germania-Versand“ des NPD-Funktionärs Patrick Weber. Der NPD-Materialdienst wird ebenso in das Gebäude einziehen. Andere Nutzer, z.B. Rechtsanwälte aus der rechtsextremen Szene, werden zum Teil noch gesucht. Ende August 2010 fand erstmalig ein Konzert mit 125 TeilnehmerInnen statt.

Schützenhaus in Pößneck
Aktualisierung: Im Sommer 2011 kaufte die Stadt Pößneck das “Schützenhaus” zurück und beendet so die Nutzung der Immobilie durch Neonazis. Im Jahr 2003 kaufte der bundesweit aktive Neonazi und Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger das zentral gelegene Schützenhaus in der Friedensstraße in Pößneck. Er erwarb für 360.000 Euro die bis dahin als Diskothek und Gaststätte genutzte Immobilie als Geschäftsführer der „Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation“. Die in Großbritannien ansässige Stiftung geht auf den Bremer Spender Wilhelm Tietjen zurück, der sein Erbe an Rieger vermachte. 2005 fand im Schützenhaus der Thüringer NPD Landesparteitag statt. Im Anschluss gab Michael Regener, alias „Lunikoff“, Sänger der verbotenen Neonaziband „Landser“ dort sein Abschiedskonzert, bevor er seine Haftstrafe antrat. Etwa 2.000 Neonazis kamen zu diesem Konzert. Danach wurde es für einige Zeit still um das Schützenhaus. Die Stadt Pößneck beziehungsweise das Landratsamt verweigerten die Erteilung von Konzessionen, da der Besitzer und das Betreiberehepaar Myrtha nicht in der Lage waren, bau- und nutzungsrechtliche Vorschriften einzuhalten. Das endgültige Aus schien 2006 mit dem Erlöschen der Wilhelm-Tietjen-Stiftung in Großbritannien gekommen, nachdem Rieger den geforderten Geschäftsbericht nicht vorlegen konnte. Das Schützenhaus erhielt einen Zwangsverwalter. Das Vorhaben des Nachtragsliquidators das Gebäude zu veräußern, scheiterte jedoch am Urteil des Landgerichts Gera, das erhebliche Verfahrensfehler feststelle und einen Verkauf ohne Einverständnis Riegers unterband. Inzwischen ist die Wilhelm-Tietjen-Stiftung wieder hergestellt und die Entwicklung dieser rechtsextremen Immobilie ist vorerst offen. Mit dem Tod Riegers war zunächst die Hoffnung verbunden, dass das „Schützenhaus“ künftig nicht mehr in den Händen verbleiben würde. Lange Zeit war unklar, wer das Gebäude als Erbe übernimmt. Zunächst wurde bekannt, dass die die rassistische „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung“ das Erbe Jürgen Riegers antreten wird und das Gebäude als zukünftiger Eigentümer übernehmen wird. Noch zu Lebzeiten erteilte der vermögende Bremer Wilhelm Tietjen Rieger den Auftrag, eine Stiftung beziehungsweise britische Gesellschaft seines Namens zu gründen. Dem kinderlosen Ex-Lehrer stand der Sinn nach einer baldigen „Gründung eines Instituts zwecks Mehrung der Träger elitärer Erbanlagen“ sowie die „Errichtung einer entsprechenden Spermienbank“. 2002 starb Tietjen, den Nachbarn als eigensinnigen „Waldschrat“ wahrgenommen hatten und hinterließ ein Testament, welches nun bei Aufräumarbeiten in Riegers Hinterlassenschaften gefunden wurde. Demnach war der Hamburger Neonazi-Anwalt und Chef des NPD-Landesverbandes zunächst „Testamentsvollstrecker“, dann Verwalter der Tietjenschen Millionen – allerdings in doppelter Eigenschaft als Geschäftsführer der britischen „Wilhelm Tietjen Stiftung Ltd“ sowie als Vorstandsmitglied der einzigen Erbin, der „Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V.“. Auf dem 9. Thüringentag der nationalen Jugend am 12. Juni 2010 verkündete der Rechtsextremist Thomas Wulf an, als Direktor der Wilhelm Tietjen Stiftung für Fertilisation Ltd. nunmehr die Eigentümerrechte an dem Gebäude wahrzunehmen und notwendige Baumaßnahmen zur Erfüllung insbesondere brandschutzrechtlicher Vorgaben durchführen zu wollen. Derzeit sei das Objekt an den Thüringer rechtsextremen André Kappke vermietet. Vieles scheint im Zusammenhang mit dem Nachlass Riegers immer noch im Unklaren. Sicher ist aber, dass der ehemalige Tietjen-Besitz in Pößneck weiterhin im Besitz von Strukturen der extremen Rechten verbleiben wird. Im Jahr 2009 veranstalteten Rechtsextreme im Schützenhaus die Veranstaltung „Nutze die Möglichkeit – Lausche derErlebnisgeneration“ statt. Ein angemeldetes Konzert für 200 Teilnehmer im Schützenhaus wurde nach einer Kontrolle des Brand- und Katastrophenschutzes auf mögliche Gefahren verboten. Im Jahr 2010 fand u.a. ein Konzert mit internationalen rechtsextremen Bands im Hof des Schützenhauses mit etwa 200 Teilnehmern statt, ein anderes Konzert konnte im Februar als private Feier deklariert im Gebäude ungestört stattfinden. Ein drittes geplantes Konzert wurde im Vorfeld durch die Polizei verhindert. Das für September 2010 angekündigte Fest der Völker wurde abgesagt, nachdem es im Jahr 2009 mit etwa 400 Teilnehmern in Pößneck stattgefunden hatte. Im Sommer 2011 kaufte die Stadt Pößneck das “Schützenhaus” zurück und beendet so die Nutzung der Immobilie durch Neonazis.

Wilhelmsburg in Jena
Der Besitzer des Gründerzeithauses in der Schleidenstraße ist Wilhelm Tell, der Kreisvorsitzender der Partei „Die Republikaner“ (REP) und Mitglied im Landesvorstand der Partei war. Er hatte das Gebäude der „Jenaischen Burse“ zur Nutzung überlassen, zu dessen Vorstand neben Tell auch Dr. Heinz-Joachim Schneider zählt sowie Peter Dehoust aus Coburg, Chefredakteur und Herausgeber der neofaschistischen Zeitschrift „Nation+Europa“. Tatsächlicher Nutzer des Hauses war bis 2006 die rechtsextreme „Burschenschaft Normannia“. Interessierte wurden zum Beispiel über die „Nation+Europa“ geworben. Darin waren Anzeigen geschaltet, in denen „patriotische Studenten“ gesucht wurden, denen feste Gemeinschaft, preiswerte Zimmer und Unterstützung angeboten werden. Das Haus wird als Wohnhaus für entsprechende Personen genutzt. Daneben fanden vielfältige Veranstaltungen aus dem rechtsextremen Bereich statt. 2006 kündigte Wilhelm Tell auf Grund starker öffentlicher Proteste und Aktionen gegen das rechtsextreme Wohnprojekt den Mietvertrag mit dem Tarnverein der „Normannia“. Die „Jenaische Burse e.V.“ führt seither ihre Veranstaltungen im sogenannten „Braunen Haus“ in Jena-Lobeda durch und ist auf der Suche nach einem neuen Domizil. Geführt wird der Verein nun von dem Thüringer Neonazi Hans-Hermann Höll.

Weitere ehemalige Objekte waren unter anderem.: „Sturmlokal“ (Saalfeld), „Drei Mädle Haus“ (Schönbach, Vogtland), „Gaststätte Henne“ (Dillstädt), „Skinhouse Menfis“ (Neustadt) , Gasthaus Ammelstädt (Lkr. Saalfeld-Rudolstadt) und „Schwedenschanze“ (Deesbach).

Ergänzung: Dieser Artikel erschien am 24. Mai 2014 und wurde am 28. Dezember 2015 aktualisiert.

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